Die Verbraucherzentrale NRW warnt vor versteckten Gefahren beim Online-Shopping. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom shoppen 48 Prozent der 16- bis 29-Jährigen und 36 Prozent der 30- bis 49-Jährigen über Social Media, bezogen auf alle deutschen Internetnutzer sind es 29 Prozent. "Das ist durchaus problematisch", sagt Iwona Husemann, Juristin bei der Verbraucherzentrale NRW. "Denn häufig verleiten die Designs zu unnötigen Impulskäufen, die Herkunft der Waren ist teilweise schwer nachzuvollziehen und die Apps sammeln jede Menge Daten."
Demnach sind viele Apps so gestaltet, dass Nutzer spontan Produkte kaufen sollen. Der "Kaufen"-Button wird schnell gedrückt, ohne dass klar ist, ob der beworbene Pulli oder die Sneaker wirklich nötig sind. Oft gibt es günstigere oder bessere Alternativen. Ein Vergleich mit Angeboten im Laden vor Ort kann ebenfalls helfen, die Qualität und den Preis einzuordnen.
Influencer-Werbung: Nähe zur Zielgruppe, aber oft bezahlte Inhalte
Besonders kritisch sind sogenannte "Dark Patterns". Damit sind manipulative Designs im Bestellprozess gemeint, die Druck aufbauen. Dazu gehören etwa Countdowns beim Kauf oder Hinweise, wie viele andere Personen einen Artikel angeblich gerade im Warenkorb haben. Solche Elemente sollen dazu bringen, schneller zu entscheiden – und weniger nachzudenken.
Influencer werden häufig von Herstellern bezahlt oder verdienen an eigenen Produkten. Das ist vielen Menschen bewusst. Laut der Bitkom-Umfrage finden insgesamt 21 Prozent der Befragten es sympathisch, wenn Unternehmen mit Influencer werben. In der Gruppe der 16- bis 29-Jährigen sehen 33 Prozent diese Werbeform positiv. Gleichzeitig wünschen sich knapp 43 Prozent dieser Altersgruppe offenbar eine deutlichere Kennzeichnung solcher Beiträge. 90 Prozent aller Befragten vertrauen eher klassischen Produkttests.
Die Verbraucherzentrale NRW rät dazu, beim Online-Shopping vorsichtig mit persönlichen Daten umzugehen. Käufer sollten genau prüfen, welche Informationen sie angeben und welche Zahlungsmethoden sie nutzen. Werbeansprachen nach einer Bestellung lassen sich verringern, wenn Push-Benachrichtigungen in der App oder in den Smartphone- und Browser-Einstellungen abgeschaltet werden. Auch die Abmeldung von E-Mail-Newslettern reduziert die Zahl der Werbemails.
Widerrufsrecht im Online-Handel: Fristen und Abläufe kennen
Vor allem Temu macht offen deutlich, dass das Unternehmen an personenbezogenen Daten interessiert ist und diese zu kommerziellen Zwecken nutzt. Wer die Plattform möglichst datensparsam verwenden möchte, sollte etwa das Standorttracking in den Smartphone- oder App-Einstellungen deaktivieren. Auch das Ausschalten von Tracking-Funktionen am Handy oder der Einsatz von Werbeblockern kann helfen, weniger Werbung angezeigt zu bekommen.
Passen bestellte Produkte nicht, gefallen sie nicht oder entsprechen sie nicht den Erwartungen, können Verbraucher ihr Widerrufsrecht nutzen. Ein Widerruf ist grundsätzlich formlos möglich, erklärt die Verbraucherzentrale NRW. Viele Shops stellen dafür ein Online-Formular bereit. Das Gesetz sieht für fast alle online bestellten Waren vor, dass Kunden ab dem Tag des Warenerhalts 14 Tage Zeit haben, den Kauf zu widerrufen.
Der Online-Shop muss Informationen zur Rücksendung bereitstellen und nach Eingang der Ware den Kaufbetrag zeitnah erstatten. Klappt das nicht, hilft der Musterbrief der Verbraucherzentrale NRW. Er kann ausgedruckt und ausgefüllt dem Paket beigelegt und zusätzlich per E-Mail an den Online-Shop geschickt werden.
Viele Rücksendungen bei Bestellungen
Offizielle Statistiken zur genauen Zahl der Retouren gibt es nicht, Schätzungen zufolge wird aber etwa jedes vierte Paket aus dem Internet zurückgesendet. Bei Bekleidung geht vermutlich sogar jedes zweite Paket an den Händler zurück.Für 2025 gehen Forscher von rund 550 Millionen Rücksendungen in Deutschland aus.