Von rund 8000 Mitarbeitern bei Bosch Bamberg sind 1700 weiblich - klar, dass der Arbeitgeber da mit der ein oder anderen Schwangerschaft zu tun bekommt. Eine werdende Mutter darf keine Akkord-, Fließband-, Mehr-, Sonntags- oder Nachtarbeit leisten. Doch geht das in einer Firma, bei der 75 Prozent der Mitarbeiter in der Fertigung arbeiten?
"Ja, natürlich", erklärt Werksärztin Dr. Katharina Moos, die bereits seit 1983 bei Bosch arbeitet. "Nach Meldung einer Schwangerschaft wird sofort der Arbeitsplatz der Dame auf gefährliche Werkstoffe sowie alle gesetzlichen Vorschriften überprüft." Erfüllt der Arbeitsplatz diese Anforderungen nicht, wird die Mitarbeiterin an eine geeignete Stelle versetzt. Dies sei aber keine große Umstellung, sagt Oliver Stief, kaufmännischer Werkleiter im Werk Bamberg. "Je nach Auftrags- und Marktlage wechseln einzelne Mitarbeiter öfters mal den Fertigungsbereich." In der Regel sei die Mitarbeiterin also schon daran gewöhnt, andere Arbeiten zu übernehmen.
Bevor der Mutterschutz beginnt, spricht die Schwangere mit Sozialberatung und Personalabteilung und klärt, wann und wie sie nach der Frist oder auch Elternzeit wieder einsteigen möchte. Teilzeit an der Maschine? Auch kein Problem, sagt Karin Erbertseder, Gruppenleiterin Fertigungsausführung. "Wir bilden dann Paare an den Maschinen, die gemeinsam die Schichten abdecken. Dies machen wir momentan sogar auf einer Führungsposition." Bosch ist insofern anpassungsfähig, dass die tägliche Arbeitszeit außerhalb der normalen Schichten liegen kann, um Eltern mit Teilzeitwunsch entgegenzukommen. Eine andere Möglichkeit ist das "mobile Arbeiten", geregelt in einer firmenweiten Betriebsvereinbarung. Nach Absprache mit der Führungskraft kann beispielsweise im nichttechnischen Bereich von Zuhause aus gearbeitet werden. Dies erleichtert das Spannungsfeld ungemein, wenn das Kind mal krank ist oder die Pflege eines Angehörigen die eigene Anwesenheit erfordert, man aber eigentlich in der Firma gebraucht wird.
Stief betont, dass Familienplanung kein Karrierehindernis sei. Für die Qualifikation zur Führungskraft brauche es mehrere Bausteine, wie etwa den Auslandsaufenthalt oder die Rotation in einem anderen Werk. Mütter und Väter können einen dieser Bausteine aber durch Mutterschutz oder Elternzeit ersetzen, dies erhöht die Fairness. Betreuungsangebote für Kinder gibt es im Bosch-Werk ebenfalls, eine Kooperation mit einer Kindertagesstätte in Hallstadt erleichtert den Spagat zwischen Beruf und Familie. Iris Müller