Da staunten die Nachbarn nicht schlecht: Als die Schmitts erzählten, sie bauen ein Haus, erwarteten die neuen Nachbarn jede Menge Lärm, Dreck und wochenlange Belegung eines Teils der Parkplätze in der kleinen Siedlung. Jeder hatte damit gerechnet, dass die junge Familie abends mit Autos anrücken und mit Freunden Hand beim Hausbau anlegen würde.


Flott gebaut

Stattdessen ging alles flott und schmerzfrei vor sich. Kein Wunder, denn die Vorarbeit für die einzelnen Teile, die zusammengesetzt das eigene Haus ergeben, fabriziert der Fertighaushersteller in seiner Werkshalle. Zum Einsatz kommen Fachkräfte an computergesteuerten, hochmodernen Anlagen. Selbst Bauhaus-Begründer Walter Gropius soll ein großer Fan der kompakten Bauweise gewesen sein.
Fertighäuser sind längst keine pauschalen Container mehr, wie Gegner das gerne behaupten, jedes Fertighaus wird individuell auf die Bedürfnisse der jeweiligen Bewohner angepasst. Das sind die häufigsten Bauweisen: Passivhaus, Massivhaus, Holzmassivbauweise Holzrahmenbau, Holzskelettbau und Blockbohlenbauweise. Schon im Werk fräsen die Arbeiter vorab die Öffnungen für Sanitäranlagen oder Steckdosen. Am Grundstück angekommen, werden die Fertigbauelemente auf einer Bodenplatte montiert. Wer will, kann sogar einen Keller einplanen. In wenigen Tagen ist auch er fertig.


Interessant

Jetzt wird es für die Häuslebauer richtig interessant: Aus den vorgefertigten Wandelementen entstehen die ersten Wände. Jetzt zahlt sich die Millimetergenaue Fertigung aus, denn alle Teile passen und sind entsprechend schnell aufgestellt. Zum Schluss setzen die Handwerker die Dachbalken ein und decken das Dach. Jetzt kann der Innenausbau starten - das ist aber eine andere Geschichte.


Zukunft schmieden

Das Haus gibt den Menschen nicht nur ein Dach über dem Kopf, hier wird Zukunft geschmiedet, geträumt, es wird gelacht, geweint, getobt und entspannt. Im Haus wachsen die Kinder auf, der Garten wird angelegt, die Früchte aus ihm geerntet und verarbeitet. Feste werden mit Freunden, Verwandten und anderen lieben Menschen gefeiert - draußen oder drinnen, vor dem Holzofen oder am besten in der Küche.


Abwechslungsreich

Sie zählt ohnehin als der beste Platz bei jeder Party. Das Leben im eigenen Haus bleibt immer abwechslungsreich - kleine Umbauten können jederzeit vorgenommen werden, ohne jemanden fragen zu müssen. Wer lange im eigenen Heim lebt, der will im Alter oft nicht umziehen. Studien zufolge halten sich Senioren bis zu 20 Stunden am Tag daheim auf. Gut, wenn man bei der Planung berücksichtigt hat, dass barrierefrei gebaut wurde.


Wohnen im Alter

Wo früher die Kinder ihre Zimmer hatten, kann jetzt vielleicht eine rundum Hilfe einziehen, die im Haushalt und bei der Pflege hilft. Auch im Alter möchte man ganz selbstverständlich zuhause wohnen und die vertraute Umgebung genießen.
Dafür hat inzwischen sogar das Bundesministerium für Familie ein Projekt ins Leben gerufen, dieses trägt den Namen soziales Wohnen, Wohnen im Alter. Dabei geht es um eine altersgerechte Gestaltung von Wohnraum und Wohnumfeld sowie die Schaffung von Hilfestrukturen.


Historie

Fertighäuser haben eine lange Geschichte: Im Jahr 1624 wurden in England aus Tafelelementen vorgefertigte Unterkünfte für die staatliche Fischereiflotte geschaffen. Sie waren transportabel und konnten binnen kurzer Zeit ohne die Hilfe von Fachpersonal errichtet werden. Die Unterkünfte waren zweckmäßig, konnte doch die Flotte so mobil eingesetzt werden, ohne an allen Orten neue Behausungen zu errichten. Eine weitere Verwendung fand diese Bauweise dann vor allem beim Militär: Im späten 18. Jahrhundert wurden so von Wien aus Spitalbaracken bis auf die entfernten Kriegsschauplätze nach Slowenien transportiert. In Amerika traten die Fertighäuser vermehrt während des Goldrausches (1848) in Erscheinung. Um den nach Westen strömenden Massen eine Unterkunft zu bieten, schuf man vorgefertigte Unterkünfte, die schnell ohne Fachpersonal errichtet werden konnten. Hier begann in etwa die "Massenproduktion" von vorgefertigten, zerlegbaren Holzhäusern.


Holzvillen

Die sogenannten Wolgasthäuser im Stile der Bäderarchitektur gelten als die ersten individuellen Fertighäuser. Dabei handelt es sich um kunstvoll verzierte Holzvillen, die zwischen 1868 und 1910 von der "Wolgaster Actien-Gesellschaft für Holzbearbeitung" in der Stadt Wolgast vor der Insel Usedom gefertigt wurden.
Durch Zusammenstellung von Wunschelementen wie Balkonen, Veranden oder Ecktürmen aus einem umfangreichen Katalog konnten die Bauherren ihre Häuser bereits individuell zusammenstellen und weitgehend vorfertigen lassen. Die pommersche Firma baute für Bauherren in der ganzen Welt. Anja Vorndran