Heynckes, in der erfolgreichen Hinrunde noch allseits gelobt, findet so recht kein Allheilmittel gegen die spielerische Einfallslosigkeit seiner Mannen. Keine gute Ausgangsposition für den 66-Jährigen, den seine Chefs am Mittwoch offiziell in Schutz nahmen. «Der FC Bayern München hat vollstes Vertrauen in Jupp Heynckes und seine Arbeit», hieß es in einem vom Vereinsvorstand signierten Statement.

Acht Zeilen war das Schreiben des Münchner Fußball-Rekordmeisters nur lang, enthielt aber deutliche Ansagen. Mit einem Ziel: Sich nicht zum Spielball einiger Blätter machen zu lassen, die am Mittwoch über eine vorzeitige Heynckes-Demission spekuliert hatten. «Wir verwahren uns gegen diese Art von "Gerüchte-Journalismus", werden dies künftig juristisch überprüfen und auch dagegen vorgehen», hieß es.

Die Lage ist ernst an der Säbener Straße in diesen Tagen. So ein bisschen deutet sich die zweite titellose Saison hintereinander an. Sieben Punkte schon ist Borussia Dortmund in der Bundesliga enteilt, in der Champions League droht gegen den Schweizer Meister FC Basel am kommenden Dienstag der lange nicht für möglich gehaltene Achtelfinal-K.o. Eine Woche später, in der Vorschlussrunde des DFB-Pokals auswärts beim Überraschungsteam Borussia Mönchengladbach, gelten die Münchner schon nicht mehr als ausgemachter Favorit.

Der Leistungsabfall in der Beletage bereitet allen große Sorgen. Die Meisterschaft sei erstmal kein Thema, bekannten die Bayern-Bosse nach dem jüngsten 0:2-Rückschlag in Leverkusen. Auch der wiedergenesene Bastian Schweinsteiger ist angesichts der Dortmunder Siegesserie pessimistisch: «Man muss ganz ehrlich sagen: Sieben Punkte gegen eine Mannschaft aufzuholen, die nur in der Bundesliga spielt und noch ein Pokalspiel hat, ist sehr schwer», bilanzierte Schweinsteiger im Fernsehsender Sky Sport News.

Ganze vier Wochen fehlte das personifizierte Herz der Münchner Kreativabteilung, ohne seinen Mittelfeld-Star schlitterte der Branchenführer in eine besorgniserregende Krise. Die Hoffnung auf Besserung ruht im Umfeld des Rekordmeisters in erster Linie auf dem deutschen Nationalspieler: Nach seiner Sprunggelenksblessur ist Schweinsteiger wieder im Mannschaftstraining. Der 26-Jährige soll zur bajuwarischen Speerspitze bei der Bundesliga-Aufholjagd werden.

Ob der jüngst so vermisste Taktgeber sofort helfen kann, ist aber unklar. Am Mittwoch übte Schweinsteiger bei frostigen Temperaturen rund eine halbe Stunde mit dem Team, danach lief er noch einige Runden separat. Dem Trainingsspiel, in dem Zweikämpfe gesucht werden und Wettkampfhärte gefragt ist, blieb der Vize-Kapitän aber fern. Wie schon am Vortag. «Wenn ich viel Glück habe, schaffe ich es vielleicht in den Kader gegen Hoffenheim oder Basel», äußerte Schweinsteiger.