• Warnsysteme und Apps
  • KATWARN
  • NINA und das Modulare Warnsystem (MoWaS): Alle Warnungen in einer App
  • WarnWetter
  • Serinus
  • Meine Pegel
  • Weltrisikoindex und Fazit

In den letzten Jahren hat die Zahl der Naturkatastrophen weltweit kontinuierlich zugenommen: Im Jahr 2020 wurden 416 Ereignisse registriert, im Jahr 2008 sogar 430. Auch wenn Deutschland nicht zu den gefährdetsten Ländern der Welt zählt, bleiben die Bilder der schrecklichen Flutkatastrophe 2021 im Ahrtal oder das zerstörende Elbe-Hochwasser von 2002 und 2013 im Gedächtnis. Der Einsatz von Warn-Apps kann helfen, schlimme Ausmaße zu vermeiden. 

Warnsysteme und Apps

Neben Radiodurchsagen und TV-Sendungen wird die Bevölkerung heute oft über die Sozialen Medien vor Katastrophen gewarnt. In Deutschland gibt es außerdem öffentliche Sirenen- und Lautsprecherwarnungen, die von den Kommunen betrieben werden. In besonders gefährdeten Gebieten oder in der Umgebung von Einrichtungen mit besonderem Gefahrenpotential sollen diese die Bevölkerung frühzeitig warnen. Mittlerweile gibt es zusätzlich sogenannte Warn-Apps. Diese Warnsysteme sollen die Menschen binnen Minuten über die bevorstehenden Gefahren wie Hochwasser, Erdbeben oder Raketenangriffe informieren.

In Israel gibt es beispielsweise eine App, welche die Bevölkerung in Echtzeit vor Raketenangriffen warnt (Red Alert: Israel). Geht beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe eine Warnmeldung ein, werden die Menschen, die sich vor Ort befinden, per App gewarnt. Ein anderes Beispiel kommt aus den USA: Hier gibt es ein Warnsystem, welches die Bevölkerung per SMS über Gefahren informiert; in Deutschland ist dies aus datenschutzrechtlichen Gründen (noch) nicht möglich. Jedoch gibt es auch hier zahlreiche Notfall-Informations- und Nachrichten-Apps des Bundes und anderer Institutionen, die im Falle einer Gefahr die Bevölkerung warnen. 

Die letzten Ereignisse haben gezeigt, dass auf die angebotenen Warn-Apps nicht immer gleichermaßen Verlass ist. Naturgewalten können auch in Deutschland großen Schaden anrichten, wie zum Beispiel der große Orkan Sabine im Jahr 2020 oder das Jahrhunderthochwasser im vergangenen Jahr. Bereits im Vorfeld wurden Bürger*innen gewarnt, dennoch gab es zahlreiche Tote und Verletzte - zum Teil funktionierten die Warnsysteme nicht. Die Stiftung Warentest hat einige Warn-Apps untersucht und festgestellt, dass manche Apps noch Verbesserungsbedarf besitzen. Für eine optimale Nutzung solltest du die "Nicht stören"-Funk­tion am Handy auf jeden Fall ausgeschalten und Mitteilungen zulassen.

KATWARN

Das Frühwarnsystem KATWARN wurde vom Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) im Auftrag öffentlicher Versicherer entwickelt und war die erste Katastrophen-Warn-App in Deutsch­land. Es baut auf das Frühwarnsystem WIND auf, das circa von einer Million Menschen genutzt wird. Seit 2011 kann KATWARN in Deutschland verwendet werden, die Anmeldung ist kostenlos und freiwillig. 2017 gab es rund 2.5 Millionen Nutzer*innen, wobei die Zahl in den letzten beiden Jahren laut Herstellerangaben stark angestiegen ist; inzwischen soll es 3,8 Millionen aktive Nutzer*innen geben. Die App kann weltweit in den App Stores für iPhone, Android und Huawei-Phones heruntergeladen werden. Auch wenn die hauptsächliche Nutzung über die App auf deinem Smartphone erfolgt, ist es möglich, dich direkt über die Webseite zu informieren

Nach dem Download muss zunächst der sogenannte "Schutzengel" aktiviert werden, das bedeutet, dass die Ortungsdienste des Handys für diese App immer eingeschaltet sein müssen. Ist der Schutzengelmodus aktiviert, warnt dich die App vor direkten Gefahren am jeweiligen Aufenthaltsort. Die App kann von Kommunen lizensiert und zur Verbreitung von Warnungen und Meldungen genutzt werden. Neben den Gefahrenmeldungen für Regionen, Landkreise und Städte werden beispielsweise auch Schulschließungen über die App verbreitet. KATWARN zeigt zudem die Meldungen aus dem Modularen Warnsystem (MoWaS) des BBK an. Auch nutzen einige Veranstalter die App über sogenannte Themen-Abos. Hier können Besucher*innen etwa über lokale Ereignisse informiert und gewarnt werden. Inzwischen sind auch regionale Versionen von KATWARN verfügbar - so bietet das Bundesland Hessen beispielsweise die hessenWARN-App an. Außerdem gibt es ein internationales Warnsystem von KATWARN, sowie ein internes Warnsystem der Europäischen Kommission, EUWARN, um die Mitarbeiter*innen innerhalb der Kommissionsliegenschaften zu warnen. 

Zu beachten ist, dass die KATWARN-App zwar ein Frühwarnsystem ist, dennoch kann sie die lokalen Anweisungen von Behörden, Katastrophenschutz, Polizei oder Einsatzkräften in einer Gefahrensituation nicht ersetzen. Auch kann keine technische Garantie gegeben werden, dass alle Warnungen zugestellt werden, da es immer möglich ist, dass Strom-, Internet- oder Mobilfunkstörungen auftreten.

NINA und das Modulare Warnsystem (MoWaS): Alle Warnungen in einer App

Die Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes, kurz Warn-App NINA, wird seit 2015 vom Bundes­amt für Bevölkerungs­schutz und Katastrophen­hilfe (BBK) bereitgestellt. Über das Modulare Warn­system (MoWaS) des BBK können Land­kreise, kreisfreie Städte und andere Behörden und Hilfs­organisationen Warnmeldungen verschi­cken, die dann von der NINA-App angezeigt werden. Nach Angaben des BBK wird die App aktuell von zehn Millionen Menschen genutzt.

Deutschland wurde in der Vergangenheit öfter von Flutkatastrophen heimgesucht: Das Hochwasser der Elbe bei Meißen im Juni 2013.
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MoWaS wurde ab 2001 als Ergänzung zur bereits vorhandenen Warninfrastruktur der Länder als bundeseigenes Warnsystem entwickelt. Die Übertragung der Warnmeldung erfolgt sowohl über Satelliten als auch kabelgebunden. Diese technische Basis macht das System unempfindlich gegen Stromausfälle. 2020 wurden 1194 Warnmeldungen über MoWaS ausgelöst. In Deutschland gibt es 358 Stationen, über die Behörden Warnungen auslösen können. 

Über NINA werden alle Warnmeldungen angezeigt, die über MoWaS eingehen. Außerdem wurde geregelt, dass auch Warnungen anderer App-Betreiber, wie das regionale System BIWAPP, die Bürger Info & Warn App*, und KATWARN eingehen, soweit dies vertraglich möglich ist. Ebenfalls werden ab einer gewissen Warn­stufe auch Wettermeldungen des Deutschen Wetter­dienstes sowie Hoch­wasser­meldungen der Bundes­länder über die NINA-App mitgeteilt. Zusätzlich wurde die App in den letzten beiden Jahren weiterentwickelt und informiert über aktuelle Corona-Regeln sowie Verhaltens­tipps für den Katastrophenfall. Die Warn-App NINA ist für Android- und iOS-Betriebssysteme kostenlos verfügbar. Weiter gibt es die Warnungen des MoWaS auch direkt auf der Webseite warnung.bund.de.

WarnWetter

Eine App, die vor zahlreichen wetterbedingten Gefahren warnt, ist die WarnWetter-App des Deutschen Wetterdienstes (DWD), die seit Juni 2015 für mobile Endgeräte angeboten wird. Neben klassischen Wetterwarnungen meldet die App außerdem detaillierte Wettervorhersagen sowie allgemeine Informationen zum Wetter. Laut Urteil des Bundesgerichtshofes aus dem Jahr 2020 darf der Deutsche Wetterdienst in der kostenfreien Version der WarnWetter-App allerdings nur noch eingeschränkte Inhalte anbieten. Um Zugang zu weiteren WarnWetter-Informationen zu erhalten, musst du die kostenpflichtige Vollversion durch einen InApp-Kauf für 1,99 Euro erwerben. Die Vollversion kann über den gleichen Account auf mehreren Geräten verwendet werden. Eine Familienfreigabe des InApp-Kaufs ist leider nur bei iOS möglich. Für Einsatzkräfte aus dem Bereich Katastrophen-, Bevölkerungs- und Umweltschutz besteht die Möglichkeit, sich für die Vollversion kostenfrei zu registrieren*. Die App ist auch in englischer Sprache verfügbar, mit Ausnahme der Textberichte, die es aktuell nur auf Deutsch gibt.

Die WarnWetter-App bietet die Zusatzfunktion der Blitzortung an.
CC0 / Pixabay / 705847

Die entgeltfreie Version bietet dennoch ein breites Spektrum an Funktionen. Neben einer Übersicht über die aktuelle Gefahrenlage für Deutschland und einzelne Regionen, gibt es detaillierte Informationen zur Warnsituation für gewählte Orte durch amtliche Warnungen. Neben Hochwassermeldungen gibt es Lawinenwarnungen und Warnungen vor Unwetterereignissen wie Gewitter, Schnee und Glätte. Ebenso sind Binnenseewarnungen für bayerische Seen und Videoinformationen bei besonderen Unwetterlagen Teil der Warn-App. Du kannst außerdem zusätzliche Features nutzen und etwa ein Widget hinzufügen, eine Tonauswahl treffen oder unterschiedliche Windgeschwindigkeitseinheiten einstellen.

Im Vergleich dazu bietet die kostenpflichtige Vollversion Darstellungen aktueller Werte und Vorhersagen bis zu sieben Tage im Voraus. Niederschlagsvorhersagen, Blitzortung, Textberichte für die einzelnen Bundesländer, die deutsche Küste und Seegebiete sowie ein Alpenwetterbericht erweitern das Angebot. Kostenpflichtig sind weiterhin Informationen zu einer erhöhten UV-Intensität, Waldbrandgefahren und dem Graslandfeuerindex. Die WarnWetter-App ist sowohl für Smartphones mit iOS-Betriebssystem als auch für Android-Systeme geeignet und in folgenden Stores erhältlich:

Serinus

Es gibt inzwischen eine Vielzahl an Warn-Apps, die im Katastrophenfall die Bevölkerung warnen sollen. Die Münchner Firma Serinus zählt heute zu den weltweit führenden Anbietern im Bereich Smart Event Communication und arbeitet seit Jahren an der Entwicklung einer zuverlässigen Alarmierungs- und Informationsplattform. Diese soll Gefahren von Hochwasser, Gewitterschäden oder Notfällen im Bereich der firmeninternen Produktion und Fertigung zügig feststellen und auch warnen.

Serinus informiert Nutzer*innen über gefährdende Ereignisse und kommuniziert, welche Reaktionen von ihnen benötigt werden. Durch eine medien- und plattformübergreifende Koordination können Informationen rasch verbreitet werden. Serinus ermöglicht auch eine zielgerichtete Alarmierung über viele Kommunikationskanäle. Da es sich bei dem Warnsystem nicht ausschließlich um eine App handelt, kann eine Alarmierung auch über Sprachanrufe, SMS oder E-Mail erfolgen. Welche Art der Alarmierung gewünscht wird, kann teilweise im Vorfeld definiert werden.

Der Hersteller Serinus bietet regelmäßig Live-Web-Seminare an. Es gibt verschiedene Arbeits- und Lebensbereiche, für welche die Warn-Software anwendbar ist. Diese reichen von Pflegeeinrichtungen über Klinken und Kranhäuser bis hin zu öffentlichen Einrichtungen. Aber auch Industriezweige, Dienstleister oder Arbeiter*innen in gefährlichen Situationen können dieses System nutzen. Serinus ist im Gegenzug zu den Warn-Apps des Bundes nicht kostenfrei. Du kannst eine Demoversion für 14 Tage kostenlos nutzen und bei Gefallen die Software nach der Testphase einfach aktivieren. Da das System in erster Linie für Organisationen und Unternehmen konzipiert wurde und leistungsstarke Rechenzentren von Vorteil sind, ist es für Einzelpersonen eher weniger zu empfehlen.

Meine Pegel

Meine Pegel ist eine App, die Informationen zu örtlichen Pegelständen für 3000 Gewässer in Deutschland anzeigt. Dieses Warnsystem liefert nicht nur Informationen im Gefahrenfall, sondern kann so konfiguriert werden, dass sie bei selbst gewählten Pegelständen die Nutzer*innen benachrichtigt. Neben dem Wasserstand wird auch eine Wasserstandvorhersage für rund 400 Pegel angezeigt. Tägliche Statusberichte zu einzelnen Pegeln oder zur überregionalen Hochwasserlage können kostenfrei abonniert werden.

Die Software wird von allen 16 Bundesländern gemeinsam betrieben. Sie zeigt allerdings keine Echtzeitstände an, die Informationen kommen zeitverzögert mit 5 bis 20 Minuten Verzögerung. Um diesen Zeitverzug zu umgehen, sollte ein etwas niedrigerer Wert angesetzt werden, damit eine Warnung frühzeitig erfolgen kann. "Meine Pegel" kann im App-Store kostenlos heruntergeladen werden und ist ein Service von www.hochwasserzentralen.de. Der kostenlose Download erfolgt über die App-Stores:

Weltrisikoindex

Laut Weltrisikoindex 2021 zählen Länder wie Katar, Malta, Saudi-Arabien, Island, Ägypten oder auch Finnland und die Schweiz zu den Ländern mit dem geringsten Gefährdungsgrad durch Naturkatastrophen. Auch Schweden, Singapur oder Estland werden dazu gezählt; hier gibt es weltweit die wenigsten, von der Natur ausgelöste Katastrophen. Deutschland liegt mit einem sehr geringen Katastrophenrisiko auf Rang 161. Dennoch sind Frühwarnsysteme auch in Mitteleuropa sinnvoll. In Deutschland gibt es verschiedene Zuständigkeitsbereiche: Für den Bevölkerungsschutz und die Katastrophenhilfe ist das BBK (Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe) zuständig.

Die NATO überwacht dagegen den internationalen Luftraum. Mithilfe von Satelliten und Radarstationen sollen Bedrohungen frühzeitig erkannt werden. Das sogenannte Gamma-Ortsdosisleistungs-Messnetz wird durch das Bundesamt für Strahlenschutz überwacht, welches im Fall von auffällig hoher radioaktiver Strahlung Alarm schlägt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) veröffentlicht Analysen über die Klimaentwicklung und wertet aktuelle Messungen aus einem eigenen Messnetz aus. Neben der meteorologischen Sicherung der Luft- und Seefahrt, der Überwachung des Wetters an Verkehrswegen und wichtiger Infrastrukturen, warnt der DWD die Bevölkerung im Falle von starken Unwettern und Naturkatastrophen.

Jedoch reichen Sirenen und Radiodurchsagen nicht immer aus, um die Bevölkerung zu warnen. Warnapps sind durchaus sinnvoll. Die meisten Warn-Apps stehen kostenlos zur Verfügung und sind auch weitgehend barrierefrei, so dass beispielsweise auch blinde Menschen die App bedienen können. Warnmeldungen sollten auf möglichst vielen Wegen zügig verbreitet werden, um einen großen Teil der Bevölkerung zu erreichen. Ende 2022 sollen sämtliche Warnungen des BBK auch ohne App per Cell Broadcast möglich sein. Dieses Massenwarn-System versendet Warnungen unabhängig von der Rufnummer als SMS-ähnliche Textmeldungen an alle eingeschalteten Handys, die in den Funkzellen eines möglichen Katastrophengebiets eingewählt sind.

Fazit

Um den bestmöglichen Schutz zu erhalten, ist es sinnvoll, mehrere Warn-Apps zu verwenden. Allerdings sind nicht alle Apps auf allen mobilen Endgeräten nutzbar. Weiter gilt zu beachten, dass Stromausfälle den Mobilfunk lahmlegen können. Außerdem kommt es häufig vor, dass die Apps in akuten Warnsituationen überlastet sind. Daher sollten sich App-Nutzer*innen und Anwohnende gefährdeter Regionen nicht ausschließlich auf Warn-Apps verlassen und zusätzlich analoge Katastrophenschutz-Warnungen über Rundfunk oder Sirenen und Lautsprecherdurchsagen beachten. Im Fall einer Katastrophen-Meldung solltest du dich sofort und ohne Umwege in Sicherheit bringen. Bei einem möglichen Raketenangriff ist der Keller am sichersten, bei Hochwasser solltest du umgehend einen hoch gelegenen und sicheren Ort aufsuchen. Für Notfälle empfiehlt es sich, ein batterie- oder solarbetriebenes Radio im Haushalt zu haben.*

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