Jeder kennt es: Beim Einkaufen im Supermarkt sieht man ein unschlagbares Angebot und greift sofort zu. Daheim muss man aber feststellen, dass auf dem Kassenzettel der deutlich teurere Ursprungspreis steht. Hat es da Sinn, in den Supermarkt zu stürmen und sich zu beschweren? Eher nicht, klärte Ende vergangenen Monats die Verbraucherzentrale NRW auf.
Warum immer der Preis an der Kasse zählt und nicht auf dem Schild im Regal, erläutert die Rechtsexpertin Iwona Husemann: "Bei dem Preis am Regal handelt es sich nicht um ein rechtlich bindendes Angebot des Händlers, sondern nur um eine sogenannte 'invitatio ad offerendum', also um die Aufforderung an potenzielle Käufer:innen, ein Angebot abzugeben." Der eigentliche Kaufvertrag würde erst an der Kasse zustandekommen, so die Juristin weiter. Übrigens schmerzen die teils starken Preissteigerungen der verganenen Jahre eine Gruppe von Kunden nur wenig.
Welcher Preis gilt wirklich? Rechtsexpertin mit schlechter Nachricht für verwirrte Kunden
Doppelt ärgerlich: Oft kommt die Preisverwirrung durch die Schludrigkeit des Supermarkt-Personals zustande - auch wenn die Preise in den meisten Fällen zusammenpassen. "Mangelnde Sorgfalt bei den Markt-Betreibern kann zu Verwirrung durch unterschiedliche Preise führen", heißt es dazu von der Verbraucherzentrale NRW. Unter anderem kann dies passieren, wenn angehende Aktionen bereits einen Tag vorher ausgezeichnet werden oder Aktions-Preisschilder zu spät ausgewechselt werden. Zuletzt hatte ein KI-Video mit einem wütenden Rentner an einer Supermarktkasse für Furore im Netz gesorgt.
Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es aber trotzdem. "Verbraucher:innen sollten die Preise vom Regal mit denen auf der Digitalanzeige an der Kasse vergleichen und bei Abweichungen sofort reklamieren. Oft akzeptieren die Supermärkte aus Kulanz den günstigeren Preis", erklärt Juristin Husemann von der Verbraucherzentrale. Eine spätere Reklamation sei in der Regel nicht mehr möglich, da man nur direkt vom Kauf zurücktreten könne.
Die Preise für ein bestimmtes Produkt sorgen derzeit für besonders viel Ärger bei den Kunden - viele verzichten deshalb immer mehr auf ein beliebtes Produkt. Dieses ist bei Supermärkten und Discountern in den vergangenen Jahren nämlich um satte 70 Prozent teurer geworden.