Die Rasiermesser sind gewetzt - der historische "threepeat", das dritte Double in Folge, ist zum Greifen nah. Während die Fans aus Freak City am Mittwoch in Ulm schon weit vor Spielschluss und lange nach dem 86:70-Erfolg beim Herausforderer feierten, als wäre der Titel bereits unter Dach und Fach, bemühten sich die Protagonisten, darauf aufmerksam zu machen, dass trotz einer 2:0-Führung in der Serie nach dem Modus "best of five" noch ein Sieg fehlt, um endgültig Geschichte zu schreiben.
Ulms Coach Thorsten Leibe-nath gab sich trotz der Dominanz des hohen Favoriten vor dem dritten und vermutlich letzten Aufeinandertreffen der beiden besten deutschen Mannschaften am Sonntag (14.30 Uhr/Sport 1 live) kämpferisch: "Wir haben in der gesamten Saison noch nicht einmal dreimal in Folge verloren, und ich gehe davon aus, dass uns das auch in den Finals nicht passiert."
"Ulm hat sich im Vergleich zu Spiel eins gesteigert. Ich erwarte, dass sie das auch in Spiel drei schaffen. Klar ist aber auch: So toll die Atmosphäre in der ratiopharm Arena ist - ich will in den Finals nicht wieder zurückkehren", machte Bambergs Coach Chris Fleming nach der Partie deutlich, wie der Plan für Sonntag aussieht. "Ich glaube die Jungs wissen, worum es geht und welche Gelegenheit wir hier haben." Und Fleming weiß auch genau, wie der Plan in die Tat umzusetzen ist: "Ulm kann sehr schnell punkten, aus dem Fastbreak oder mit schnellen Dreiern. Die müssen wir sicherlich in Spiel drei unterbinden."
"Wir wussten, dass das das entscheidende Spiel sein kann für uns. Wenn wir das verloren hätten, hätte Ulm eine Chance gewittert, und das wollten wir nicht zulassen. Die sind rausgekommen und haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt. Aber ich glaube unser Run am Ende des zweiten Viertels war ausschlaggebend. Wir haben uns acht Punkte Vorsprung herausgearbeitet. In der zweiten Halbzeit haben wir das gut verwaltet", analysierte der überragende Anton Gavel (22 Punkte) die wohl vorentscheidende Partie. Seine Dreier trafen die Ulmer mitten ins Herz. Aber auch die Defensivleistung des besten Abwehrspielers der Liga verdient einmal mehr Hochachtung. "Die Mannschaftsleistung war wieder unglaublich. Jeder ist für den anderen in die Bresche gesprungen. Und am Ende kam was dabei raus", war der Slowake stolz auf seine Mitstreiter.
Die beiden Dreier von Casey Jacobsen und Julius Jenkins unmittelbar vor der Pause (47:39) waren genauso wichtig, wie der Treffer aus der Distanz von Gavel und die darauf folgende Gala von P.J. Tucker gleich nach dem Seitenwechsel. Das Bamberger Kraftpaket zündete den Turbo und war von den Ulmern nur mit Fouls zu bremsen. "Der Schlüssel zum Erfolg war, dass wir der Energie, mit der die Ulmer rauskamen, sofort begegnet sind. Ich wusste, dass die ersten Minuten nach der Pause die wichtigsten im ganzen Spiel sein können. Deshalb bin ich voll konzentriert rausgekommen. Ich wollte einen Run starten und die Ulmer unsere Stärke spüren lassen", kommentierte Tucker die Glanzleistung und warnte gleichzeitig: "Wir haben noch keinen Grund zum Feiern. Es stehen am Sonntag 40 Minuten harte Arbeit für uns an. Danach werden wir sehen, was passiert. Wir brauchen noch einen Sieg, dafür werden wir alles geben. Vom Feiern will ich vorher nichts hören."
Karsten Tadda, der einmal mehr mit viel Einsatz verteidigte und auch im Angriff mit Selbstvertrauen zu Werke ging, schlug auf Grund der grandiosen Unterstützung in Ulm durch weit über 600 Fans aus Freak City in die gleiche Kerbe: "Bamberg ist einfach so eine geile Stadt, was die Fans angeht. Sie feiern bereits. Aber es fehlt noch ein Sieg, bevor die richtige Party steigt."
Manager Wolfgang Heyder stellt bereits vor dem vermeintlichen Schlussakkord klar: "Obwohl es bei weitem noch nicht so weit ist, kann ich nur sagen, dass sich diese Mannschaft und ihr Trainerstab diese deutsche Meisterschaft redlich verdient hätten." Bevor die Play-off-Bärte abrasiert werden, ist aber ein letzter Kraftakt mit der Roten Wand im Rücken nötig.

Am Samstag gibt's die letzten Tickets


Am Samstag ab 10 Uhr sind im Print@home-Service auf www.brosebaskets.de noch einzelne Karten, die aus Ulm zurückkamen, erhältlich. Wer kein Ticket ergattert, kann das Spiel beim Public viewing auf dem Bamberger Maxplatz verfolgen.

Der Überblick



Brose Baskets Bamberg - ratiopharm Ulm
(Sonntag, 14.30 Uhr Stechert-Arena/Sport 1 live)
Bamberg Gavel, Jacobsen, Jenkins, Neumann, Pleiß,
Richter, Roberts, Schmidt, Slaughter, Suput, Tadda,
Tucker
Ulm Betz, Bryant, Esterkamp, Günther, Heberlein, Mason-Griffin, Nankivil, Oladipo, Swann, Torbert, Watts, Wenzl

Die Spiele in dieser Saison
Bamberg - Ulm 64:59,
Ulm - Bamberg 74:102
Pokal-Halbfinale in Bonn:
Bamberg - Ulm n.V. 99:96
1. Finale: Bamberg - Ulm 98:72
2. Finale: Ulm - Bamberg 70:86

Die nächsten Spiele in der Finalserie (Modus best-of-five) falls erforderlich: Spiel 4: Donnerstag, 14, Juni, 20 Uhr, in Ulm; Spiel 5: Sonntag, 17. Juni, 16.45 Uhr in Bamberg