Stralsbach. Nach vier Jahren Umbauzeit ist es nun endlich soweit: Am Samstag, 13., und Sonntag, 14. Juni, wird die "Alte Schuel" als neuer Dorfmittelpunkt für vielfältige örtliche kulturelle Aktivitäten und auch als einer von regionaler Bedeutung eingeweiht. Das Vorhaben des "Fördervereins Dorfgemeinschaft Stralsbach" hatte etliche organisatorische und juristische Hürden zu nehmen. Es ging nicht immer alles glatt.
"Niemals hätte ich gedacht, dass diese Idee, das alte Schulgebäude neu zu nutzen, so gut ankommt", sagt Berthold Kröckel. Der bekennende Vereinsmensch ist mit Andreas Schmück, Monika Knauer, Dorothea Heuer-Kretschmer und Bernd Müller Mitglied im Vorstand eines Fördervereins, der am 6. Juni 2011 gegründet wurde. Man erlebte sich als eine aktive Dorfgemeinschaft, die sich neu erfand in der Suche nach einer kreativen Antwort auf die sattsam bekannten strukturellen Probleme eines Dorfes in der ländlichen Region.
Das Schulgebäude "In der Strütt", ein schmuckloser Funktionsbau aus den 1960er Jahren, drohte nach der Schließung ähnlich vor sich hinzugammeln wie das noch viel ältere Schulgebäude aus dem 18. Jahrhundert neben der Bergkirche, für dessen Nutzung sich niemand interessierte. Dies diente letztendlich nur noch Feuerwehrübungen und wurde abgerissen. "Damit wurde aus der einst neuen Schule die ,Alte Schuel'", erklärt Berthold Kröckel die Namensgebung des Projektes.
Monika Knauer und Johanna Wurster hätten ihn überzeugt, das Projekt gemeinsam in Angriff zu nehmen, sagt Kröckel. Die drei gewannen dann im Schneeballsystem weitere Gleichgesinnte für die Idee, das stillgelegte Schulgebäude für die Vereine zu nutzen, als Ort für Geselligkeit für Jung und Alt, für kulturelle Lebendigkeit und als regionalen Treffpunkt, der das Leben im Dorf wieder attraktiv machen wird.
Die Einladung zur Gründung des Fördervereins "Dorfgemeinschaft Stralsbach war ein toller Erfolg", stellte Berthold Kröckel rückblickend fest. 75 Prozent der Haushalte des Burkardrother Gemeindeteils mit etwa 500 Einwohnern erklärten 2011 bei einem vorbereitenden Treffen ihre Bereitschaft, für dieses Projekt Beiträge zu zahlen und ihr Einverständnis, dass vom neu zu gründenden Verein das Gebäude von der Marktgemeinde für 15 Jahre übernommen werden sollte. Die Bereitschaft vieler Bürger, bei der Generalsanierung des Gebäudes tatkräftig hinzulangen, sei "überwältigend gewesen", so die Anschieber dieses Projekts. Örtliche und regionale Unternehmen sollten bei der Generalsanierung eingebunden werden.
Als man das Projekt nach der Vereinsgründung auf die politische Ebene hob, wurde aus Kreisen des Gemeinderats zunächst signalisiert, dass das kühne Stralsbacher Vorhaben auch wegen der schwer einschätzbaren Kosten für die Generalsanierung des Gebäudes eher skeptisch gesehen werde. Nach vielen Diskussionen stimmte der Gemeinderat jedoch im November 2011 der Maßnahme einstimmig zu: Die Marktgemeinde ist Bauherr dieses Projekts und finanziert den größten Teil der Kosten. "Meinerseits bestand zu keiner Zeit Skepsis. Da hat sich eine verantwortungsvolle Mannschaft mit geballtem Tatendrang auf den Weg gemacht, die mein Vertrauen von Anbeginn hatte", sagte Bürgermeister Waldemar Bug. "Wir sind froh, wenn in einem leerstehenden kommunalen Gebäude wieder Leben einzieht." Die begleitende und finanzielle Förderung des Stralsbacher Projekts durch das EU-Leader-Programm konnte erreicht werden, weil zentrale Kriterien "selbstbestimmter Entwicklung einer ländlichen Region" erfüllt wurden. Dazu zählt insbesondere eine Nachhaltigkeit, interkommunale Zusammenarbeit und die Förderung einer aktiven Bürgergesellschaft.
Das geforderte "Alleinstellungsmerkmal" war dadurch gegeben, dass sich die Stralsbacher als erste in der Marktgemeinde an ein solches Projekt von örtlicher und regionaler Bedeutung heranwagten und zutrauten, viel an Eigenarbeit zu leisten. Der Verein ist vetreten bei der "Allianz Kissinger Bogen, der "Aktion Bildungsregion Bayern" und wird unterstützt vom Landesnetzwerk "Bürgerliches Engagement Bayern". Cordula Kuhlmann, im Landratsamt Bad Kissingen zuständig für Regionalmanagement: "Das Projekt Treffpunkt Bürger-Engagement Stralsbach zeichnet sich durch hohes Engagement, Eigenverantwortung und Willen zur Zusammenarbeit der Menschen vor Ort aus. Es erfüllt den Leader-Leitsatz Bürger gestalten ihre Heimat trefflich mit Leben." Die Nachbarschaft der nun zu neuem Leben erweckten "Alte Schuel" in Stralsbach wurde von Anfang an in das Konzept eingebunden. Es gab Befürchtungen, es könnte für die Nachbarn zu laut werden, wenn der Autoverkehr zunimmt und sich dort Jugendliche treffen. Deshalb wurden auch klare Regeln zur Nutzung und Lautstärke vereinbart. Mittlerweile haben rund 50 tatkräftige mithelfende Frauen und Männer für das Projekt mehr als 6000 Arbeitsstunden geleistet. "Am Ende lagen bei uns allen in der Kerntruppe die Nerven blank, ob wir es schaffen würden", sagt Berthold Kröckel. Es ist geschafft und die Stralsbacher können auf sich und das, was sie erreicht haben, schon ein bisschen stolz sein.
Wolfgang Kretschmer