Manchmal wartet und wartet man nach dem Essen im Restaurant auf den Kellner und wird einfach sein Geld nicht los. Darf man dann gehen, wenn die Rechnung nach einer halben Stunde immer noch nicht da ist?

Kurz gefasst: Eigentlich nicht, denn wenn ein Gast im Restaurant etwas bestellt, entsteht rechtlich ein Bewirtungsvertrag. Die Leistung des Wirtes muss bezahlt werden. Doch wie so oft gibt es ein Aber, wie Rechtsanwalt Christian Bereska aus Celle erklärt.

Man muss nicht ewig sitzen bleiben - aber was heißt das?

Wenn die Rechnung nicht kommt, gerate der Gastwirt in den sogenannten Annahmeverzug. Der Gast müsse nicht ewig sitzen bleiben. Er könne zum Beispiel auf den Kellner zugehen und erklären, dass er in fünf Minuten gehen wird, sofern die Rechnung nicht kommt - am besten vor Zeugen. Und dann darf er gehen. Die Rechnung müsse der Gast aber trotzdem bezahlen.

Reagiert der Kellner trotz mehrmaligem lauten Bitten nicht, zahlen Gäste am besten an der Theke, raten die Verbraucherzentralen. Wer das Lokal ohne zu zahlen verlässt, sollte auf jeden Fall Namen und Anschrift hinterlassen, damit der Wirt die Rechnung zuschicken kann. Wer einfach geht, dem könne das als strafbare Zechprellerei angekreidet werden.

Auch wenn das bestellte Essen einfach nicht kommt, sollten Gäste dem Kellner oder Wirt eine Frist setzen, rät Anwalt Bereska. Wird dann immer noch nicht serviert, darf der Gast gehen. Er trete dann rechtlich gesehen vom Vertrag zurück und müsse nicht für die Bestellung zahlen.

Umfrage: Warten im Restaurant: Mehrheit ist nach 30 Minuten mit Geduld am Ende

Zwei Drittel der Bundesbürger ärgern sich, wenn ihr warmes Essen nicht nach spätestens 30 Minuten auf dem Tisch steht (64 Prozent). Dies ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur. Dabei sind Frauen weniger tolerant als Männer, ältere Befragte deutlich ungeduldiger als jüngere. Ein Drittel der Befragten nimmt 45 Minuten Wartezeit oder mehr hin (32 Prozent). Eine Wartezeit von einer Stunde akzeptieren noch 5 Prozent.

Werden sie von einem Kellner an einem Tisch platziert, an dem schon fremde Gäste sitzen, schlucken dies 59 Prozent der Befragten, wenn auch zumeist nicht gern. Ein Drittel (34 Prozent) findet das Bei-Fremden-am-Tisch-platziert-werden inakzeptabel und würde sich beschweren.

Gefragt, wie viel Trinkgeld sie - bei zufriedenstellendem Essen und Service sowie bei 50 Euro Rechnungssumme - geben würden, antworten die sparsamsten 13 Prozent "unter 2 Euro". Das wären bis zu 4 Prozent der Rechnungssumme. 75 Prozent der Befragten würden zwischen 2 und 5 Euro geben, 4 Prozent der Befragten auch mehr. "Ich gebe generell kein Trinkgeld", sagen 3 Prozent von sich.

Die Urteile über die Servicequalität in deutschen Restaurants halten sich in etwa die Waage: Während 15 Prozent finden, dass der Service zuletzt eher schlechter geworden ist, meinen 14 Prozent, der Service sei eher besser geworden. 59 Prozent können keine große Veränderung feststellen.