Jeder hat sich sicher schon mal dabei erwischt, Erledigungen  aufzuschieben. An sich ist das nur menschlich. Bei manchen Menschen wird das Aufschieben jedoch chronisch und somit zu einem großen Problem mit hohem Leidensdruck – man spricht von Prokrastination. 

Gelegentliches Aufschieben ist noch lange keine Prokrastination. Bei wahren Prokrastinierern wird das Aufschieben zur seelischen Belastung. Studien belegen, dass besonders Menschen mit freier Zeiteinteilung und lang anhaltenden Aufgaben gefährdet sind. Wer dauerhaft prokrastiniert, der schafft es nicht mehr,  seine Aufgaben  zu erledigen. Dies kann zu  negativen Konsequenzen wie zum Beispiel dem Nichtbestehen eines Moduls im Studium oder dem Verlust des Jobs führen.

Wer gefährdet oder  bereits betroffen ist und ständig alles aufschiebt, dem können folgende Tipps helfen.

Vorplanen

Prokrastination ist meist eine Gewohnheit. Deshalb sollte man sich schon abends aufschreiben, was man alles am nächsten Tag erledigen wird. Man sollte sich an seine Pläne halten, aber auch  genügend Zeit für Erholung und Unvorhergesehenes einplanen.

Konkret sein

Das gilt besonders für Pläne. Ein Beispiel ist:  „Morgen um 12 Uhr lerne ich zwei Stunden für meine Prüfung in Statistik. Dabei werde ich mindestens Seite 30 bis 50 im Skript durcharbeiten.“

Konsequenzen verdeutlichen 

Die Verdeutlichung kann heilsam wirken, wenngleich sie auch erst mal mit zusätzlichem Druck einhergeht. Man sollte einmal ganz bis zum Ende durchdenken, was passiert, wenn man weiter aufschiebt und aufhören,  die Konsequenzen zu verdrängen.

Große Aufgaben zerlegen

Statt sich vorzunehmen, an einem Tag den ganzen Keller aufzuräumen und dann nach einer Viertelstunde genervt zu kapitulieren, sollte man sich lieber kleinere realistischere Ziele setzen. Besser ist es, sich vorzunehmen, am ersten Tag das linke Regal, am zweiten Tag das rechte Regal und am dritten Tag den Kram vom Boden aufzuräumen.

Zeitlimits setzen

Das Parkinsonsche Gesetz besagt, dass sich Arbeit auf genau den Zeitraum ausdehnt, der dafür zur Verfügung steht und nicht auf den Zeitraum, der wirklich dafür benötigt wird. Daher sollte man sich eigene zeitliche Limits setzen, in denen eine Aufgabe erledigt sein muss. So vergeudet man nicht zu viel Zeit mit Nebensächlichkeiten.

Unterbrechungen vermeiden

Alle Störquellen, die vom produktiven Arbeiten abhalten können, sollten bewusst eliminiert werden. Das heißt: Das Handy wird weit weg vom Arbeitsplatz gelegt, Radio und TV werden ausgeschaltet und E-Mails nicht ständig gecheckt.

Sofort anfangen

Man sollte einfach anfangen, ohne groß darüber nachzudenken. Je länger man über eine unangenehme Aufgabe grübelt, desto größer und unangenehmer erscheint sie einem. Die 72-Stunden-Regel  besagt, dass man Vorhaben innerhalb von 72 Stunden angehen muss, ansonsten sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass man das Projekt je umsetzt, auf ein Prozent.

Keine Entschuldigungen

Prokrastinierer sind wahre Meister darin, Ausreden zu finden, warum sie dieses oder jenes genau heute nicht erledigen können. Aber man sollte  sich nicht selbst belügen. Immer wenn man sich sagt, dass heute ein ganz schlechter Tag für Erledigungen ist, sollte man sich ehrlich fragen: Stimmt das überhaupt?

Die Pomodoro-Technik

Bei dieser Technik wird die Arbeit in mehrere Intervalle unterteilt. Eine Arbeitseinheit beträgt 25 Minuten und nach jeder Einheit folgt eine kurze Pause von fünf  Minuten. Nach vier Einheiten folgt eine längere Pause von 30 Minuten. Während der Arbeitsintervalle muss man ganz konzentriert und ohne Ablenkungen arbeiten, was aber aufgrund der Kürze der Einheiten leichter fällt. 25 Minuten sind ein überschaubarer Zeitrahmen, der einem nicht schon zu Beginn unendlich lang vorkommt.

Diese Tipps  können im Kampf gegen das ständige Aufschieben ein Stück weiterhelfen. Sollte man jedoch einen enormen Leidensdruck verspüren und das Gefühl haben, sein Leben nicht mehr meistern zu können, dann sollte man sich Hilfe, zum Beispiel in Form einer professionellen Therapie, holen.

Anna Traut