Nach wiederholter Kritik am Vorstand der Bezirkskliniken Mittelfranken hat das Innenministerium als Aufsichtsbehörde den Bezirk um Stellungnahme gebeten. Zu den Inhalten des Schreibens wollte sich ein Sprecher von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Dienstag nicht äußern.

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" und der "Nürnberger Nachrichten" fragt das Ministerium unter anderem nach möglichen Interessenkollisionen bei Auftragsvergaben des Klinikums, nach der Fahrzeugflotte des Kommunalunternehmens und nach Kostensteigerungen und -kontrolle bei Bauvorhaben. Auch die Personalführung und die Bezüge von Klinik-Chef Helmut Nawratil werden demnach thematisiert.

Die Stellungnahme des Bezirks werde nun abgewartet und dann geprüft, ob es Anlass für weitere Schritte gebe, sagte Herrmanns Sprecher.

Der Verwaltungsrat des Klinikums unter Führung von Bezirkstagspräsident Richard Bartsch (CSU) wollte am Dienstag in Nürnberg zusammenkommen. Öffentlich äußern wollten sich die Mitglieder danach jedoch nicht, sagte eine Sprecherin des Klinikums.


Gehalststeigerung von 50 Prozent

Anlass für das Schreiben des Innenministeriums waren mehrere Medienberichte in den vergangenen Wochen. Darin wurde unter anderem der Leitungsstil Nawratils kritisiert sowie sein Gehalt, das im kommenden Jahr um fast 50 Prozent auf 380 000 Euro jährlich steigen soll. Die SZ berichtete zudem von einer laut Zeitung intern umstrittenen Auftragsvergabe an eine Einkaufsgenossenschaft.

Nawratil und Bartsch haben die Kritik bisher zurückgewiesen. Bartsch sagte etwa, die Gehaltserhöhung spiegele die bisherigen Leistungen Nawratils und die aktuelle Marktlage eines Vorstands für ein Unternehmen mit rund 3000 Mitarbeitern wider. Nach einem Defizit von fast zehn Millionen Euro im Jahr 2012 schrieb das Klinikum unter Nawratil zwei Jahre später wieder schwarze Zahlen.