Verkehrte Welt nach dem deutlichen 102:65 (43:33)-Erfolg der Brose Baskets gegen den BBC Bayreuth im Oberfrankenderby: Während der Sieger nach der Schluss-Sirene in der Kabine verschwand, ließ sich der Verlierer in der Halle von seinen Fans feiern. "Das Derby will man nicht unbedingt mit 37 Punkten Unterschied verlieren. Aber wichtiger ist, dass wir den Klassenerhalt geschafft haben. Von daher war es eine gute Saison", erklärte BBC-Aufbauspieler Stefan Schmitz mit Blick auf die 300 Bayreuther Anhänger, die ihr Team am Samstagabend auf dem Parkett der Stechert-Arena hochleben ließ.
Während sich der Tabellen-13. in die Sommerpause verabschiedete, beginnt für den Titelverteidiger die Jagd auf die dritte Meisterschaft am Donnerstag (19.50 Uhr) mit dem ersten Heimspiel der Viertelfinalserie gegen die Telekom Baskets Bonn. Die Rheinländer, die sich im März im Pokalfinale den Bambergern beugen mussten, lösten mit einem 81:62-Sieg über die Frankfurt Skyliners das letzte Play-off-Ticket. "Wir freuen uns jetzt auf die richtige Saison. Wir wollten der Liga zeigen, dass wir bereit sind für die Play-offs", sagte der wieder einmal überragende P.J.Tucker.

BBC hält zunächst mit


Dabei sah es lange nicht nach einem deutlichen Erfolg des Tabellenführers im Derby aus. Obwohl die Bayreuther ohne die verletzten Osvaldo Jeanty und Brandon Hunter offensichtlich selbst nicht an eine Sensation glaubten - Trainer Marco van den Berg warf seine Nachwuchstalente Tom Spöler, Peter Zeis und Stefan Schmitz schon früh ins kalte Wasser - hielten sie der ersten Halbzeit überraschend mit. Nach dem Kurztrainingslager auf Mallorca, in dem die Regeneration im Vordergrund stand, traten die Bamberger zu entspannt an und spielten in der Defensive zunächst viel zu sorglos. "Wir haben versucht, das Spiel mit 50 Prozent unseres Herzens zu gewinnen", kritisierte Brose-Baskets-Trainer Chris Fleming, der den erkälteten Anton Gavel schonte und Daniel Schmidt Gelegenheit gab, den Bamberger Spielaufbau zu gestalten.
Insbesondere Ekene Ibekwe nutzte die Freiräume, die ihm die Bamberger gestatteten und kam öfters zu einfachen Punkten unter dem Korb. Bei den Brose Baskets sorgte aber Tucker dafür, dass sich der Tabellenführer kurz vor der Pause erstmals auf zehn Punkte absetzen konnte. Als das nicht zu stoppende Kraftpaket, das bereits nach 25 Minuten zweistellige Werte bei Punkten und Rebounds zu Buche stehen hatte, eine Erholungspause erhielt, übernahm Julius Jenkins das Kommando. 16 seiner 17 Punkte erzielte der Scharfschütze alleine im dritten Viertel. Da die Bamberger jetzt auch wesentlich aggressiver verteidigten und damit Bayreuther Ballverluste erzwangen, war der Widerstand des BBC schnell gebrochen. "Die zweite Halbzeit hat richtig Spaß gemacht", meinte Jenkins, der mit seinen Teamkollegen den Gegner am Ende förmlich überrollte, so dass noch einmal ein Sieg mit mehr als 100 Punkten zu Buche stand. "Ein Hunderter ist immer etwas Besonders, weil so oft kommt das ja nicht vor", sagte Center Tibor Pleiß.

Siebter "Hunderter"


Immerhin sieben waren es bislang für die Brose Baskets in dieser Saison, die nun ihrem Höhepunkt entgegenstrebt. "Wir haben die besseren Spieler auf der Bank und sind am Brett robuster", sieht Brose-Baskets-Manager Wolfgang Heyder sein Team vor dem ersten Play-off-Spiel gegen Bonn in der Favoritenrolle.
Wenn die Bundesliga-Saison am Donnerstag in ihre heiße Phase startet, sind nicht nur die Bayreuther in der Zuschauerrolle. Auch für Horst Weichert war am Samstagabend Abpfiff. Der aus Bamberg stammende Schiedsrichter hat die Altersgrenze erreicht und legte nach 26 Jahren in der Bundesliga die Pfeife endgültig aus der Hand.

Basketball-Statistik


Brose Baskets Bamberg — BBC Bayreuth 102:65
(20:18, 23:15, 34:21, 25:11)
Bamberg Tucker (25 Punkte/4 Dreier), Jenkins (17/2), Roberts (12/2), Pleiß (12), Jacobsen (12/2), Slaughter (10), Tadda (6/1), Suput (4), Schmidt (3/1), Neumann (1), Richter
Bayreuth Ibekwe (19/1), Wyrick (11/1), Smith (11), Hamilton (6/2), Veideman (6/1), Schmitz (5/1), Shtein (4), Gibson (3), Spöler, Durant, Zeis
SR Weichert, Hesse, Lauprecht
Zuschauer 6800 (ausverkauft)
Gesamtwurfquote Bamberg 58 Prozent (35 Treffer/60 Versuche), Bayreuth 41 (23/56)
Dreierquote Bamberg 50 Prozent (13/26), Bayreuth 29 (5/17)
Freiwurfquote Bamberg 70 Prozent (19/27), Bayreuth 74 (14/19)
Rebounds Bamberg 36 (29 defensiv/7 offensiv), Bayreuth 25 (20/5)
Ballgewinne/-verluste Bamberg 9/8 , Bayreuth 3/16
Assists Bamberg 27 / Bayreuth 12
Fouls Bamberg 22/ Bayreuth 24