Der Landesvorsitzende Florian Pronold sagte am Samstag auf dem kleinen SPD-Landesparteitag in Ansbach: "Der Ministerpräsident ist das größe Standortrisiko für Bayern." Seehofer habe die Energiewende in Bayern allein machen wollen und fahre sie nun an Wand. In der bayerischen Auto - und Chemieindustrie drohten große Arbeitsplatzverluste: "Wenn er die Energiewende weiter im Chaos macht, werden diese Arbeitsplätze nach China wandern", sagte Pronold vor gut 100 Delegierten und 60 Gästen.

Seit dem Amtsantritt der großen Koalition von CDU, CSU und SPD vor einem Jahr war das die schärfste Attacke Pronolds auf den CSU-Vorsitzenden. Der SPD-Landesvorsitzende ist als Parlamentarischer Staatssekretär im Umweltministerium Mitglied der Koalitionsregierung. Anfang November hatte schon SPD-Chef Sigmar Gabriel "irre Zustände" bei der Energiewende beklagt und den raschen Ausbau der Stromnetze angemahnt. Wie die Staatsregierung den bayerischen Strombedarf nach der Abschaltung des letzten Atomkraftwerks 2022 decken will, ist noch unklar.

Hauptthema des SPD-Parteitags waren die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeits- und Lebenswelt. Dazu hatte die SPD erstmals auch die bayerischen Arbeitgeber eingeladen. Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) nutzte die Gelegenheit, um ein flexibleres Arbeitsrecht zu fordern. Vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt warnte die SPD, Deutschland könne auch zum Verlierer der Digitalisierung werden: "Die Digitalisierung der Arbeitswelt wird stattfinden - entweder sind wir die Gewinner oder anderswo."

Brossardts Forderungen stießen bei vielen Delegierten nicht auf Begeisterung. SPD-Wirtschaftsexperte Werner Widuckel sagte: "Wir haben nichts davon, uns hier mit Wattebäuschchen zu beschmeißen." Im Leitantrag zum Parteitag betont die bayerische SPD neben Chancen auch Risiken der Digitalisierung. Vorrang sollen immer die Bedürfnisse der Arbeitnehmer haben. Der Mensch dürfe nicht zum "Wurmfortsatz der Maschine" werden, sagte Widuckel.

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sagte, "Pronold und seine abwegigen Äußerungen zeigen, wie weit sich die SPD von den Menschen in Bayern entfernt hat und warum die SPD in einer aktuellen Umfrage nur noch auf 18 Prozent kommt". Die Bayern-SPD habe "keine Inhalte, keine Konzepte und nur einen Flop an der Spitze".