So ein Bock zu viel kann einen schon mal umhauen. Dabei soll das Starkbier doch Kraft und Gesundheit bringen. Stärk' antrinken nennt sich das Brauchtum, das schon allein aufgrund der Brauereidichte auch im Landkreis Bamberg weit verbreitet ist - traditionell am Vorabend des Dreikönigstages oder am Obersten beziehungsweise Öberschden der zwölf Tage nach Weihnachten selbst. Und weil die zwölf Tage, so heißt es, einen Ausblick auf die kommenden zwölf Monate geben. Und manche nehmen das auch gleich als Trinkanleitung.


Zwölf Seidla?

"Damit die ,Stärke' auch ein ganzes Jahr vorhält, sollte er (der Franke) für jeden Monat des Jahres ein Seidla vom Bock trinken", steht beispielsweise auf den Internetseiten des "Vereins zur Förderung der fränkischen Braukultur". Nun sollte man den in dem Verein zusammengeschlossenen Hobbybrauern nicht unterstellen, dass sie das Komasaufen propagierten. Denn damit hat die Tradition des Stärkantrinkens wirklich nichts zu tun. Umwerfen soll es schließlich keinen - ganz im Gegenteil. Aber warum heißt das Bier das dazu empfohlen - und von manchen Brauereien eigens zu diesem Anlass gebraut wird eigentlich Bock?

Verbreitet ist das Bockbier hauptsächlich in Süddeutschland. Doch seine Heimat liegt im Norden, in der niedersächsischen Stadt Einbeck. Das in der Hansestadt gebraute Bier wurde schon im 14. Jahrhundert nach Bayern und bis nach Italien exportiert. Um es für die lange Reise haltbar zu machen, wurde es mit einem besonders hohen Stammwürzegehalt eingebraut. Der daraus resultierende höhere Alkoholgehalt sorgte für die entsprechende Haltbarkeit.


Braumeister aus Niedersachsen

Da auch dem bayerischen Adel das Gebräu mundete, holten die Wittelsbacher schließlich im Jahr 1614 einen Braumeister aus Einbeck ans Hofbräuhaus nach München. Das "ainpöckisch Bier" des Elias Pichler war bald in aller Munde - und dort verschob sich der laut auch hin zum "Bock-Bier". Das Tier mit den starken Hörnern, das auf zahlreichen Bockbieretiketten und -illustrationen abgebildet ist, hat also ursprünglich gar nichts damit zu tun.

Auch die Franken fanden natürlich schon früh Geschmack an dem kräftigen Trank, der aber doch nur etwa halb so viel Alkohol enthält wie ein Wein. Während im Bayerischen das Bockbier meist für die Fastenzeit in den Klöstern gebraut wurde, ganz nach dem mönchischen Motto: "Flüssiges bricht Fasten nicht", wird es im Norden des heutigen Freistaats zumeist im Herbst und in der Vorweihnachtszeit ausgeschenkt.

"Es ist ein Bier für besondere Gelegenheiten", heißt es beim Deutschen Brauer-Bund. Deshalb werde auch relativ wenig davon gebraut. Nach Angaben des Verbandes hat das Bockbier an der jährlichen deutschen Bierproduktion von über 100 Millionen Hektolitern einen Anteil von weniger als einem Prozent. Und die Trinkempfehlung der Brauer lautet: "Bockbier braucht seine Zeit zum Reifen und deshalb sollte man sich auch Zeit für den Genuss lassen."


Ob schwarz, ob blond...

Ursprünglich ist es meist ein dunkles, malzbetontes und wenig gehopftes Bier, das daher leicht süßlich schmeckt. Doch inzwischen gibt es das starke Bier über goldbraun, bernsteinfarben bis hell, wobei sich das hellere Bockbier auch in Franken mehr und mehr durchsetzt. Einer, der es in allen Schattierungen braut, ist der Memmelsdorfer Drei-Kronen-Braumeister Hans-Ludwig Straub. Bei ihm gibt es - extra zum Stärkantrinken gebraut und angezapft - im jährlichen Wechsel den dunklen Caspar, den bernsteinfarbenen Melchior - der heuer dran ist - und den hellen Balthasar. Die meisten anderen Brauer, die ihr Bock schon im Herbst angestochen haben, müssen sich ein paar Fässer für diesen Anlass zurücklegen.

Sie sollten allerdings nicht mit zwölf Seidla pro Gast kalkulieren. Denn für die ist es besser, wenn sie das benötigte Quantum Stärke nicht nach der Zahl der zu bewältigenden Monate bemessen.

Vielleicht lässt sich die Zwölferregel ja auch so interpretieren: Die zwölf Tage und Rauhnächte zwischen Weihnachten und Dreikönig gelten nach einer Überlieferung auch als Orakel für das Wetter im kommenden Jahr. Und da es diesmal zwischen den Jahren recht mild und nicht allzu feucht war, ist heuer vielleicht nicht ganz so viel Alkohol nötig, um sich für alle Fährnisse zu wappnen. Und manche behaupten sogar, Stärk' antrinken könne man sich auch mit einem normalen Bier.