Ob Ratschen oder Osterbrunnen schmücken: Zu Ostern gibt es in Franken zahlreiche Bräuche. Das Dorf Ebenhausen bei Bad Kissingen treibt es jedoch mit einem skurrilen Brauch auf die Spitze: In der Nacht vom Karfreitag auf den Karsamstag jagen die Einwohner den Verräter Judas.


Unterfranken: Was ist die Judas-Jagd?


Am Abend versammeln sich dafür die jungen Männer des Ortes an der Kirche. Wer diesmal den Judas spielen darf, steht schon seit letztem Jahr fest. Denn der Fänger des Verräters wird immer automatisch zum neuen Hauptprotagonisten im nächsten Jahr. 15 Minuten bleiben ihm, um sich in den dunklen Gassen und Höfen Ebenhausens ein sicheres Versteck zu suchen.

Wenn die Kirchenglocken um Mitternacht schlagen, beginnt die Jagd auf den Verräter. Fortan muss er sich unbemerkt durch die Ebenhäusner Flur bewegen. So mancher Judas bewies bei der Verstecksuche schon viel Kreativität: Eingegraben im Acker oder im Straßengraben kauernd entging er den Häschern.


Lange Tradition in Ebenhausen


Bleibt er bis 0:45 Uhr tatsächlich unentdeckt, muss er regelmäßig ein Lebenszeichen von sich geben und laut "Judas" rufen, um den Jägern einen Hinweis auf seinen Aufenthaltsort zu geben. Finden die Suchenden den Verräter vor drei Uhr, haben sie gewonnen - können sie Judas jedoch in seinem Schlupfloch nicht aufspüren, gewinnt er. Abschließend ziehen die Beteiligten gemeinsam zum Heuberg - hier wird der Judas zwar nicht wie sein biblisches Vorbild gehängt, sondern sein Ebenbild aus Stroh auf einem Feuer verbrannt.

Die Judas-Jagd im Jahr 2018

Der Brauch geht bis ins 14. Jahrhundert zurück, wird aber heutzutage nur noch in Ebenhausen praktiziert. Schwierig war die Brauchtumspflege in der Nachkriegszeit, da viele der jungen Männer gefallen oder in Gefangenschaft waren. Heute führt die Ebenhäusner Jugend die Tradition wieder mit Begeisterung fort.