Knapp jeder zweite Erwachsene in Deutschland nutzt einer Studie zufolge regelmäßig digitale Medien, um sich weiterzubilden. Mit Abstand meistgenanntes Lernmotiv sei die fachbezogene, berufliche Qualifizierung, erklärte die Gütersloher Bertelsmann Stiftung am Freitag zu den Ergebnissen des aktuellen "Monitors Digitale Bildung". Netz-Recherchen zu Hobbys, Sprachenlernen oder IT-Problemen folgten.


Digitales Lernen: Weiterbildung über Youtube und Google


Es zeige sich aber auch, dass Menschen mit Haupt- und Realschulabschluss (32 Prozent in dieser Gruppe) und Nicht-Berufstätige (28 Prozent) seltener digital lernen als Erwerbstätige und Akademiker (je 59 Prozent), hieß es. Die soziale Schere in Bildung und Weiterbildung setze sich im digitalen Bereich fort, erklärte die Stiftung.

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Die Vielfalt an Möglichkeiten sei gestiegen, über das Internet eigenständig zu lernen. Bevorzugt würden vor allem kurze, problem- und handlungsorientierte Wissensangebote wie Erklärvideos, digitale Lernspiele oder -Apps, hieß es. Der Weg zum passenden Angebot führe in der Regel über die großen Webportale wie Google oder YouTube.


Bildung aus dem Internet: Lerninhalte nicht überprüft


Spezielle Bildungsportale wie die kostenlosen "Massive Open Online Courses" (MOOCs), die Wissensvermittlung über Videos, Lesematerial und Problemstellungen in Foren betreiben, seien dagegen wenig beliebt. Nur ein Prozent der deutschen Online-Lerner nutzt laut Studie das Angebot von Hochschulen und Bildungsinstitutionen. Klassische Weiterbildungsanbieter wie Volkshochschulen und Akademien seien erst dabei, sich digital aufzustellen, hieß es.


Der Vorstand der Bertelsmann Stiftung, Jörg Dräger, wies darauf hin, dass im Gegensatz zu professionellen Weiterbildungsanbietern die Fülle an Lernangeboten über Google und Co. selten geprüft sei. "Welche Inhalte wissenschaftlich-didaktischen Ansprüchen genügen, ist derzeit kaum erkennbar", erklärte er. Als Orientierungshilfe bei der Online-Suche regte er die Einführung eines freiwilligen Gütesiegels für gute digitale Lerninhalte an.

Für die repräsentative E-Learning-Studie befragte das MMB-Institut für Medien- und Kompetenzforschung in Essen im Auftrag der Stiftung rund 1.000 Deutsche im Alter von 18 bis 64 Jahren. Zudem wurden den Angaben nach knapp 500 Pädagogen und Leitungskräfte im Weiterbildungsbereich befragt.