Ab 2028 wird der Traum von Kirschblüten in Kyoto, Sushi in Tokio und Tempelbesuchen in Nara mit einer zusätzlichen Hürde verbunden sein. Japan führt das elektronische Einreisesystem JESTA (Japan Electronic System for Travel Authorization) ein – und damit gehört die unkomplizierte Einreise nur mit Reisepass der Vergangenheit an. Wer das beliebte Reiseland besuchen möchte, muss künftig vorab eine Online-Genehmigung beantragen und eine Gebühr von bis zu 20 Euro zahlen. Die neuen Einreisebestimmungen betreffen alle Reisenden aus 71 visumfreien Ländern, darunter auch Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Der massive Overtourism, mit dem Japan seit der Wiedereröffnung nach der Corona-Pandemie zu kämpfen hat, ist der Hintergrund der Verschärfung. Besonders beliebte Städte wie Kyoto sind überlaufen, Einheimische meiden ihre eigenen Viertel zu Stoßzeiten. Mit dem elektronischen Visum will die japanische Regierung unerwünschte Reisende bereits vor Abflug herausfiltern, Besucherströme besser lenken und die Sicherheit erhöhen. Das JESTA-System funktioniert ähnlich wie die US-amerikanische ESTA-Genehmigung und soll bis April 2028 vollständig implementiert sein.
Elektronisches Visum für Japan: Ab 2028 neue Einreisebestimmungen und JESTA-Pflicht
Alle, die künftig nach Japan reisen möchten, müssen sich auf neue Einreisebestimmungen einstellen. Ein gültiger Reisepass allein wird nicht mehr ausreichen. Die japanische Regierung plant die Einführung eines elektronischen Vorab-Systems namens JESTA (Japan Electronic System for Travel Authorization), das bis April 2028 umgesetzt werden soll. Das System betrifft Reisende aus 71 visumfreien Ländern, darunter auch Deutschland, Österreich und die Schweiz, wie es auf der offiziellen JESTA-Website heißt.
Ähnlich wie die US-Einreisegenehmigung ESTA funktioniert das JESTA-System: Vor Abflug müssen Reisende online Angaben zu Passnummer, Aufenthaltsdauer, Unterkunft und Reisezweck machen sowie eine Gebühr bezahlen. Ohne bestätigte Genehmigung dürfen Fluggesellschaften Passagiere nicht an Bord lassen, selbst wenn der Aufenthalt nur bis zu 90 Tage dauern soll. Urlauber sollen die Genehmigung spätestens 72 Stunden vor Abflug über ein Online-Formular beantragen.
Die genaue Gebührenhöhe steht allerdings noch nicht fest, doch Japan erwägt eine Gebühr zwischen 2.000 und 3.000 Yen, was etwa 12 bis 20 Euro entspricht. Damit orientiert sich das Land an vergleichbaren Systemen wie ESTA in den USA, das rund 18 Euro kostet. Die Genehmigung soll voraussichtlich für mehrere Einreisen gültig sein und eine Laufzeit von zwei bis fünf Jahren haben, ähnlich wie bei anderen elektronischen Reisegenehmigungssystemen
Massentourismus in Japan: Overtourism als Hauptgrund für JESTA-Einführung
Die Einführung des Systems war ursprünglich für 2030 geplant, wurde jedoch auf das Fiskaljahr 2028 vorgezogen. Hintergrund ist der stark wachsende Besucherandrang, der mancherorts für Konflikte, Regelverstöße und Überlastung der lokalen Infrastruktur sorgt. Die Regierung reagiert darauf mit strengeren Kontrollen und digitaler Vorprüfung.
Mit den Folgen des Massentourismus kämpft Japan zunehmend. Besonders beliebte Städte wie Kyoto verzeichnen Rekordzahlen an Besuchern. Die Stadt hat bereits Teile des berühmten Gion-Viertels für Touristen gesperrt, da viele Besucher dorthin kommen, um Geishas zu sehen. Einheimische meiden inzwischen Viertel wie Gion oder Higashiyama zu Stoßzeiten. Das Problem liegt vor allem an den ungleich verteilten Tourismusströmen, die sich auf wenige Hotspots konzentrieren, wie die Tagesschau berichtet.
Unerwünschte Reisende bereits vor Abflug herauszufiltern und Einreiseprozesse effizienter zu steuern, ist das Ziel der JESTA-Einführung. Die japanische Regierung will damit "die Einreise unerwünschter ausländischer Staatsangehöriger verhindern" und gleichzeitig die Sicherheit erhöhen. Auch eine bessere Planbarkeit des Tourismus und die Lenkung von Besuchern in weniger frequentierte Regionen spielen bei der Einführung eine wichtige Rolle. In seinem Zusatzhaushalt für das Fiskaljahr 2024 hat Japan bereits 15,82 Milliarden Yen für "Notfallmaßnahmen zur Verhinderung und Eindämmung von Overtourism und zur Verbesserung der Empfangsumgebung für ausländische Besucher" bereitgestellt. Dies macht 15 Prozent des Gesamtbudgets einschließlich des Fiskaljahres 2025 aus.
Rekordzahlen und beliebte Destinationen: Japan-Tourismus boomt seit Jahren
Einer beispiellosen Erfolgsgeschichte gleicht die Entwicklung des Japan-Tourismus. Im Jahr 2000 zählte das Land gerade einmal 4,8 Millionen internationale Besucher, wie die Japan National Tourism Organization dokumentiert. Bis 2010 stieg die Zahl auf 8,6 Millionen, bevor das verheerende Erdbeben und der Tsunami 2011 einen Rückschlag auf 6,2 Millionen Gäste bedeuteten. Doch die Regierung reagierte mit gezielten Maßnahmen: Visaerleichterungen, erweiterte steuerfreie Programme und verbesserte Einreiseverfahren ließen die Besucherzahlen regelrecht explodieren. 2019 erreichte Japan einen Rekord von 31,9 Millionen internationalen Touristen.
Mit noch größerer Intensität setzte sich der Boom nach der Corona-Pause fort. 2024 verzeichnete das Inselreich 36,9 Millionen ausländische Gäste – ein Plus von 15,6 Prozent gegenüber dem bisherigen Rekord von 2019, so Travel Voice. Allein im ersten Halbjahr 2024 kamen 17,78 Millionen Besucher ins Land, angetrieben durch den schwachen Yen, der Japan zu einem besonders attraktiven Reiseziel machte.
Bei deutschen Urlaubern steht Japan ebenfalls hoch im Kurs: Die einzigartige Mischung aus traditioneller Kultur, moderner Technologie, außergewöhnlicher Sicherheit und kulinarischen Highlights macht das Land zum Traumziel. Hinzu kommen die Faszination für Anime, Manga und die japanische Popkultur sowie die Höflichkeit und Gastfreundschaft der Einheimischen.
Top-Destinationen in Japan: Die zehn beliebtesten Reiseziele im Überblick
Japan bietet eine enorme Vielfalt an Reisezielen – von pulsierenden Megacitys über spirituelle Tempelstädte bis zu majestätischen Naturwundern. Die folgenden zehn Orte gehören zu den absoluten Highlights des Landes und ziehen Jahr für Jahr Millionen Besucher aus aller Welt an:
- Tokio: Die pulsierende Hauptstadt vereint Tradition und Hypermoderne wie keine zweite Stadt. Zu den Highlights zählen der Senso-ji-Tempel in Asakusa, der Meiji-Schrein im grünen Yoyogi-Park, die berühmte Shibuya-Kreuzung und das Viertel Harajuku mit seiner bunten Jugendkultur. Der Kaiserpalast, die Aussichtsplattformen des Tokyo Skytree und die noblen Einkaufsviertel Ginza und Omotesando runden das Angebot ab.
- Kyoto: Die ehemalige Kaiserstadt ist das kulturelle Herz Japans mit über 2.000 Tempeln und Schreinen. Der Fushimi-Inari-Schrein mit seinen tausenden roten Torii-Toren, der goldene Kinkaku-ji-Pavillon, der Silberpavillon Ginkaku-ji und der Bambuswald von Arashiyama gehören zu den meistfotografierten Orten des Landes. Das Gion-Viertel ist bekannt für seine Geishas, während der Philosophenweg im Frühling mit Kirschblüten verzaubert.
- Mount Fuji (Fujisan): Japans höchster Berg und nationales Symbol thront mit 3.776 Metern majestätisch über der Landschaft. Die offizielle Klettersaison dauert von Anfang Juli bis Anfang September. Der Kawaguchiko-See bietet spektakuläre Ausblicke auf den perfekt geformten Vulkankegel. Die fünf Fuji-Seen, heiße Quellen und zahlreiche Aussichtspunkte machen die Region zum Paradies für Fotografen.
- Osaka: Die lebhafte Handelsmetropole gilt als kulinarische Hauptstadt Japans. Das Dotonbori-Viertel mit seinen leuchtenden Neon-Schildern und Streetfood-Ständen ist legendär, ebenso der Kuromon-Markt, wo frische Meeresfrüchte und lokale Spezialitäten angeboten werden. Die imposante Burg Osaka, das Aquarium Kaiyukan und der futuristische Stadtteil Umeda mit seinen Wolkenkratzern ziehen Besucher magisch an.
- Hiroshima: Die Stadt steht symbolisch für Frieden und Wiederaufbau. Der Friedenspark mit der Atombomben-Kuppel, dem einzigen erhaltenen Gebäude nach dem Abwurf 1945, ist UNESCO-Weltkulturerbe und mahnendes Denkmal zugleich. Die nahegelegene Insel Miyajima mit dem berühmten schwimmenden Torii-Tor des Itsukushima-Schreins gehört zu den schönsten Orten Japans.
- Nara: Japans erste permanente Hauptstadt beherbergt den monumentalen Todai-ji-Tempel mit seiner 15 Meter hohen Bronze-Buddha-Statue. Im weitläufigen Nara-Park leben über 1.000 zahme Sikahirsche, die als göttliche Boten verehrt werden und von Besuchern mit speziellen Keksen gefüttert werden dürfen. Der Kasuga-Taisha-Schrein mit tausenden Steinlaternen ist ein weiteres Highlight.
- Hakone: Die Bergregion südwestlich von Tokio ist berühmt für ihre heißen Quellen (Onsen), Museen und den Blick auf den Mount Fuji. Eine Bootsfahrt auf dem Ashi-See, die Fahrt mit der Hakone-Seilbahn über das dampfende Owakudani-Tal und der Besuch traditioneller Ryokan-Gasthäuser mit privaten Onsen gehören zu den unvergesslichen Erlebnissen.
- Nikko: Die Bergstadt nördlich von Tokio beherbergt den prächtigen Toshogu-Schrein, ein UNESCO-Weltkulturerbe und Mausoleum des Shoguns Tokugawa Ieyasu. Die kunstvollen Schnitzereien, vergoldeten Verzierungen und der berühmte "Drei Affen"-Relief sind weltbekannt. Die fast 100 Meter hohen Kegon-Wasserfälle und der malerische Chuzenji-See ergänzen das Naturerlebnis.
- Kamakura: Die historische Küstenstadt südlich von Tokio war im 12. Jahrhundert Sitz der Shogunats-Regierung. Der monumentale Große Buddha (Daibutsu) aus Bronze, der seit dem 15. Jahrhundert unter freiem Himmel steht, ist das Wahrzeichen der Stadt. Der Hase-dera-Tempel mit Meerblick, der Tsurugaoka-Hachimangu-Schrein und die nahegelegenen Strände machen Kamakura zum beliebten Tagesausflugsziel.
- Takayama: Die charmante Stadt in den japanischen Alpen hat ihre historische Altstadt perfekt bewahrt. Die drei Hauptstraßen des Sanmachi-Viertels sind gesäumt von traditionellen Holzhäusern aus der Edo-Zeit, in denen heute Sake-Brauereien, Handwerksbetriebe und Antiquitätenläden untergebracht sind. Die berühmten Takayama-Festivals im Frühling und Herbst mit kunstvoll geschmückten Festwagen ziehen Tausende Besucher an.
Die enorme Bandbreite japanischer Reiseerlebnisse wird durch diese zehn Destinationen repräsentiert – von urbanen Abenteuern über spirituelle Tempelbesuche bis zu atemberaubenden Naturlandschaften. Jedes Ziel bietet einzigartige Einblicke in die faszinierende Kultur und Geschichte des Inselreichs.
ETA-Systeme weltweit: Weitere Länder mit elektronischer Einreisegenehmigung
Nicht nur Japan setzt auf elektronische Einreisegenehmigungen. Zahlreiche Staaten nutzen inzwischen dieses Verfahren, das ursprünglich in den USA eingeführt wurde, um Sicherheitsprüfungen schon vor der Einreise durchzuführen und illegale Aufenthalte besser zu verhindern. Deutsche Urlauber benötigen eine elektronische Reisegenehmigung (ETA oder vergleichbare Systeme) unter anderem für Australien, Kanada, Neuseeland, Israel, Kenia, Sri Lanka sowie für die USA.
Seit 2025 verlangt auch Großbritannien schrittweise eine elektronische Anmeldung. Wer ohne gültige Genehmigung reist, riskiert Probleme beim Check-in oder die Einreiseverweigerung.
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