I m November wird es in ihrem Keller ganz weihnachtlich: An den Wänden bei Maria Müller hängen dann Tannenkränze, geschmückt mit goldenen Sternen und Engeln, auf den Verkaufstischen stehen Nikoläuse, Schlitten und Weihnachtsbäume, daneben stapeln sich Kisten mit kleinen Anhängern. "Ich liebe Weihnachtsdekoration", sagt die 61-Jährige aus Eltmann im Landkreis Haßberge. Im Winter verbringt sie oft mehr Zeit in ihrem Keller als im Wohnzimmer.
Für die selbstgebundenen Adventskränze fährt Ehemann Wolfgang auf den Großmarkt und besorgt Zweige von Lebensbaum, Nobilistanne und Seidenkiefer. Nun benötigt man noch einen Kranz-Rohling aus Styropor oder Stroh, Zange, Draht, Baumschere und zum Verzieren natürlich vier Kerzen und Dekomaterial.
Adventskränze gehören in der Vorweihnachtszeit einfach dazu. "Die Menschen sehnen sich bei aller Modernität gerade beim Weihnachtsfest nach Tradition, Heimeligkeit und Wärme", sagt die Landfrau, die in den vergangenen Jahren immer wieder Kurse im Adventskranzbinden angeboten hat.


Der Erste war ein Wagenrad

Als "Erfinder" des Adventskranzes gilt der Theologe Johann Hinrich Wichern. Als Erzieher war er für Kinder verantwortlich, denen er die Wartezeit bis zum Weihnachtsfest verkürzen wollte. Zu diesem Zwecke erfand er in Hamburg im Jahre 1839 den Adventskranz. Im Gegensatz zu den heutigen Versionen war der erste Wichern-Adventskranz nicht mit Tannenzweigen und anderen Deko-Elementen geschmückt. Er bestand aus einem alten hölzernen Wagenrad, das unter der Decke befestigt wurde, und 24 Kerzen, die die Tage bis zu Heiligabend symbolisieren sollten. Erst ab den 1920er Jahren gab es Adventskränze dann auch in katholischen Kirchen.
Die frühere Ortsbäuerin Maria Müller erinnert sich an viele schöne Abende beim gemeinsamen Kranzbinden in ihrem Keller oder anderswo. "Die teilnehmenden Landfrauen waren damals froh, dass sie mal rausgekommen sind und einen fertigen Kranz mit nach Hause nehmen konnten." Doch die Zeiten haben sich geändert: "Viele junge Bäuerinnen binden ihren Adventskranz nicht mehr selber", bedauert Müller, die ihre Kurse jetzt nur noch auf Anfrage anbietet.


Mit oder ohne Schnickschnack?

Die Basis ihres Kranzes bildet ein Rohling aus Stroh. Alternativ lässt sich dieser mit Zweigen von der biegsamen Trauerweide und Draht selber binden, sagt Wolfgang Müller, der gelernter Florist ist. Wer es ohne Schnickschnack mag, bestückt den Rohling mit Zweigen und nur mit Kerzen. Die Müllers selbst mögen den Adventskranz klassisch - grün und rot.
In diesem Winter sind Rosa und Mintgrün die Trendfarben, Rot und Grün gelten als die christlichen Symbolfarben von Advent und Weihnachten. Grün symbolisiert dabei die Hoffnung auf Lebenserhalt im dunklen Winter, Rot steht für Wärme, Licht und Liebe.
Für einen Kranz benötigt Maria Müller jeweils ein Handbund Seidenkiefer, Nobilistanne und Thuja, weil diese haltbar und gut zu verarbeiten sind. Die Zweige werden mit einer Baumschere in etwa zehn Zentimeter große Stücke geschnitten und im Uhrzeigersinn mit Draht auf den Strohring gebunden. "Die Seidenkiefer macht den Kranz fließend und sie nadelt auch nicht", erklärt Wolfgang Müller. Etwa zwanzig Minuten benötigt der Florist für einen Kranz, Anfänger brauchen sicher doppelt so lange.
Früher waren Maria und Wolfgang Müller Vollerwerbslandwirte, bis Wetterkapriolen zwei Ernten hintereinander verdarben. "Dann hat Wolfgang die Beamtenlaufbahn eingeschlagen und als Justizvollzugsbeamter gearbeitet." Doch ganz haben die Müllers ihre Landwirtschaft nicht aufgegeben, sie bewirtschaften noch 20 Hektar Ackerland im Nebenerwerb.
Maria Müller schneidet den fertig gebundenen Kranz mit der Baumschere zurecht. Dann steckt sie vier rote Kerzen auf die eine Seite, die andere dekoriert sie. "Ich mag es gerne klassisch mit Sternen und Engelshaar." Dazu noch eine Girlande aus Filz, Äpfelchen oder ein Schneemann - fertig!
"Advent, Advent, ein Lichtlein brennt:" Ab nächster Woche wird bei den Müllers das sonntägliche Anzünden der Kerzen als Ritual während der Adventszeit zelebriert. Und mit jeder Kerze auf dem selbst gebundenen Kranz rückt das Fest der Liebe näher.