Ein 27-jähriger syrischer Flüchtling hatte am Sonntag am Rande des Musikfestes "Ansbach Open 2016" kurz nach 22 Uhr einen Sprengsatz in einem Rucksack gezündet - Nägel und Schrauben waren der Bombe beigemischt und sollten anscheinend viele Menschen töten. Bei der Explosion kam der Attentäter ums Leben, 15 Menschen wurden teils verletzt.

Inzwischen ist auch klar: Der Täter hat sich zum sogenannten Islamischen Staat (IS) bekannt. Das geht aus einem Bekennervideo hervor, das Ermittler auf dem Handy des Mannes gefunden haben. Darin hatte der Mann einen Racheanschlag gegen Deutschland angedroht, denn die Deutschen würden sich "gegen den Islam stellen" und Muslime umbringen. Der Mann sagte auch aus, im Namen Allahs zu handeln.


Bombenanschlag in Ansbach: der Tag danach

Am Tag darauf in Ansbach: Überall Polizei, rote Absperrbänder und viele TV-Übertragungswagen, deren Diesel-Aggregate im Standgas laufen. Die historische Innenstadt am Montagmorgen befindet sich im Ausnahmezustand. Dort war es wenige Stunden zuvor zu einem dem schrecklichen Anschlag gekommen.



Glücklicherweise kam es auf dem Konzert, das über 2000 Menschen verfolgt haben, zu keiner Panik. Die meisten der Besucher hatten nichts von dem Attentat mitbekommen. Sänger Gregor Meyle auf der Bühne erklärte nur kurz seinen Fans, dass sie aufpassen sollten, da es in einer Weinstube in der Nähe des Geländes eine Gasexplosion gegeben habe. Ruhig und sehr gefasst sollen die Menschen darauf die Veranstaltung verlassen haben. Nur wenige wussten, was wirklich geschehen war. So wie Augenzeuge Kevin K., er stand im hinteren Bereich nahe des Ausgange und sagt: ""Wir waren auf dem Festival-Gelände, da gab es einen lauten Knall, einige schauten zurück. Ein Mann vom Sicherheitsdienst rannte zum Eingang. Dort lagen zwei Leute auf dem Boden. Sie hatten Verletzungen an Kopf und Hals. Ich habe sie beruhigt. Die Polizei hat den Platz geräumt, niemand hat geschrien, alle gingen ganz normal. Es war wie eine Explosion, ganz laut, man merkte den Druck am Körper."


Auch Anwohner haben teilweise nichts bemerkt

Und wie haben Anwohner diese schrecklichen Momente erlebt? Erstaunlicherweise hörten auch viele zunächst nichts von einer Bombe. So wie eine Frau, die in der Rosenstraße wohnt, nur wenige hundert Meter vom Tatort entfernt. Gegenüber dieser Zeitung sagt sie: "Ich war zuhause, habe keine Detonation mitbekommen. Erst als andauernd Polizei und Rettungsdienste fuhren und Hubschrauber kreisten, habe ich allmählich erfasst, dass es ein Unglück gegeben hat. Später habe ich erfahren, dass meine Enkelin auf dem Konzert war, doch zum Glück ist ihr nichts geschehen."

Die Menschen, die am Montag durch Ansbach laufen, sind geschockt über die Vorfälle in der mittelfränkischen Bezirkshauptstadt. Ein älterer Passant schimpft: "Das, was nun geschehen ist, war doch zu erwarten. Ich wohne in einer kleinen Ortschaft im Landkreis Ansbach mit nicht einmal 1800 Einwohnern und wir haben 100 Flüchtlinge. Das passt doch alles nicht mehr, es ist zu viel und nun kommt es in nur einer Woche es zu mehreren von solch fürchterlichen Tragödien."
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) war noch in der Nacht nach Ansbach gefahren und sichtlich erschüttert. Über den Täter meint er: "Der Attentäter ist vor zwei Jahren aus Syrien nach Deutschland gekommen. Sein Asylantrag wurde vor einem Jahr abgelehnt. Seitdem war er geduldet. Er hat schon zwei Mal versucht, sich das Leben zu nehmen. Er war deshalb auch in einer psychiatrischen Klinik untergebracht." Laut Herrmann war der Syrer, der in einer Asylunterkunft in Ansbach lebte, schon früher strafrechtlich in Erscheinung getreten. Er sei wiederholt auffällig geworden, unter anderem wegen Drogen- und auch wegen eines Gewaltdelikts. Der Asylantrag des Attentäters wurde vor einem Jahr abgelehnt, eine Abschiebung hat nicht stattgefunden, weil in Syrien Bürgerkrieg herrscht. Der Grund für die Ablehnung ist noch unbekannt. Dies soll im Laufe des Tages mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geklärt werden.


Ermittlungen laufen


Wenige Stunden nach dem Selbstmordanschlag lobt Ansbach Oberbürgermeisterin Carda Seidel die Arbeit der Rettungskräfte, erklärt, dass alle Verletzten rasch versorgt worden seien.

Die Menschen in Ansbach sind derweil verunsichert, mit bangen Blicken sehen sie auf die massive Polizeipräsenz am Tag danach, immer wieder schütteln Passanten den Kopf. Kein Wunder, denn mittlerweile hat die Terrorangst auch solch beschauliche Städte in der Provinz - fernab der großen deutschen Metropolen - erreicht. Die fehlende Sicherheit und die Ungewissheit plagen die Menschen. Eine Ansbacherin erklärt: "Wo sollen wir uns denn jetzt noch sicher fühlen? Das ist schrecklich. Wie wird das nur weiter gehen?"


Oberbürgermeisterin lobt die Retter

Ansbachs Oberbürgermeisterin Carda Seidel (parteilos) lobte in einer Pressekonferenz die Rettungskräfte und Polizei, die am Sonntagabend nach dem Bombenanschlag das Festivalgelände mit 2000 Menschen räumten. Seidel erklärte: "Als es zur Explosion kam, ist eine geordnete Räumung des Veranstaltungsortes durchgeführt worden." 150 Einsatz- und 250 Rettungskräfte seien dort tätig gewesen. Seidel fügte an, dass nach dem Amoklauf von München die Kontrollen bei der Konzertreihe "Ansbach open" weiter verschärft worden seien. "Wir haben mehr Sicherheitspersonal dafür eingestellt und alle Taschen durchsuchen lassen." Und Seidel kündigte an, die Sicherheitskonzepte für sämtliche Veranstaltungen in der Stadt Ansbach in Zusammenarbeit mit der Polizei weiter anzupassen. Außerdem würden Polizeibeamte eine kurzfristige Gefahrenanalyse erstellen und es werden künftig auch mehr Sicherheitskräfte Präsenz in der Stadt zeigen.

Seidel betonte am Montagnachmittag deutlich, dass die Stadt mit Augenmaß mit der derzeitigen Flüchtlingssituation umgehen wolle. 644 Asylbewerber seien derzeit in zwölf verschiedenen Unterkünften verteilt. "Darunter sind viele Menschen, die unseren Schutz und unsere Hilfe brauchen." Doch sie forderte auch, straffällig gewordene Flüchtlinge "strenger rechtlich" zu belangen. Und spielte wohl damit auch auf die Tatsache an, wonach der getötete Bomben-Attentäter vorbestraft war und am 13. Juli ein offizielles Schreiben erhielt, in dem er dazu aufgefordert worden war, Deutschland zu verlassen. Seidel weiter: "Ich kann aber an der derzeitigen Situation nichts ändern, da es sich um Bundesrecht handelt."

Horst Settler, Stadtbrandrat von Ansbach, kritisierte in scharfer Form, dass Unbekannte in der Nacht auf Montag, wenige Stunden nach dem Attentat, Böller und Kracher im Bereich des Theaters der Stadt gezündet haben: "Das macht mich sprachlos." Settler hob hervor, wie wichtig es gewesen sei, dass die 2000 Gäste rasch das Open-Air-Gelände verlassen konnten: "So war die Räumung schneller abgeschlossen, noch bevor erste Gerüchte auf sozialen Netzwerken die Runde machten. Dann hätte eine Panik gedroht."