Das Flugzeug rollt noch auf der Startbahn, da läuft an Bord bereits ein System, das die meisten Passagiere nie wirklich wahrnehmen: die interne Kommunikation zwischen Cockpit und Kabine. Kurze Kommandos, technische Ansagen, standardisierte Codes – und mittendrin ein paar inoffizielle Begriffe, die Pilot Kolin Jones im Gespräch mit dem Reisemagazin "Travel + Leisure" erstmals öffentlich erklärt hat. Wörter wie "Mermaid", "Angel" oder "Code 300" klingen für Passagiere nach Geheimsprache, dahinter steckt jedoch vornehmlich mehr Alltag als Dramatik. Wer genauer hinhört, entdeckt eine Sprache, die zwischen professioneller Sicherheitsroutine und trockenem Crew-Humor pendelt.

Standardansagen vor dem Start des Flugzeugs

Während Passagiere meist nur die Sicherheitsansagen mitbekommen, verständigen sich Cockpit und Kabine parallel über kurze Kommandos, Fachbegriffe und interne Codes. Vieles davon ist reine Routine, manches dient der Sicherheit – und manches ist offenbar eher interner Crew-Slang. Gerade diese Begriffe sorgen immer wieder für Spekulationen darüber, was an Bord eigentlich wirklich gemeint ist.

Ein Teil der Durchsagen ist klar und gehört zum normalen Ablauf jedes Flugs. Wenn aus dem Cockpit etwa die Aufforderung kommt, dass sich die Kabinencrew für den Abflug vorbereiten soll, ist das schlicht das Signal für die letzten Sicherheitschecks in der Kabine. Auch ein knappes "Departure" markiert nichts Geheimnisvolles, sondern den unmittelbar bevorstehenden Start. Was viele nicht wissen: Während dieser kritischen Phase gilt für Piloten sogar eine strikte Regelung namens "Sterile Cockpit Rule", die es dem gesamten Flugpersonal untersagt, sich bei Start und Landung mit nicht flugrelevanten Dingen zu beschäftigen. Solche Kommandos sind fester Bestandteil der Bordkommunikation. Sie sorgen dafür, dass alle Handgriffe vor dem Rollen und Abheben synchron ablaufen:

  • Kontrollblick auf angelegte Gurte
  • final gesicherte Kabine

Skurrile Codes im Flugzeug: "Mermaid" bedeutet, dass jemand zu viel Platz beansprucht

Neben diesen standardisierten Ansagen soll es laut dem Piloten Kolin Jones aber auch Begriffe geben, die weniger offiziell sind und eher zum internen Sprachgebrauch gehören. Im Gespräch mit dem Reisemagazin "Travel + Leisure" erklärte Jones, dass Passagiere nicht bei jedem ungewöhnlichen Begriff misstrauisch werden müssten. Manche dieser Begriffe seien eher augenzwinkernd gemeint. Sie könnten aber dennoch ein Hinweis darauf sein, dass jemand im Sitzbereich mehr Raum beansprucht als nötig.

Ein solcher inoffizieller Ausdruck soll "Mermaid" sein, also "Meerjungfrau". Gemeint sind laut Jones Passagiere, die sich besonders breit machen, unnötig viel Platz einnehmen oder mit weit gespreizten Beinen auf dem Sitz sitzen. Das fällt in die Kategorie dessen, was oft als "Manspreading" bezeichnet wird. Überhaupt gibt es an Bord einige Verhaltensweisen, die das Flugpersonal als besonders störend oder rücksichtslos empfindet – vom Verhalten gegenüber der Crew bis zum Umgang mit dem Sitzplatz der Nachbarn.

Jones zufolge ist das kein Alarmzeichen, sondern eher ein scherzhafter Hinweis innerhalb der Crew. Wer so einen Begriff hören sollte, müsse sich also keine Sorgen machen – viel eher sei es ein Anlass, kurz zu prüfen, ob der eigene Sitzraum vielleicht schon in den Bereich der Nachbarsitze übergeht, so beschreibt er es gegenüber "Travel + Leisure".

"Dead Head": Wenn ein Crew-Mitglied einfach nur mitfliegt

Wer an Bord das Wort "Dead Head" aufschnappt, muss sich keine morbiden Gedanken machen – auch wenn der Name zunächst anderes vermuten lässt. Gemeint ist damit schlicht ein Passagier, der eigentlich zur Crew gehört, aber gerade nicht im Dienst ist. Wie der Stern berichtet, fliegen Piloten und Flugbegleiter regelmäßig als sogenannte "Dead Heads" mit, wenn sie zu einem anderen Standort für ihren nächsten Einsatz gebracht werden müssen.

Für die aktive Crew ist das eine wichtige Information: Ein "Dead Head" ist zwar an Bord, muss aber weder betreut noch in die Sicherheitsabläufe eingewiesen werden wie ein regulärer Fluggast. Gleichzeitig kann er im Notfall durchaus unterstützen – schließlich kennt er das Flugzeug von innen. Der Begriff ist kein Slang im eigentlichen Sinne, sondern eine anerkannte Bezeichnung in der Luftfahrtbranche, die aber außerhalb davon kaum jemand kennt.

Solche internen Begriffe sind allerdings nicht überall gleich. Welche Codes genutzt werden, hängt oft von Airline, Crew und internen Abläufen ab. Ein Ausdruck kann bei einer Fluggesellschaft alltäglich sein und bei der nächsten gar nicht verwendet werden. Das gilt auch für ernstere Situationen: Manche Airlines nutzen etwa Begriffe wie "Angel" oder "Code 300", um einen medizinischen Notfall an Bord zu kennzeichnen. Solche Durchsagen sind dann keine lockeren Insiderbegriffe, sondern klare Signale für schnelles Handeln.

"Hugo" und "Jim Wilson": Codes, die niemand hören möchte

Es gibt Codes an Bord, über die kaum jemand spricht – und das aus gutem Grund. "Hugo" ist im deutschen Luftverkehr der diskrete Ausdruck dafür, dass eine verstorbene Person mit an Bord ist. Dem Kölner Stadt-Anzeiger zufolge gilt das Wort als Abkürzung für "Human gone" und ist in erster Linie dafür gedacht, Panik unter den übrigen Passagieren zu vermeiden. Im englischsprachigen Raum ist stattdessen häufig von "Jim Wilson" die Rede, einem feststehenden Phantomnamen, der im Bordmanifest für Verstorbene steht.

Dass solche Situationen öfter vorkommen, als die meisten denken, überrascht viele: Auf Langstreckenflügen mit Hunderten von Passagieren ist es statistisch keine Seltenheit, dass jemand einen medizinischen Notfall erleidet. Dabei darf weder das Flugpersonal noch der Pilot einen Passagier für tot erklären – dieses Recht ist ausschließlich Ärzten vorbehalten, die Crew ist bis zur Landung zur Wiederbelebung verpflichtet. Die Crew ist darauf vorbereitet:

  • An Bord gibt es medizinisches Notfallequipment wie Defibrillatoren
  • Flugbegleiter sind in Erster Hilfe ausgebildet
  • Über Durchsagen werden Ärzte unter den Passagieren diskret um Unterstützung gebeten

Hört man als Fluggast also den Namen "Hugo" oder sieht, wie sich die Crew auffällig ruhig um eine bestimmte Sitzreihe kümmert, ist Diskretion gefragt – und das ist ganz bewusst so gewollt.

Besondere Durchsagen im Flugzeug - und das geheime Morse-ABC

Neben Sicherheitskommandos und internem Slang gibt es auch technische Ansagen, die für Passagiere zunächst kryptisch wirken. Das Reisemagazin Travelbook nennt hier zum Beispiel den Ausruf "Flight attendants all-call". Dahinter steckt kein Notfall, sondern eine Art Sammelverbindung innerhalb des Flugzeugs: Mehrere Bordtelefone werden gleichzeitig zusammengeschaltet, damit sich die Crew direkt untereinander abstimmen kann. Für Passagiere klingt das oft nach Geheimcode – tatsächlich ist es meist einfach ein organisatorisches Werkzeug, damit alle an Bord gleichzeitig auf demselben Stand sind.

Nicht nur Wörter, auch Töne transportieren an Bord wichtige Informationen. Das vertraute "Ding" oder "Ding-Dong", das Passagiere immer wieder hören, ist kein zufälliges Geräusch, sondern Teil eines akustischen Kommunikationssystems, das Cockpit und Kabine miteinander verbindet. Wie der Reisereporter erklärt, bedeuten die Signale je nach Anzahl und Kombination der Töne etwas anderes:

  • Einmal "Ding": Ein Passagier hat den Serviceschalter betätigt und wünscht Hilfe.
  • Zweimal "Ding-Ding": Zeichen für die bevorstehende Landung – die Crew nimmt ihre Plätze ein.
  • Dreimal "Ding-Dong-Ding-Dong-Ding-Dong": Ein Signal, das laut Business Traveller auf einen Notfall hinweisen kann – und das selbst erfahrene Flugbegleiter selten hören.

Wer also beim nächsten Flug aufmerksam hinhört, bekommt ein erstaunlich detailliertes Bild davon, was gerade hinter den Kulissen passiert – ganz ohne ein einziges Wort zu verstehen. Das akustische System funktioniert dabei bewusst unauffällig: Die Töne sind laut genug für die Crew, aber dezent genug, um Passagiere nicht zu verunsichern.

Zwischen Sicherheitsroutine und Crew-Jargon

Nicht jede Durchsage über Lautsprecher ist also geheimnisvoller Piloten-Code. Vieles ist standardisierte Routine, die dem sicheren Ablauf dient. Daneben existieren offenbar auch informelle Begriffe, die eher aus dem Alltag von Cockpit und Kabine stammen. Wer verstehen möchte, wie das Flugpersonal Passagiere bereits beim Einsteigen heimlich einschätzt und beobachtet, bekommt ein noch tieferes Bild davon, wie viel Kommunikation an Bord unsichtbar und lautlos abläuft.

Für Passagiere gilt deshalb vor allem: Die meisten dieser Ansagen sind vollkommen normal. Und selbst wenn ein Begriff ungewöhnlich klingt, steckt dahinter meist entweder ein klarer Arbeitsablauf.