Es war klar, dass die eindrucksvolle Heimserie der Brose Baskets (49 Siege in Folge) gegen die nationale Konkurrenz irgendwann ein Ende finden würde - doch es war ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt: Ausgerechnet zum Start in die Play-offs machten die Telekom Baskets Bonn mit dem 75:74-Erfolg am Donnerstagabend deutlich, dass die Frankenhölle doch keine uneinnehmbare Festung ist. Erstmals in dieser Saison gelang es einem Bundesliga-Team, den Offensiv-Rhythmus des Meisters komplett zu zerstören. 18 Ballverluste leistete sich der zweimalige Double-Gewinner gegen die ständig wechselnden Verteidigungen der Bonner. Der Tabellenachte witterte Morgenluft und deckte im letzten Viertel (29:19) die Schwächen der Bamberger in der Verteidigung schonungslos auf.

Trainer unterschiedlicher Ansicht


In einem Punkt waren sich die beiden Trainer am Ende nicht einig: Nachdem Bonns Coach Mike Koch davon sprach, dass seine Jungs am Ende auch das Glück auf ihrer Seite hatten, entgegnete Chris Fleming: "Bonn hat gut gespielt und verdient das Spiel gewonnen." Nach dem guten Start hätte sich sein Team unter Druck gesetzt. "Die 18 Ballverluste haben uns sehr weh getan, auch in vielen kritischen Situationen, als wir den Vorsprung hätten ausbauen können. Wenn wir 29 Punkte im letzten Viertel zulassen, dann werden wir die Mehrzahl der Play-off-Spiele verlieren", betonte Fleming.
Nach einem vielversprechenden Start (12:2) geriet der Brose-Motor ins Stottern. Vor allem auch, weil die Hausherren immer wieder den Ball verloren und die Gäste so zu Schnellangriffen einluden.
"Ich habe immer gesagt, dass es ein Quatsch ist, bereits über Halbfinale und Finale zu reden. Man muss erst einmal mit Respekt ins Viertelfinale gehen. Das hatten wir durchaus vor, aber man weiß nie, was im Hinterkopf passiert", betonte Wolfgang Heyder nach dem Schock. Der Manager ist sich aber ebenso wie der Trainer sicher, dass am nächsten Mittwoch in Bonn wieder eine ganz andere Bamberger Mannschaft auf dem Feld stehen wird. "Wir sind gewappnet, haben die Mannschaft dafür, und das muss sie jetzt beweisen", blickt Heyder dem Auftritt am Bonner Hardtberg entgegen.
Nach dem auf den letzten Drücker geschafften Play-off-Einzug traten die Riesen vom Rhein mit viel Selbstvertrauen in Bamberg an. "Mit dem letzten Spiel gegen Frankfurt ist viel Stress von uns abgefallen, und wir konnten ohne Druck agieren. Wir haben es geschafft, immer im Spiel zu bleiben. Nach dem schlechten Beginn hat meine Mannschaft an sich geglaubt. Wir haben oft die Verteidigung gewechselt und viel Druck gemacht. Nur so kann man in Bamberg gewinnen, wenn der Punktestand niedrig bleibt", freute sich Mike Koch für seine Mannschaft.

Tibor Pleiß überzeugt


Am wichtigsten wird sein, dass die Bamberger schnell die Verunsicherung aus den Kleidern schütteln und vor allem von jenseits der Dreierlinie (nur zwei Treffer bei zehn Versuchen) zu gewohnter Treffsicherheit (41 Prozent während der Saison) zurückfinden - vor allem gegen die Zonenverteidigung. Neben dem starken Tibor Pleiß (10 Punkte/12 Rebounds, 2 Blocks), der sich gegen den Ex-Bamberger Chris Ensminger (8/3) prächtig in Szene setzte, behielt nur Routinier Peja Suput (9 Punkte) die Ruhe, übertrieb aber teilweise auch die Einzelaktionen und leistete sich 4 Ballverluste.
"Jetzt müssen wir den Heimvorteil zurückgewinnen. Wir brauchen nicht großartig etwas zu verändern. Wir müssen nur Bamberger Basketball spielen. Wir haben den Ball zu oft angehalten und zu wenig bewegt. Das wird sich ändern. Und defensiv müssen wir kompakter sein. Wir müssen uns schneller organisieren, um dann zu attackieren", fordert Trainer Fleming.

Stimmen zum Spiel


Casey Jacobsen (Bambergs Kapitän): "Wir haben im letzten Viertel fast 30 Punkte abgeben, das ist zu viel, egal gegen wen. Diese Niederlage hat die Serie verändert, aber sie müssen uns noch zweimal schlagen. Wir sind keine perfekte Mannschaft, wir sind nicht unschlagbar, aber wir werden zurückkommen, so, wie wir das immer nach Niederlagen getan haben. Unglücklicherweise haben wir das erste BBL-Heimspiel seit langer Zeit verloren, das war heute ein denkbar schlechter Zeitpunkt, aber die Serie ist noch nicht zu Ende. Bonn verdient Anerkennung, sie haben ein sehr gutes Spiel gezeigt. Aber wir sind bereit, diesen Wettstreit anzunehmen. Offensiv haben wir nie einen Rhythmus gefunden. Die Bonner haben da einen guten Job gemacht und die Verteidigungen ständig gewechselt. Das hat uns überrascht, aber wir werden hart dafür arbeiten, dass uns das nicht noch einmal passiert."

Anton Gavel (Bambergs Kämpferherz): "Das ist eine Serie. Wir haben erst ein Spiel verloren. Bonn kann jetzt feiern, das ist gut so. Aber es ist nur ein Sieg, das bedeutet noch gar nichts. Wir haben uns selber geschlagen. Das hatte nichts damit zu tun, was die Bonner gemacht haben. Das bedeutet gar nichts: Es ist 0:1, die Serie geht bis 3. Wir waren schon in der Situation. Natürlich wollen wir das Spiel am Mittwoch in Bonn gewinnen. Darauf werden wir uns vorbereiten. Am Ende wollte es jeder alleine entscheiden, auch ich habe schlechte Entscheidungen getroffen. Wir haben nicht so zusammen gespielt, wie wir das normalerweise machen. Aber wir werden mit dem Druck klar kommen."

Chris Ensminger (Bonns Center-Routinier): "Wir wollten die Partie eng halten, um am Ende eine Chance zu haben. Bamberg hat hier viele Partien mit 20 oder 30 Punkten Unterschied gewonnen. Aber es ist eine Serie, du musst drei Spiele gewinnen, nicht wie im Pokal, wo ein Erfolg reicht. Aber diese Überraschung gibt uns eine Menge Selbstvertrauen. Das hilft uns sicher für Spiel zwei in Bonn. Der Schlüssel für uns war, dass wir nie aufgegeben haben, immer wieder zurück kamen und bis zum Ende gekämpft haben. Aber Bamberg ist der Titelverteidiger und wird in Bonn alles versuchen, das Blatt wieder zu wenden. Niemand hat uns hier eine Chance gegeben, aber jetzt sind wir in einer besseren Situation als zuvor." kg