Seit Beginn der Pandemie hat sich das Einkaufsverhalten in mancherlei Hinsicht stark verändert: "Wir beobachten aktuell einen weiter beschleunigten Trend zu bargeldlosen Zahlungen", erklärte Cornelia Schulz - Sprecherin für die Deutsche Kreditwirtschaft - im Sommer letzten Jahres gegenüber der dpa

Obwohl Barzahlung aktuell weniger erwünscht  ist, zahlen viele Kunden weiterhin lieber mit Münzgeld und Scheinen. Daher stellt sich die Frage: Dürfen Geschäfte Bargeld ablehnen und auf die kontaktlose Bezahlungsweise bestehen?

Prinzip der Vertragsfreiheit - Kunden und Händler können Zahlungsart frei bestimmen

Allgemein gilt, dass Euro-Banknoten "das einzig unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel" in Deutschland sind, wie aus dem Paragraf 14 des Gesetzes über die deutsche Bundesbank hervorgeht. Das bedeutet zunächst, dass Händler Bargeld akzeptieren müssen. 

Allerdings gibt es Einschränkungen: "Grundsätzlich gilt das Prinzip der Vertragsfreiheit", erklärt Ulrich Binnebößel vom Handelsverband Deutschland in Berlin der dpa. Das ermöglicht es Kunden und Händlern die Art der Zahlungsform frei zu bestimmen. Händler haben die Möglichkeit in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen festzulegen, Bargeld nur eingeschränkt oder sogar ganz abzulehnen. 

Wichtig in diesem Fall ist, dass der Kunde darüber Bescheid weiß. Der Händler muss den Käufer vor dem Vertragsabschluss über die Bezahlungsmethode informieren. Dafür reicht oft schon ein gut sichtbares Schild mit einem entsprechenden Hinweis im Eingangsbereich des Geschäfts. Händler können also auf Kreditkartenzahlung bestehen, wenn der Kunde darüber im Vorfeld aufgeklärt worden ist.

Kunden müssen über Bezahlungsmethoden informiert werden

Gerade an Tankstellen und Kiosken sind solche Hinweise. Dabei verweisen sie häufig darauf, dass eine Bezahlung mit großen Geldscheinen nicht möglich ist. "So ein Aushang gilt als AGB. Er muss aber so angebracht sein, dass Kunden diese Information vor dem Tanken oder vor einer Bestellung sehen können", erklärt der Rechtsanwalt Michael Herte der Verbraucherzentrale. Auch das Bezahlen mit zu viel Münzen können Händler verweigern: "Händler müssen aufgrund einer gesetzlichen Regelung höchstens 50 Münzen bei einer einzelnen Zahlung annehmen", schreibt die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein

Kunden ihrerseits müssen dem jedoch nicht zwangsläufig zustimmen: "Ich habe Schilder, die Barzahlung ablehnen, stets erfolgreich freundlich lächelnd ignoriert“, sagt Hartmut Walz, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Ludwigshafen, der dpa. Wer nicht mit Karte bezahlen möchte, solle "Mit den Füßen abstimmen und den Laden oder das Lokal verlassen. Wir müssen ja nicht mit Anbietern kontrahieren, die unser Bargeld ablehnen", meint er.