Zwei Mal im Jahr müssen Autobesitzer die Räder ihrer Wägen wechseln lassen. Nun wird es wieder Zeit für die Sommerreifen. Was manch einem lästig erscheinen mag, dient dem Schutz der Autoreifen - und der Autofahrer selbst.

Von O bis O

Die Faustregel beim Reifenwechsel lautet: Von Ostern bis Oktober, kurz: Von O bis O. Demzufolge sollten Autofahrer um Ostern herum die Sommerreifen und im Oktober die Winterreifen aufziehen lassen. Diese Regel dient allerdings lediglich zur Orientierung, da sie keinerlei Aussagen über die Wetterbedingungen gibt.

Nicht zu früh auf Sommerreifen wechseln

Auch nach Ostern können noch Temperaturen im Minusbereich und glatte Straßen vorherrschen. Hier ist es durchaus sinnvoll, genauer auf die Natur zu achten: Wenn beispielsweise die ersten Frühlingsblumen blühen und die ersten Knospen aufgehen, ist das ein gutes Zeichen für mildere Temperaturen - und einen Umstieg von Winter- auf Sommerreifen.

Wie hoch sind die Strafen bei einem zu frühem Reifenwechsel?

Einen gesetzlichen Zeitraum für das Fahren mit Winterreifen gibt es in Deutschland nicht. Doch zu früh auf Sommerreifen wechseln sollten Autofahrer auch nicht. Denn seit Dezember 2010 herrscht in Deutschland laut Straßenverkehrsordnung § 2 Absatz 3a Winterreifenpflicht. Das bedeutet, wer im Winter mit Sommerreifen fährt, riskiert laut Bußgeldkatalog einen Punkt in Flensburg sowie ein Bußgeld in Höhe von mindestens 60 Euro.

Selbst wer etwa im Mai in Regionen wie den Alpen unterwegs ist, wo es noch schneien kann, riskiere bei einer Kontrolle ein Bußgeld, auch wenn wenn kein Unfall passiert ist.

Der überzeugendste Grund für einen Wechsel zwischen Winter- und Sommerreifen sollte jedoch weniger das Bußgeld sein als vielmehr die Sicherheit von Fahrer, Beifahrer und anderen Verkehrsteilnehmern.

Das kann bei einem Unfall mit Sommerreifen drohen

Baut man dann noch einen Unfall, erhöht sich das Bußgeld auf 120 Euro. Hinzu kommt, dass die Kaskoversicherung die Regulierung des Schadens am eigenen Fahrzeug verweigern kann, wenn sich die fehlenden Winterreifen als Ursache herausstellen.

Es könnte zu einer erheblichen Leistungskürzung wegen grober Fahrlässigkeit bei der Versicherung führen, so der ADAC. Auch auf die Haftpflichtversicherung hat es eventuell Auswirkungen, da es zu einer Mithaftung des Halters führen könne, auch wenn der Unfallgegner durch eigenes Verschulden den Unfall verursacht hat.

Winterreifen von dem Einlagern putzen und checken

Bevor Autofahrer ihre Winterräder einlagern, sollten sie Felgen und Reifen gründlich reinigen, rät die Sachverständigenorganisation KÜS. Schäden ließen sich am besten entdecken, wenn die Räder sauber sind. Steine und andere Fremdkörper entfernen Autofahrer aus dem Profil. Für Felgen eigenen sich zum Beispiel spezielle Felgenreiniger nach Anleitung. Danach die Räder mit klarem Wasser abspülen.

Nach dem Trocknen lässt sich die Position etwa mit Kreide auf den Reifen markieren, um zu wissen, wohin sie im Herbst hingehören. Etwa mit Kürzeln wie "VL" für "vorn links". Die sauberen Räder nimmt man abschließend unter die Lupe. Sind Reifen, Felgen und das Felgenhorn unbeschädigt? Ist noch genug Profil vorhanden?

Bevor sie ihre Pneus in die Sommerpause in einem möglichst dunklen und trockenen Raum einlagern, pumpen ihre Besitzer sie am besten mit 0,5 bar mehr Druck als vorgeschrieben auf.

Reifen müssen nach einiger Zeit ganz ersetzt werden

Acht Millimeter Profiltiefe haben Neureifen. Gesetzlich vorgeschrieben ist ein Wechsel zu neuen Reifen, wenn sie vorgeschriebene Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern unterschreiten. Der ADAC rät jedoch dazu, die Reifen bereits bei vier Millimetern auszuwechseln.

Selbst Wenigfahrer müssen ihre Reifen laut ADAC früher oder später wechseln, selbst wenn es hinsichtlich der Profiltiefe noch nicht notwendig wäre. Der Gummi wird mit der Zeit hart und spröde und kann ein ähnliches Problem wie ein abgefahrener Reifen darstellen.

Meine Winterreifen haben noch viel Profil - darf ich sie im Sommer einfach weiterfahren?

Ja, aber das ist nicht sonderlich sparsam und kann sogar gefährlich werden, erklären Dekra und ADAC. In Deutschland gibt es keine rechtliche Vorgabe, welche Art von Reifen Autofahrer im Sommer nutzen müssen.

Im Sommer einfach mit den Winterpneus weiterzufahren oder alte mit genügend Restprofil "aufzufahren", ist dennoch nicht sinnvoll. Von der Gummimischung her sind Winterreifen vergleichsweise weich. Sie könnten bei höheren Temperaturen "einknicken".

Dadurch verschlechtert sich nicht nur die Fahrstabilität, das Fahrzeug hat außerdem einen längeren Bremsweg. Je nach Temperatur und Verschleißzustand der Reifen kann sich der Bremsweg aus Tempo 100 um bis zu 16 Meter verlängern, gibt der ADAC ein Beispiel.

Winterreifen verschleißen im Sommer zudem viel schneller und sorgen durch ihren höheren Rollwiderstand für höheren Kraftstoffverbrauch, erteilen die Experten Sparfüchsen eine Absage.

Generell sollten Reifen nicht älter als sechs Jahre sein, so die KÜS. Das Alter klärt eine vierstellige Nummer der DOT-Kennzeichnung an der Reifenflanke. Die ersten zwei Ziffern stehen für die Kalenderwoche, die letzten zwei für das Produktionsjahr. So steht etwa "0816" für die achte Woche 2016.

Ein Wechsel zwischen Sommer- und Winterreifen ist sinnvoll

Winterreifen bestehen aus einem eher weicherem Gummi. Im Sommer wiederum sind die Reifen oft extremen Temperaturen ausgesetzt und müssen so sehr belastbar sein. Aus diesem Grund ist ein härterer Gummi für Sommerreifen nötig.

Auch im Reifenprofil gibt es Unterschiede: Winterreifen haben sogenannte Lamellen, die für eine sicherere Fahrweise bei Schnee und Eis sorgen sollen. Sommerreifen wiederum sind besser für Starkregen geeignet als Winterreifen. Sie transportieren Regen auf nassen Straßen optimal ab.

Fährt man im Sommer mit Winterreifen, muss man mit einem höheren Abrieb und einem aufgrund des weichen Materials längeren Bremsweg rechnen. "Temperaturen bis 15 Grad machen sie dauerhaft locker mit", sagt Müller. Erst wenn es länger über 25 Grad warm wird, haben die Pneus Probleme mit ihrer Performance. Im umgekehrten Falle bieten Sommerreifen im Winter für unzureichenden Schutz vor glattem Untergrund.

Nach dem Reifenwechsel Radmuttern nachziehen lassen

Nach 50 Kilometern sollten die Radmuttern nachgezogen werden. Meistens finden Autofahrer nach dem Reifenwechsel bei einer Werkstatt einen Hinweis im Auto, der sie daran erinnern soll. So soll verhindert werden, dass sich die Schrauben aufgrund von Montagefehlern lockern und schwere Unfälle auslösen.

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