Weltraumforschende aus Australien haben eine überraschende Entdeckung gemacht. Das Team der Curtin Universität in Perth hat sich mit Radiosignalen aus dem Weltall befasst - und entdeckte dabei zufällig ein bislang vollkommen unbekanntes Objekt in der Milchstraße.

Die Geschichte erinnert ein wenig an den Katastrophenfilm "Don't Look Up" von Netflix: Der Student Tyrone O'Doherty entdeckte den Himmelskörper bei Arbeiten mit einem Radioteleskop im australischen Outback. Seine erfahreneren Kollegen reagieren skeptisch, als sie dann das Objekt selbst finden können sie es erstmal nicht glauben. "Das war komplett unerwartet", so die Astrophysikerin Dr. Natasha Hurley-Walker in einer Mitteilung der Curtin University.

Woher kommen die mysteriösen Radiosignale? Unbekanntes Objekt in unserer Galaxie entdeckt

Was ist also das besondere an dem mysteriösen Fund? Das Objekt dreht sich im Weltraum um die eigene Achse und sendet dabei Radiostrahlen aus, die auch unser "Sichtfeld" auf der Erde kreuzen. In Abständen von etwa 20 Minuten ist es für jeweils eine Minute eine der stärksten Strahlungsquellen am Himmel. Während die Forschenden den Himmelskörper beobachteten, verschwand er also immer wieder. "Es war etwas gruselig für uns Astronomen, weil nichts am Himmel bekannt ist, das so etwas tut", sagt Hurley-Walker.

"Wir haben etwas gefunden, das noch niemand je gesehen hat. Es war eine richtig vergnügliche Reise, herauszufinden, was es ist", sagt die Astrophysikerin im Gespräch mit BR24. Um was genau es sich bei dem Himmelskörper handelt, ist aber noch nicht zu hundert Prozent klar. Einen Namen hat das Objekt dafür schon: "GLEAM-X J162759.5-523504".

Die Forschenden gehen davon aus, dass es sich um eine Art sterbenden Stern handelt, zum Beispiel ein Neutronenstern oder ein Weißer Zwerg, mit einem extrem starken Magnetfeld. Diese magnetische Energie kann das Objekt in Radiowellen umwandeln. In beide möglichen Kategorien passt es aber nicht ganz. Ein weißer Zwerg pulsiert normalerweise wesentlich langsamer als "GLEAM-X", ein Neutronenstern dagegen schneller. Eine Art langsam drehender Neutronenstern wurde zumindest schon theoretisch vorhergesagt. "Aber niemand hat damit gerechnet, dass wir so etwas direkt entdecken würden, weil wir nicht erwartet haben, dass er so hell ist", so Hurley-Walker.

Rätselhafter Himmelskörper vermutlich sterbender Stern

Dennoch scheint dem Forschungsteam diese Möglichkeit mittlerweile am wahrscheinlichsten. Es könnte sich laut Hurley-Walker um einen ungewöhnlich langsam pulsierenden Magnetar handeln. Magnetare gehören zu den Neutronensternen und sind relativ kleine, dafür sehr dichte sterbende Sterne mit starken Magnetfeldern. Wäre zum Beispiel unser Mond ein Magnetar, wären EC-Karten mit Magnetstreifen auf der Erde vollkommen nutzlos. Das Magnetfeld des Mondes würde sie löschen. Astrophysiker Harald Lesch gibt noch ein deutlicheres Beispiel: Wäre unser Mond ein Magnetar und nur halb so weit entfernt wie normalerweise, würde sein Magnetfeld Züge aus den Gleisen heben.

Der rätselhafte Himmelskörper ist aber zum Glück so weit von uns entfernt, dass er keine Auswirkungen auf die Erde hat. "GLEAM-X J162759.5-523504" liegt etwa 4.000 Lichtjahre von uns entfernt - in unserem "galaktischen Hinterhof", so Hurley-Walker. 

Wie ungewöhnlich die Entdeckung des Studenten für das Astronomen-Team war, macht die erste Schlussfolgerung der Forscherin klar. Denn als Hurley-Walker dem Radiosignal selbst nachging, schien es nur eine sehr begrenzte Frequenz zu umfassen - und konnte somit von keinem Objekt herrühren, das natürlich vorkommt. Sie dachte zuerst, es liege ein Fehler vor, von ihrer Seite oder den Messinstrumenten, aber alles stimmte. "Und dann hatte ich diesen Moment, in dem ich dachte: Ich habe gerade ein sich wiederholendes Radiosignal gefunden, mit genauer einer Frequenz. Sind das Außerirdische?", erzählt Hurley-Walker BR24. Später tauchten dann jedoch weitere Frequenzen auf und eine natürliche Quelle war wieder wahrscheinlicher.

Es wird noch dauern, bis es weitere Erkenntnisse über das unbekannte Objekt gibt. Inzwischen ist es nämlich wieder verschwunden, den Grund dafür weiß keiner. Das Forschungsteam plant daher eine Art Himmel-Scan mit einem Radioteleskop, um zu sehen, ob es wieder erscheint. "Sollte das passieren, gibt es Teleskope in der gesamten südlichen Hemisphäre und sogar in der Erdumlaufbahn, die direkt darauf zeigen können", so Hurley-Walker. Beim nächsten Mal wollen die Forschenden genügend Informationen über den Himmelskörper sammeln, um "ganz genau" sagen zu können, was sie entdeckt haben.