• Unterschiedliche Praxis in den Bundesländern
  • NRW-Gerichte setzen Maßstäbe
  • 'Aloha' geht bei Polizisten in Bayern nicht
  • Und das sagt die Gewerkschaft

Dürfen sich Beamte tätowieren lassen? Nein und Ja: Das kommt darauf an, wo man als Polizist*in oder Lehrkraft arbeitet. In Bayern ist das schwierig, in Berlin und NRW sind die Landesregierungen etwas toleranter.

Unterschiedliche Praxis in den Bundesländern

Zu tätowierten Polizisten gehen die Haltungen in den Bundesländern auseinander - auch weil es immer schwieriger wird, Nachwuchs zu finden. Vergleichsweise locker ist Berlin, wo sichtbare Tätowierungen 'minderer Größe' geduldet sind, solange die Neutralität gewahrt bleibt.

Die Senatsinnenverwaltung hat eine entsprechende Änderung der Polizeidienstvorschrift 350, die neben den Verhaltensvorschriften auch Vorgaben zum äußeren Erscheinungsbild der Beamten enthält, vorgenommen. Lange galt bei der Berliner Polizei die "T-Shirt-Grenze".

Tattoos wurden toleriert, durften aber im Dienst nicht zu sehen sein. Einschränkungen gibt es aber weiter. Hals, Kopf und Hände müssen tattoofrei sein, verfassungsfeindliche Motive sind verboten. Auch Rheinland-Pfalz schreibt vor, dass Tattoos im Dienst abgedeckt werden müssen. 

NRW-Gerichte setzen Maßstäbe

Die Gerichte haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder mit den Tattoo-Wünschen von Polizist*innen auseinandergesetzt. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster entschied in einem Eilverfahren, dass das Land Nordrhein-Westfalen einen Polizeianwärter nicht wegen eines großflächigen Löwen-Tattoos auf der Brust ablehnen darf (OVG Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 12.05.2020, Az.: 6 B 212/20). Der Zähne fletschende Löwenkopf wirke angriffslustig und aggressiv auf den Betrachter; er vermittle einen gewaltverherrlichenden Eindruck, der sich nicht mit dem an einen Polizeivollzugsbeamten gestellten Anforderungsprofil vereinbaren lasse, erklärte das Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei Nordrhein-Westfalen. Das Gericht betonte, dass die Tätowierung keine Rückschlüsse auf Gesinnung des Bewerbers zuließe.

In einem Fall in Recklinghausen hat das Gericht entschieden, dass ein Tätowierter trotz Mähnentier auf seiner Brust am Auswahlverfahren für den Polizeivollzugsdienst teilnehmen darf. Auch er wurde zunächst abgelehnt, weil das zähnefletschende Tier einen gewaltverherrlichenden Eindruck vermittle, aggressiv und angriffslustig auf Betrachter wirke. Der brüllende Löwe stehe für Mut und Stärke, hielt der Bewerber vor Gericht dagegen. Das OVG erkannte das an, konnte aus dem Bildnis ebenfalls keine Gewaltbereitschaft ableiten. Vielmehr sah es in der Ablehnung des Kandidaten einen Eingriff in dessen Berufsfreiheit (OVG Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 12.05.2020, Az.: 6 B 212/20).

Wegen Skelett und Totenkopf auf dem Oberarm kamen in Nordrhein-Westfalen Zweifel an der Eignung eines weiteren Bewerbers für den Polizeidienst auf. Das Tattoo lasse auf eine gewaltverherrlichende Einstellung schließen, er wurde abgelehnt. Das Verwaltungsgericht (VwG) Düsseldorf sah dies anders: Man müsse das gesamte Bildprogramm und die Beweggründe des Tätowierten betrachten. Das Skelett symbolisiere für ihn die Vergänglichkeit auf Erden. Daneben prangten ein Engel und eine Friedenstaube. Dagegen ließ sich nichts sagen (VwG Düsseldorf, 14.9.2021, 2 L 1822/21).

'Aloha' geht bei Polizisten in Bayern nicht

Die Polizist*innen in Bayern können von soviel richterlicher Einsicht nur träumen. Sichtbare Tattoos, in der Amtssprache 'Körperbilder', machen angeblich den Vorsprung an Respekt, den die Uniform vermeintlich schaffe, zunichte. 

Jürgen Prichta, Polizeioberkommissar aus Lauf an der Pegnitz, wollte den Schriftzug "Aloha" auf seinen Unterarm tätowieren lassen – als Erinnerung an eine Hochzeitsreise nach Hawaii. Kein Problem, sollte man meinen. Sein Dienstherr, das Land Bayern, lehnte aber seinen Antrag auf Genehmigung ab. Die Begründung: In der Sommeruniform mit Kurzarmhemd sei dann das Wort für jeden sichtbar. Der Fall ging bis zum Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) in Leipzig und das bestätigte: Polizisten in Bayern dürfen keine sichtbaren Tattoos tragen (Urteil vom 14.5.2020, Az.: 2 C 13.19).

Das Urteil war natürlich enttäuschend für den Polizisten aus Lauf: "Ich finde, es ist nichts Schlimmes, tätowiert zu sein", sagte Prichta nach dem Urteilsspruch der dpa. "Ich war mit meiner Frau in den Flitterwochen auf Hawaii – und das war ein traumhafter Urlaub. Seitdem schmücken mich an anderen Stellen Figuren und Symbole aus dem Hawaiianischen. Das gefällt mir halt." Er sei kein schlechterer Polizist, nur weil er tätowiert sei.

Noch auf der Suche nach dem passenden Job? jobs.inFranken.de!

Und das sagt die Gewerkschaft

Aus Sicht der Gewerkschaft der Polizei (GdP) sollen Polizist*innen ruhig tätowiert sein dürfen: "Eine kritische junge Anwärterin mit der richtigen Einstellung und einem zwei Zentimeter großen Tattoo hinterm Ohr ist mir lieber als jemand, der stromlinienförmig in den Apparat kommt, tut, was man ihm sagt, aber keine drei Meter geradeaus denkt", erklärte die GdP-Hamburg.

Was verdienen Beamte eigentlich? Einen Gehalts-Check findest du hier.