Die Zukunft ist ungewiss: Der Schweizer Lebensmitteleinzelhändler Migros zieht sich aus Deutschland zurück und verkauft die Supermarktkette Tegut. Ein großer Teil der vor allem in Hessen befindlichen Tegut-Filialen soll von Edeka übernommen werden. Bereits im vergangenen Jahr gab es Gerüchte, dass zahlreiche tegut-Filialen schließen könnten.

Eine entsprechende Vereinbarung wurde nach Angaben beider Unternehmen bereits unterzeichnet. Das Kartellamt muss dem Verkauf noch zustimmen. Angaben zum Kaufpreis wurden nicht gemacht. Edeka will rund 200 Tegut-Filialen in den genossenschaftlichen Edeka-Verbund integrieren. "Mit dieser Einigung schaffen wir eine klare Zukunftsperspektive für die Tegut-Märkte und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", sagte der Vorstandsvorsitzende der Edeka-Zentrale, Markus Mosa. Auch das Logistikzentrum in Michelsrombach soll an die Supermarkt-Kette gehen.

Edeka will 200 tegut-Filialen übernehmen - auch Rewe und Aldi interessiert

Außer Edeka hat auch Rewe Interesse an Filialen gezeigt, laut der Lebensmittelzeitung (LZ) wird bereits ein entsprechendes Paket geschnürt. Wie das Branchenblatt berichtet, könnte Rewe vor allem Standorte in Bayern übernehmen. Abgesehen verhandelt Migros auch mit dem Discounter Aldi und der Kette Tante Enso, die vor allem autonome Supermärkte betreibt. Aldi möchte dabei vor allem größere Filialen übernehmen, Tante Enso entsprechend seines Geschäftsmodells wiederum kleinere Läden. 

Durch die Schließung zahlreicher Standorte hätte ansonsten der Verlust von mehr als 4500 Arbeitsplätzen gedroht, hieß es. Ob der Name Tegut erhalten bleiben wird, ist bislang unklar. Zu weiteren Details äußerte sich Edeka nicht. Zuvor hatte die Lebensmittel Zeitung darüber berichtet. Migros erklärt den Schritt folgendermaßen: Trotz massiver Kosteneinsparungen habe sich das Marktumfeld in Deutschland weiter verschärft und zu rückläufigen Umsätzen geführt. Tegut sei "unter diesen Bedingungen mit der spezifischen Positionierung und der vergleichsweise kleinen Unternehmensgröße langfristig wirtschaftlich nicht zukunftsfähig".

Die Option einer Gesamtübernahme von Tegut durch einen Händler, der bisher nicht im deutschen Markt präsent sei, habe sich als nicht umsetzbar erwiesen, hieß es. Offen ist bislang, was aus den übrigen Tegut-Märkten wird. Laut Migros laufen Gespräche mit weiteren Interessenten. Weitere Details wurden nicht genannt. Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet. Im Jahr 2013 wurde die Kette von Migros übernommen. Laut Angaben auf der eigenen Internetseite beschäftigt Tegut ungefähr 7700 Menschen und hat mehr als 300 Supermärkte in sechs Bundesländern. Die mit Abstand meisten davon befinden sich in Hessen. In Franken betreibt die Supermarktkette knapp 50 Filialen - das vor allem in Unter- und Mittelfranken, aber auch zum Beispiel in Bamberg.

"Können da nicht zusehen" - Scharfe Kritik an Übernahme-Plänen von Edeka

Der Kartellrechtler Rupprecht Podszun sieht die geplanten Übernahmen von Tegut-Standorten kritisch. Er hält es sogar für möglich, dass das Kartellamt die Vorhaben ganz oder teilweise untersagt. Der Professor der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ist Mitglied der Monopolkommission. Ein kürzlich veröffentlichtes Gutachten des Beratergremiums kam zu dem Schluss, dass die Konzentration im deutschen Lebensmittelhandel auf die vier Unternehmen Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) bereits sehr hoch ist.

Podszun erwartet deshalb eine besonders intensive Prüfung durch die Wettbewerbshüter. "Bislang wird oft argumentiert, dass es doch ausreicht, wenn es für Konsumenten in einer bestimmten Region genügend Auswahl unter den Supermärkten gibt." Die Marktmacht der großen Handelsketten ist dem Experten zufolge jedoch nicht mehr nur regional begrenzt. Sie drängten zudem zunehmend in die Produktion. "Wir können nicht einerseits eine hohe Konzentration beklagen und andererseits zusehen, wie die letzten kleinen Wettbewerber von genau diesen Unternehmen geschluckt werden."