Die Pendler auf der A70 zwischen Bayreuth und Bamberg konnten es in den vergangenen zweieinhalb Jahren aus nächster Nähe miterleben: Direkt neben der Autobahn entstanden an verschiedenen Stellen lange Reihen mit Photovoltaik-Modulen. Nach und nach errichtete der Bad Staffelsteiner Solarspezialist IBC den Jura-Solarpark.

Jetzt, nachdem mit einer Fläche bei Schirradorf (Landkreis Kulmbach) das letzte von zehn Teilstücken fertig ist, kommt das Projekt auf eine Gesamtleistung von 43 Megawatt peak. "Wir sind damit der zweitgrößte Solarpark in Bayern", sagte Oliver Partheymüller, Projektleiter bei IBC Solar, gestern bei einem Pressegespräch. Nur im niederbayerischen Landkreis Straubing-Bogen gebe es mit 54 Megawatt Leistung eine noch größere Freiflächen-Anlage. "Diese wurde aber noch vor dem 1. Juli 2010 gebaut, also ohne Bedingungen", teilte Partheymüller mit.

110-Meter-Korridor

Mit Bedingungen stellt der Jura-Solarpark-Projektleiter auf eine Änderung des Erneuerbare- Energien-Gesetzes (EEG) ab, die im Sommer 2010 wirksam wurde. Seitdem sind Photovoltaik-Anlagen auf Freiflächen nur noch an bestimmten Stellen möglich. Zum Beispiel innerhalb eines Streifens von 110 Metern vom Fahrbahnrand von Autobahnen oder Schienenwegen. In so einem Korridor entlang der A70 entstand seit dem Sommer 2011 der Jura-Solarpark. Mit einer Ausnahme: In der Nähe von Fesselsdorf (Landkreis Lichtenfels) ist die Fläche größer, denn hier hatte die Stadt Weismain laut Partheymüller eigens ein Gewerbegebiet ausgewiesen.

"Die gewählten Flächen sind ein idealer Standort", ist der Kulmbacher Landrat Klaus Peter Söllner (Freie Wähler) überzeugt. Entlang der Autobahn erstrecken sich die Module über drei oberfränkische Landkreise, von Stadelhofen (Landkreis Bamberg) über Weismain (Landkreis Lichtenfels) bis nach Thurnau (Landkreis Kulmbach).

Leerrohre für Breitbandversorgung nutzbar

Zufrieden zeigten sich neben dem Kulmbacher Landrat auch die Bürgermeister der beteiligten Gemeinden. Nicht nur, dass sie durch das Projekt ihre Gewerbesteuer ein wenig aufbessern können. Im Rahmen des Anschlusses der Photovoltaik-Flächen an ein eigens von IBC Solar errichtetes Umspannwerk wurden entlang der A70 auch 17 Kilometer Leerrohre für eine spätere Breitbandversorgung der Gemeinden gelegt. Jetzt muss nur noch das Glasfaserkabel eingezogen werden. "Keine unserer Kommunen hätte das alleine meistern können", sagte Udo Dauer (CSU), Bürgermeister von Weismain, stellvertretend für seine Amtskollegen.

Nach Angaben von IBC Solar liegt die Gesamtinvestitionssumme für den Jura-Solarpark samt Umspannwerk bei rund 77 Millionen Euro. Mit 9,5 Millionen Euro hätten sich etwa 300 Bürger über einen Solarfonds finanziell daran beteiligt, davon 120 aus der Region.

Vergütungssätze sinken deutlich

100 Hektar groß ist die Fläche, die auf dem Jura mit Modulen bestückt ist. Etwa so viel wie 140 Fußballfelder. Doch ein ähnliches Großprojekt wird IBC Solar in nächster Zeit in der Region wohl nicht mehr realisieren. "Wir haben momentan keine weiteren Planungen hier", sagte IBC-Chef Udo Möhrstedt. Der Grund liegt nicht an fehlenden Flächen, sondern an gesetzlichen Vorgaben. Sinkende Vergütungssätze und zugleich aufgrund von Strafzöllen gestiegene Preise für chinesische Module machen das Geschäft mit der Freifläche unrentabel. "Maximal bis Mitte 2014" sei eine Rentabilität gegeben, sagte IBC-Projektleiter Partheymüller.

Dann wird es schwierig, denn in Abhängigkeit vom gesamten Photovoltaik-Marktvolumen gehen die Vergütungssätze nach unten - kontinuierlich. Wie stark das Gefälle selbst innerhalb des Jura-Solarparks ist, schilderte Partheymüller anhand von Zahlen. Als die ersten Flächen Ende 2011 zur Vergütung fertiggestellt waren, gab es noch 21,11 Cent pro Kilowattstunde. Jetzt im Januar 2014 waren es für das Teilstück in Schirradorf noch 9,3 Cent. Allerdings hätten sich auch die Errichtungskosten verändert. Von mehr als 2000 Euro pro Kilowatt peak auf heute unter 1000 Euro.

IBC-Chef Udo Möhrstedt ist dennoch nicht bange. Mit Stromerzeugungskosten zwischen neun und 13 Cent pro Kilowattstunde sei die Photovoltaik heute eine der günstigsten Möglichkeiten, dezentral Strom zu erzeugen. Und es gehe noch mehr. "In drei Jahren sind wir billiger als Gasstrom", kündigte Möhrstedt an. Da lägen die Herstellerkosten für die Kilowattstunde derzeit bei sechs Cent.