• Bei Aldi, Lidl, Rewe & Co. kommt es immer wieder zu Pfandbetrug
  • Discounter und Supermärkte werden mit fiesen Tricks hinters Licht geführt
  • Mitarbeitende verraten krasse Geschichten
  • Doppelt dreist: Häufig wollen Betrüger*innen auch gestohlenes Leergut zurückgeben

Die Tricks der Kriminellen sind nicht nur enorm kreativ, sondern können auch ganz schön drastisch werden: Supermarktmitarbeitende von Aldi, Lidl und Co. berichten von den dreistesten Methoden, mit denen Betrüger*innen versuchen, Flaschenpfand und Getränkekisten zu Bargeld zu machen - manchmal im ganz großen Stil. Ein gängiges Verfahren, eine Pfandflasche zu Geld zu machen, von dem Aldi- und Lidl-Mitarbeitende dem Computermagazin CHIP berichteten, war beispielsweise das Befestigen einer Angelschnur am Flaschenhals. Dagegen wehren sich die Supermärkte und Discounter mittlerweile sehr effektiv.

Pfandbetrug im Supermarkt: Wie der Pfandautomat ausgetrickst wurde

Bei diesem Trick wird die Pfandflasche in den Automaten gesteckt. Nachdem sie gescannt wurde, zieht die Person sie kurzerhand mithilfe der Schnur zurück. Dieser Vorgang lässt sich - theoretisch - beliebig oft wiederholen. Doch Supermärkte, Discounter und Getränkemärkte ergreifen Gegenmaßnahmen.

Dass Pfandbetrug gar nicht so selten ist, zeigt  ein Fall aus sauerländischen Werdohl. Dort ist ein 13-jähriger Junge im Mai 2021 ertappt worden, als er einen Bon im Wert von 87 Euro einlösen wollte.

Auch mit ganzen Kisten ist offenbar ein lukrativer Pfandbetrug möglich. In einem Supermarkt in Hamm hatte die Polizei drei Mitarbeitende und einen Helfer vorläufig festgenommen. Sie sollen über Monate Getränkekisten gestohlen und anschließend das Pfandgeld eingestrichen haben. Dabei ist laut Mitteilung der Polizei ein Schaden von mehreren tausend Euro entstanden.

Auch mit Getränkekisten ist Pfandbetrug möglich

 Zwei 19-Jährige und ein 21-jähriger Mitarbeiter des Supermarktes sollen einen Käufer als Helfer eingesetzt haben. Sie ließen den 52-Jährigen an der Kasse passieren, ohne das Pfand abzurechnen. Außerdem soll die Gruppe Leergut mehrfach ausgezahlt haben.

Aufgefallen war der mutmaßliche Betrug bei einer Inventur. Überführt wurde die Gruppe, als eine Zeugin die Polizei rief, nachdem der 52-Jährige zahlreiche Kisten aus dem Geschäft getragen hatte, ohne zu bezahlen. Drei der vier Verdächtigen haben die Taten eingeräumt.

In Schwabach wollten drei junge Männer im Juli 2020 28 gestohlene Bierkästen in Bargeld umwandeln. Die Polizei erwischte das kriminelle Trio auf frischer Tat. Die Täter hatten sich durch Überklettern eines Zaunes Zutritt zu einem Getränkemarkt verschafft und anschließend 28 Bierkästen entwendet. Die Heranwachsenden, die sich teilweise geständig zeigten, wollten das Diebesgut bis zu den Morgenstunden nahe dem Tatort verstecken, um es anschließend durch die Abgabe im betroffenen Getränkemarkt in Bargeld umzuwandeln. Der Plan ging gründlich schief.

Leergut-Diebe auf frischer Tat ertappt

In einem Prozess um einen millionenschweren Betrug mit Pfandflaschen ist ein Angeklagter in Düsseldorf rechtskräftig freigesprochen worden. Die Beweisaufnahme habe ergeben, dass der 46-Jährige von dem Betrug nichts gewusst habe, sagte eine Sprecherin des Landgerichts am Dienstag (09.04.2019) auf Anfrage. Die Vorgänge hätten sich hinter seinem Rücken abgespielt.


Nie mehr Pfandflaschen schleppen: SodaStream Wassersprudler bei Amazon bestellen

Der Angeklagte hatte beim Prozessauftakt im vergangenen September seine Unschuld beteuert. Er betreibe seit Jahren eine Versicherungsagentur und habe die Geschäftsführung eines Neusser Getränkemarktes nur als Strohmann für einen Bekannten übernommen.

Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, als Geschäftsführer des Getränkemarktes Rücknahmeautomaten manipuliert und so 1,8 Millionen Euro ergaunert zu haben.

Dreiste Betrugsmasche: Automaten werden gezielt manipuliert

Am 10. April hat vor dem Landgericht Köln ein weiterer Prozess um mutmaßlichen Pfandbetrug begonnen. Laut Staatsanwaltschaft haben drei Männer von Januar bis Juni 2014 Rücknahmeautomaten für Einwegpfandflaschen so manipuliert, dass das Leergut nicht wie vorgesehen zerstört wurde. Durch ihre mehrfache Verwendung sollen die Angeklagten einen Schaden von mindestens 450.000 Euro angerichtet haben.

Auf einen solchen schnellen "Verdienst" hatten es auch zwei Jugendliche aus Marktleugast abgesehen. Eine Kundin beobachtete, wie die 14- und 16-Jährigen eine Pfandflasche in den Automaten hineinschoben - und staunte nicht schlecht, als einer der Jugendlichen die Flasche an einer Schnur wieder aus dem Eingabeschacht zog. Gemeinsam mit einem Angestellten des Marktes wurden die Jugendlichen gestellt. Sie erwartet eine Anzeige inklusive Hausverbot - denn Pfandbetrug ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat.

Weitere Supermärkte kämpfen gegen Pfandbetrüger

Auch in Bayreuth war vor einigen Jahren ein solcher Pfandbetrüger unterwegs: Der damals 54-Jährige erbeutete mit dem Angeltrick etwa 75 Cent in einem Verbrauchermarkt, bevor er erwischt wurde. Er hatte versucht, dieselbe Flasche am Pfandautomaten mehrmals einlesen zu lassen. Ihn erwartet nun eine Anzeige wegen Betruges.

Inzwischen haben Discounter und Supermärkte Gegenmaßnahmen ergriffen. "Der Automat zeigt den Hinweis 'Objekt wurde rückwärts bewegt/angehalten'", sagte eine Lidl-Mitarbeiterin gegenüber CHIP. Interessant: Zu einer Anzeige kommt es nur in den seltensten Fällen: "Viele ergreifen die Flucht", so die Kassiererin.

In Köln ergaunerte ein Getränkehändler 2016 mit nur einer Flasche 44.000 Euro. Er manipulierte einen Pfandautomaten, damit er die immer gleiche Flasche Zigtausende Male einlesen lassen konnte. So generierte er Bons im Wert von mehr als 44.000 Euro, die ihm die Deutsche Pfandsystem GmbH anstandslos erstattete.

Pfandbetrug im großen Stil

Eine ganze Nummer größer - und professioneller - hat ein 27-Jähriger aus NRW 2018 seinen Pfandbetrug aufgezogen: Er erbeutete 1,2 Millionen Euro. Der Geschäftsführer eines Getränkehandels in Castrop-Rauxel schaltete laut Anklage die Schredderfunktion der beiden Pfandautomaten in seinem Markt ab. Die Dosen und Plastikflaschen konnten so demnach mehrmals gescannt werden. Die Automaten erfassten dabei jeden einzelnen Vorgang neu, und die Getränkehersteller zahlten an das Unternehmen die entsprechende Summe aus.

In einem Verbrauchermarkt in Bamberg hat ein Kunde im Jahr 2017 rund 700 Pfandflaschen abgegeben. Der Filialleiter wurde stutzig, witterte Betrug und rief die Polizei. Die Beamten konnten aber keine Straftaten im Zusammenhang mit den vielen Pfandflaschen feststellen - der Mann war wohl einfach ein fleißiger Sammler.

Dreister Pfandbetrug: Der Aufklebertrick

Im Februar 2021 stoppte die Polizei auf der A9 bei Allershausen einen LKW-Fahrer, der mit 26.000 Pfandflaschen unterwegs war, die mit gefälschten Einweg-Pfandetiketten versehen waren. Die Flaschen hätten einen Wert von circa 6500 Euro gehabt, wenn die Etiketten echt gewesen wären. Gegen den 45-Jährigen wurde Haftbefehl erlassen.

Beim Pfandbetrug scheint die Kreativität der Täter*innen keine Grenzen zu kennen. Gegenüber CHIP offenbarte eine Aldi-Mitarbeiterin einen weiteren Trick der Betrüger. Demnach würden diese das Logo der Deutschen Pfandsystem GmbH (DPG) ausdrucken und auf Flaschen aufbringen, die eigentlich gar keine Pfandflaschen seien, beispielsweise Essig- oder Ölflaschen. "Vor wenigen Jahren hatten wir den Fall, dass Klopapierrollen so bedruckt und in das Gerät eingeführt wurden", erzählt die Aldi-Mitarbeiterin.

Mittlerweile haben die Supermärkte und Discounter wie Aldi und Lidl auch diesem Trick einen Riegel vorgeschoben: Die Pfandautomaten scannen jetzt auch den aufgedruckten EAN-Code. Ist dieser beschädigt oder schlichtweg nicht vorhanden, gibt es auch kein Pfand zurück.

Angeblich geht der Schaden, den Pfandbetrüger*innen mit diversen Tricks Jahr für Jahr in der Wirtschaft anrichten, in die Millionen Euro. Genau beziffern lässt er sich laut Experten aber nicht.

*Hinweis: In der Redaktion sind wir immer auf der Suche nach nützlichen Produkten für unsere Leser. Es handelt sich bei den in diesem Artikel bereitgestellten und mit einem Einkaufswagen-Symbol beziehungsweise einem Sternchen gekennzeichneten Links um sogenannte Affiliate-Links/Werbelinks. Wenn Sie auf einen dieser Links klicken und darüber einkaufen, bekommen wir eine Provision vom Händler. Für Sie ändert sich dadurch nichts am Preis. Unsere redaktionelle Berichterstattung ist grundsätzlich unabhängig vom Bestehen oder der Höhe einer Provision.