Glaskonserven gehören zum Standardsortiment in deutschen Supermärkten – doch anders als Joghurtgläser im Kühlregal fallen auf die meisten dieser Verpackungen bislang keine Pfandgebühren an. Stattdessen landen sie nach dem Gebrauch bestenfalls im Altglascontainer.

Das soll sich künftig ändern: Ein Zusammenschluss von 24 Lebensmittelherstellern, darunter namhafte Marken wie Develey und Carl Kühne, plant die Einführung eines einheitlichen Mehrweg-Systems für Glasverpackungen außerhalb des Kühlregals. Das berichtet unter anderem die Mittelbayerische Zeitung.

Bald Pfand auf Obst und Gemüse im Glas: Steigende Kosten als Treiber des Wandels

Laut einer gemeinsamen Mitteilung der beteiligten Unternehmen sind es vor allem wirtschaftliche Faktoren, die den Anstoß für den Systemwechsel geben: Der steigende CO2-Industriepreis für Einwegglas sowie höhere Lizenzkosten für dessen Entsorgung machen das bisherige Modell zunehmend unattraktiv. Timm Reichold, Geschäftsführer von Feinkost Dittmann, erhofft sich von der neuen Allianz „mehr Planungssicherheit und Stabilität bei Verpackungen".

Für die technische Umsetzung kooperieren die Hersteller mit dem Berliner Start-up Dotch, das auf Mehrwegsysteme für Verpackungen spezialisiert ist.

Das Pfandsystem von Dotch ist nicht neu: Es kommt bereits im Bio-Fachhandel zum Einsatz. Nach Angaben der Lebensmittelzeitung (LZ) hat das Unternehmen derzeit knapp 750.000 Flaschen im Umlauf. Dotch übernimmt dabei die gesamte Logistikkette – von der Bereitstellung über den Transport und die Reinigung bis zur Rückführung der Behälter. Die Hersteller zahlen dafür eine Nutzungsgebühr sowie den jeweiligen Pfandwert.

Mehrweggläser im Supermarkt: So hoch ist das Pfand

Dieser Pfandwert funktioniert nach demselben Prinzip wie das bekannte Flaschenpfand: Kundinnen und Kunden zahlen ihn beim Kauf und erhalten ihn nach der Rückgabe der Verpackung zurück. Er gilt buchhalterisch als durchlaufender Posten und darf von den Unternehmen nicht als Gewinn verbucht werden. Konkret sind folgende Pfandbeträge geplant:

  • Glasflaschen: 50 Cent
  • Schraubgläser: 25 Cent

Betroffen wären Produkte wie Obst- und Gemüsekonserven, Senf, Soßen, Speiseöl, Essig und Sirup.

Offenes System ermöglicht Rückgabe bei allen teilnehmenden Händlern

Ein wesentlicher Vorteil des geplanten Modells liegt in seiner Offenheit: Da Standardflaschen und -gläser verwendet werden, können Kundinnen und Kunden das Leergut bei jedem Händler zurückgeben, der die entsprechenden Mehrwegbehälter im Sortiment führt – unabhängig davon, wo sie das Produkt ursprünglich gekauft haben.

Zu den Herstellern, die auf Mehrweggläser umsteigen wollen, gehören unter anderem Alfred Paulsen, Andros, Bauck Mühle, Bio Planéte, Brändle, Brökelmann, Carl Kühne, Develey, Feinkost Dittmann, Henry Lamotte, Jordan, Marschland, Monin sowie mehrere Ölmühlen und Regionalhändler.

Für Hersteller und Händler birgt die Umstellung Risiken – vorwiegend bei den Kosten für die Leergutlogistik. Isabella Kuhl, Leiterin des Qualitätsmanagements beim Bio-Händler Alnatura, bezeichnet den Schritt gegenüber der LZ dennoch als „Investition in die Zukunft". Alnatura hat bereits Erfahrung mit dem Dotch-System gesammelt.

Einführungszeitpunkt noch offen – Allianz als Signal an den Handel

Kuhl räumt aber auch ein: „Herausfordernd bei neuen Systemen ist, dass die Kunden die Gebinde noch nicht kennen." Sie zeigt sich jedoch zuversichtlich, dass die Akzeptanz ähnlich wie bei anderen Mehrweg-Lösungen ausfallen werde.

Auch beim Bio-Großhändler Dennree seien die Pfandflaschen „sehr gut" angenommen worden, wie das Unternehmen der LZ mitteilte. Allerdings sei der Rücklauf der Flaschen im Verhältnis zum Abverkauf „noch nicht ausreichend hoch".

Wann das neue System konkret eingeführt werden soll, steht bisher nicht fest. Veronika Pfender, Geschäftsführerin von Dotch, beschreibt das Ziel der Allianz gegenüber der LZ so: „Wir bilden eine Allianz, um dem Handel zu zeigen, wie groß das Interesse der Hersteller an Mehrweg-Glasverpackungen ist."

Glas nicht automatisch klimafreundlicher als Plastik

Die Initiative wirft zugleich eine grundsätzliche Frage auf: Ist Glas überhaupt die umweltfreundlichere Wahl? Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) weist darauf hin, dass die Herstellung von Glas energieintensiv ist: „Die Glasherstellung beinhaltet einen Schmelzprozess bei sehr hohen Temperaturen, der auf dem Einsatz fossiler Brennstoffe basiert." Selbst der Einsatz von Altglas mache den Prozess nicht emissionsarm. Hinzu kommt, dass Glasbehälter aufgrund ihres Gewichts beim Transport deutlich höhere Schadstoffemissionen verursachen als Kunststoffverpackungen.

Eine Untersuchung des Instituts für Energie- und Umweltforschung (ifeu) kommt zu dem Schluss, dass Glas in der Gesamtbilanz sogar schlechter abschneidet als Plastikverpackungen. Vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern sei diese Umweltbelastung nicht bewusst, so der Nabu. Laut einer Studie im Auftrag des Vereins könnten Mehrweggläser jedoch helfen, diese Bilanz spürbar zu verbessern – was den Ansatz der neuen Herstellerallianz aus ökologischer Sicht zumindest rechtfertigt.