Vollgetankt schluckt ein Jumbo-Jet mehr als 200.000 Liter Kerosin – und gerade dieses kostbare Gut ist zur knappsten Ressource der globalen Luftfahrt geworden. Der Iran-Krieg hat nach nur einem Monat das gesamte Gefüge des internationalen Flugverkehrs erschüttert: verdoppelte Treibstoffpreise, lahmgelegte Drehkreuze am Arabischen Golf, drastisch ausgedünnte Verbindungen in Richtung Asien – die Folgen des Konflikts sind in der Branche mit Händen zu greifen.

Zum aktuellen Krisenpreis von rund 200 Dollar pro Barrel kostet allein dieser eine Tankvorgang rund 231.000 Euro – vor dem Krieg waren es bei etwa 87 Dollar pro Barrel noch gut 101.000 Euro. Der Iran-Krieg hat den Treibstoff für eine einzige Betankung also mehr als 130.000 Euro teurer gemacht. Schuld ist vor allem die faktisch gesperrte Straße von Hormus, über die rund 40 Prozent des weltweit produzierten Kerosins transportiert werden. Was das bedeutet, ist simpel – und schmerzhaft: Die nächste Welle steigender Ticketpreise ist nicht mehr aufzuhalten.

Kerosin knapp, Preise explodiert – so teuer ist Fliegen geworden

Laut dem internationalen Airline-Dachverband IATA hat sich der Preis für ein Barrel Kerosin seit Ende Februar im Schnitt etwa verdoppelt. Laut IATA ist bereits vor weltweiten Preissteigerungen und möglichen Kapazitätskürzungen bei anhaltenden Kämpfen gewarnt worden – eine Einschätzung, die Luftfahrtexperte Cord Schellenberg gegenüber tagesschau.de teilt: "Kerosin ist ein besonderes Produkt, das nicht in unendlicher Menge hergestellt wird. Es hat gleichzeitig auch einen kleinen Abnehmerkreis. Das führt sicherlich dazu, dass diese Schwankungen extrem sind."

Kein Rohstoff hat den Iran-Krieg so schnell gespürt wie Jet-Kerosin. Von rund 85 Dollar pro Barrel vor Kriegsbeginn kletterte der Preis innerhalb weniger Wochen auf bis zu 200 Dollar – ein Anstieg von mehr als 129 Prozent. Die US-Energiebehörde EIA hat ihre Kerosin-Prognose für 2026 bereits um 37 Prozent nach oben korrigiert, auf 2,67 Dollar pro Gallone. Für Airlines, die täglich Hunderte von Flügen operieren, bedeutet das eine nie dagewesene Kostenexplosion.

  • Frankfurt–Singapur (Boeing 777, ca. 70.000 Liter direkt): Treibstoffkosten vor dem Krieg rund 35.000 Euro – heute bereits 81.000 Euro. Weil der direkte Weg über den Persischen Golf gesperrt ist und Umwege von bis zu 30 Prozent mehr Strecke nötig sind, steigen die reinen Spritkosten auf bis zu 105.000 Euro pro Flug.
  • München–Bangkok (Boeing 787, ca. 60.000 Liter direkt): Kerosinkosten vor dem Krieg rund 30.000 Euro – aktuell bereits 69.000 Euro auf direktem Weg. Der erzwungene Umweg treibt die Spritrechnung auf bis zu 90.000 Euro pro Flug.

Fuel Hedging schützt nur noch kurz – die Absicherung läuft aus

Berechnungsgrundlage: Kerosinpreise laut IATA und BR24 (85–90 Dollar pro Barrel vor Kriegsbeginn, bis zu 200 Dollar pro Barrel aktuell); Kerosinverbrauch nach Herstellerangaben Boeing (777 bzw. 787); Wechselkurs 1 USD = 0,92 EUR; Umweg-Mehrverbrauch +30 Prozent gemäß Experteneinschätzung (Großbongardt/dpa). Alle Werte sind gerundet.

Bei mehreren Dutzend Langstreckenflügen täglich summieren sich diese Mehrkosten bei einer einzigen Großairline schnell auf mehrere Millionen Euro pro Tag. Kein Wunder, dass die Branche die gestiegenen Kosten zunehmend an die Passagiere weitergibt – über Kerosinzuschläge, höhere Grundtarife und den gezielten Abbau unrentabler Verbindungen.

Zur ersten großen Reisewelle zu Ostern beruhigten die meisten europäischen Fluggesellschaften ihre Kunden noch mit Verweis auf bestehende Terminkontrakte. Beim sogenannten "Fuel Hedging" sichern sich Airlines im Voraus feste Kaufpreise für Treibstoff – ein in ruhigen Zeiten bewährtes Instrument, das in der aktuellen Krise jedoch nur vorübergehend Schutz bietet. Ryanair etwa teilte der dpa mit: "Wir sind für die nächsten 12 Monate bei einem Preis von 67 Dollar pro Barrel gut abgesichert, sodass sich dies weder auf unsere Kosten noch auf unsere günstigen Flugpreise auswirken wird." Lufthansa-Chef Carsten Spohr blieb in einem CNN-Interview dagegen deutlich nüchterner: Ein Anstieg der Kraftstoffpreise in dieser Größenordnung werde sich in höheren Ticketpreisen niederschlagen – daran führe kein Weg vorbei.

Mallorca boomt, Zypern storniert – der Mittelmeerraum spaltet sich

Indessen zeichnet sich in den Buchungszahlen ein klares Muster ab. Westeuropäische Sonnenziele erleben einen unerwarteten Boom, der Osten des Mittelmeerraums schwächelt. Die britische Billigfluggesellschaft easyJet spricht von einer "vorübergehend gedämpften Nachfrage" – betroffen seien vor allem Destinationen im östlichen Mittelmeerraum, während Spanien von einer deutlich gestiegenen Buchungsaktivität profitiere. Treibstoff macht bei easyJet bis zu 30 Prozent der gesamten Betriebsausgaben aus; im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 zählte die Airline dennoch 22,7 Millionen Passagiere bei einer Auslastung von 90 Prozent, wie ad-hoc-news.de berichtet.

Ganz ähnlich tönt es beim Reiseriesen TUI. Dem offiziellen TUI-Newsroom zufolge verzeichne das Unternehmen derzeit ein "deutlich gestiegenes Interesse an Urlaub in Spanien und Griechenland" – und reagierte prompt mit einer kurzfristigen Kapazitätserweiterung für April:

  • 68 Zusatzflüge nach Mallorca, Fuerteventura, Gran Canaria, Lanzarote, Kreta und Rhodos
  • 10.000 zusätzliche Sitzplätze ab Hannover, Stuttgart, Düsseldorf, Frankfurt und München
  • Buchungsanteil Europa für Sommer 2026 bei knapp 75 Prozent – erneut gestiegen

Golfdrehkreuze lahmgelegt – Fernstrecken werden zum Luxusgut

"Viele setzen aktuell bewusst auf vertraute Sonnenziele in Spanien und Griechenland", erklärte Benjamin Jacobi, Vorsitzender der TUI Deutschland Geschäftsführung. Spanien bleibe der Spitzenreiter mit über 220 wöchentlichen TUI-fly-Flügen, 80 davon allein nach Mallorca. Auch Eurowings meldete nach verhaltenem Buchungsstart einen überraschenden Mallorca-Boom zu Ostern – freie Plätze waren innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Dass die Buchungssituation in Griechenland und auf Zypern gleichzeitig von massiven Stornierungen geprägt ist und Zypern mit einem 200-Millionen-Euro-Hilfspaket gegensteuert, zeigt, wie gespalten die Lage im Mittelmeerraum ist.

Nicht alle Carrier können mit dieser Wendigkeit reagieren. Die skandinavische SAS etwa kündigt an, allein im April wegen des teuren Kerosins mindestens 1.000 Flüge zu streichen. Die lettische Air Baltic ringt mit kaum abgemilderten Treibstoffkosten – und steht stellvertretend für zahlreiche kleinere Gesellschaften ohne ausreichende Absicherungsmechanismen. Wie tief der Konflikt bereits in die Breite der Wirtschaft eindringt, dokumentiert inFranken.de: Der Iran-Krieg erfasst immer mehr Firmen und Verbraucher – Passagierströme haben sich komplett verschoben, die fehlenden Kapazitäten der Golf-Airlines treffen auch den westeuropäischen Markt.

Am härtesten trifft die Krise den Langstreckenverkehr. Raketenangriffe in der Nahost-Region haben die globalen Luftfahrtknotenpunkte Doha, Abu Dhabi und Dubai auf unabsehbare Zeit lahmgelegt. Carrier wie Qatar Airways oder Gulf Air parken ihre Maschinen auf dem spanischen Wüstenflughafen Teruel – einem Standort, der zuletzt in der Coronapandemie als Abstellfläche diente. Um die gesperrten Drehkreuze zu umgehen, bietet Lufthansa nun "zahlreiche Extraflüge insbesondere nach Asien und Afrika" an: vier Sonderverbindungen von München nach Singapur sowie zwei Direktflüge von Frankfurt nach Kapstadt. Austrian Airlines stockt die Verbindungen von Wien nach Bangkok auf, wie BR24 berichtet. Welche Reisewarnungen für Dubai, Israel und weitere Länder in der Region inzwischen gelten, fasst inFranken.de in einer Übersicht zu den Reisewarnungen für 13 betroffene Länder zusammen.

Weltweite Kettenreaktion – immer mehr Airlines erhöhen die Preise

"Die Gesellschaften am Golf haben rund die Hälfte des Gesamtverkehrs zwischen Europa und Asien abgezogen", beschreibt Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt die Lage, so die dpa. Tourismus-Professor Harald Zeiss von der Hochschule Harz fasste es in der Tagesschau nüchtern zusammen: "Verbindungen nach Bangkok, Mumbai und Singapur sind um das Zwei- bis Fünffache teurer geworden, weil der kürzere Weg über den Persischen Golf nicht mehr möglich ist und die Umwege erhebliche Mehrkosten verursachen." Zeiss rechnet laut inatour.de damit, dass sich die Preissteigerungen auf breiter Front erst im Herbst oder Winter vollumfänglich bemerkbar machen werden.

Zu den weltweit betroffenen Fluggesellschaften zählen inzwischen immer mehr Namen. Wie inFranken.de berichtet, sind die Kerosinkosten von 85 auf bis zu 200 Dollar pro Barrel explodiert – Airlines wie Thai Airways, Cathay Pacific und Air New Zealand erhöhen bereits massiv die Ticketpreise, und die Lufthansa Group verlangt auf manchen Strecken bis zu 2.600 Euro Treibstoffzuschlag.

  • United Airlines streicht fünf Prozent der 2026 geplanten Kapazitäten – Konzernchef Scott Kirby kündigt Preiserhöhungen von 15 bis 20 Prozent an
  • Thai Airways hebt Ticketpreise um 10 bis 15 Prozent an
  • Qantas und Air New Zealand melden Treibstoffpreise von 150 bis 200 Dollar pro Barrel – vor dem Konflikt lagen sie bei 85 bis 90 Dollar, wie BR24 berichtet
  • Hong Kong Airlines hebt Treibstoffzuschläge um bis zu 35 Prozent an
  • Vietnam Airlines reagiert auf die besonders angespannte Kerosinlage in der Region
  • Die US-Energiebehörde EIA korrigiert ihre Kerosin-Prognose für 2026 um 37 Prozent nach oben – auf 2,67 Dollar pro Gallone

Kerosinzuschläge, Kurzarbeit, Preisanstieg – was Reisende jetzt zahlen

Selbst der gut abgesicherte Lufthansa-Konzern – der seinen Treibstoffbedarf nach eigenen Angaben zu bis zu 80 Prozent gehedgt hat – bereitet sich auf düstere Szenarien vor. Dem Handelsblatt zufolge lässt Lufthansa-Chef Carsten Spohr intern prüfen, ob vorübergehend 20 oder sogar 40 Flugzeuge geerdet werden könnten. Erste Kandidaten wären spritintensive Modelle kurz vor der Ausmusterung. Auf der Streichliste stünden demnach Europastrecken, auf denen kaum noch Gewinne zu erzielen sind. Vorsorglich bereitet er die Belegschaft bereits auf mögliche Kurzarbeit vor.

Hinzu kommt das altbekannte Instrument der Kerosinzuschläge, das die Branche erneut aus dem Werkzeugkasten holt. Bei den Lufthansa-Group-Airlines firmieren diese unter dem Posten "International Surcharge". Ein Economy-Rückflugticket nach New York kostet laut dem Portal Meilenoptimieren.com mit einem Aufschlag von 258 Euro rund 50 Euro mehr als noch vor der Krise. In höheren Buchungsklassen auf Langstrecken kommen schnell mehrere hundert Euro zusätzlich zusammen – bei First-Class-Verbindungen von Nordamerika verlangt die Lufthansa Group sogar bis zu 2.600 Euro Treibstoffzuschlag bei Returnflügen. easyJet plant Preiserhöhungen von 5 bis 10 Prozent auf europäischen Strecken, so ad-hoc-news.de. Luftfahrtexperte Karsten Benz von der Hochschule Worms mahnte gegenüber der Rheinischen Post: "Ich erwarte weitere Preissteigerungen, denn das Versorgungsrisiko bei den Öllieferungen ist noch nicht eingedämmt." In den nächsten vier bis acht Wochen könne es "richtig teuer" werden.

Preisvergleichsportale verzeichnen laut dpa bereits deutlich angezogene Tarife, vor allem auf Strecken nach Asien und Australien. München–Bangkok etwa, das vor dem Krieg für rund 1.000 Euro zu haben war, kostet mittlerweile bis zu 3.200 Euro. Wer die Buchung weiter hinauszögert, riskiert, 2027 noch tiefer in die Tasche greifen zu müssen.

Rechtliche Lage, Reisewarnungen, Alternativen – der Ratgeber im Überblick

Die Lage ist ernst – doch wer rasch und überlegt handelt, kann noch Schlimmeres abwenden. Viele Airlines bieten sogenannte Flex-Tarife an, die eine kostenlose Umbuchung oder Stornierung erlauben. Reiseveranstalter boten zeitweise – so auch gegenüber der dpa dokumentiert – gebührenfreie Umbuchungen auf gleichwertige Reisen an, ein Modell, das die Branche zunehmend als Standard etabliert.

Rechtliche Lage bei Pauschalreisen kennen. Wer eine Pauschalreise gebucht hat oder plant, genießt gesetzlichen Schutz – aber mit Grenzen. Veranstalter dürfen bis 20 Tage vor Abreise wegen höherer Kerosinkosten den Preis um bis zu acht Prozent anheben. Verlangt der Veranstalter mehr als acht Prozent, hat der Reisende das Recht, kostenlos vom Vertrag zurückzutreten, wie BR24 berichtet.

Bei reinen Flugtickets auf die Beförderungsbedingungen achten. Fluggesellschaften dürfen nachträglich höhere Kerosinzuschläge verlangen – ob das zulässig ist, hängt von den jeweiligen allgemeinen Beförderungsbestimmungen ab. Wer sein Ticket bereits gebucht hat, sollte diese Klauseln genau prüfen oder sich bei der Verbraucherzentrale beraten lassen.

Westeuropa als Alternative – und was Experten für den Herbst erwarten

Reisewarnungen des Auswärtigen Amts im Blick behalten. Das Auswärtige Amt hat mittlerweile für eine Reihe von Ländern in der Region Reisewarnungen ausgesprochen – diese sind nicht nur sicherheitsrelevant, sondern können auch Stornierungen ohne finanzielle Einbußen ermöglichen. Welche Mittelmeer-Ziele trotz Iran-Krieg als sicher gelten und welche Reisewarnungen konkret gelten, hat inFranken.de im Überblick zusammengefasst. Bundesaußenminister Johann Wadephul räumte gegenüber der dpa inzwischen ein, dass die Reisewarnung für Teile der Region möglicherweise zu spät ausgesprochen worden sei – ein Eingeständnis, das für viele betroffene Urlauber bitter klingt.

Alternativen in Westeuropa ernsthaft in Betracht ziehen. Mallorca, Fuerteventura, Kreta, Rhodos – diese Ziele sind deutlich weniger von den Kriegsfolgen betroffen und bleiben gut erreichbar. TUI, easyJet und Eurowings haben die Kapazitäten auf diesen Strecken massiv ausgebaut. Wer offen für eine Umplanung ist, sollte sich aber beeilen: Die Nachfrage ist hoch, die Kontingente schmelzen schnell. Wer hingegen auf ein risikoarmes Reisejahr setzt, findet in dieser inFranken-Übersicht über Risiko-Reiseziele 2026 mit bewaffneten Konflikten und kritischer Infrastruktur eine nützliche Orientierung.

Tourismus-Professor Zeiss, dem tagesschau.de zufolge einer der gefragtesten Experten in dieser Krise, rät: Wer eine Fernreise für den Herbst oder Winter 2026 plane, solle mit noch höheren Preisen rechnen als heute – und solle, wenn möglich, bereits jetzt einen Tarif mit Umbuchungsoption sichern. Ein Ende der Krise ist nicht in Sicht. Sobald sich die Lage am Golf normalisiere, werde sich die Konkurrenz durch arabische Carrier mit starken Angeboten zurückmelden – und die europäischen Anbieter erneut unter Druck setzen. Die Entspannung, falls sie kommt, könnte kürzer ausfallen als erhofft, so Cord Schellenberg laut tagesschau.de. Für Reisende bleibt die Botschaft klar: Wer jetzt klug plant, spart – wer wartet, zahlt. sl/mit dpa