Die Anzahl der Krankheitstage von Arbeitnehmern in Deutschland wird derzeit intensiv diskutiert. So übte Kanzler Friedrich Merz (CDU) erst kürzlich Kritik am hohen Krankenstand und schlug die Abschaffung der telefonischen Krankheitstage vor. Eine neue Analyse der Krankenkasse DAK-Gesundheit zeigt, wie oft die Deutschen 2025 wirklich wegen Krankheit auf der Arbeit gefehlt haben.

Demnach waren Angestellte durchschnittlich 19,5 Kalendertage krankgemeldet - fast genauso lange wie 2024 mit 19,7 Fehltagen, wie die Kasse anhand ihrer Versichertendaten ermittelte. Hauptursachen waren Atemwegserkrankungen, psychische Leiden und Beschwerden wie Rückenschmerzen. 

Diskussion um Krankheitstage auf der Arbeit: Diese Maßnahmen werden diskutiert

Dennoch wird immer mehr Kritik an den Fehltagen laut - und auch Gegenmaßnahmen werden gefordert. Konkret stehen diese Punkte zur Debatte:

  • Bundeskanzler Friedrich Merz stellte bei einer Wahkampfveranstaltung in Baden-Württemberg die telefonische Krankschreibung in Frage. Die CDU drängt auf eine Abschaffung.
  • DAK-Chef Andreas Storm schlägt die Einführung einer Teilkrankschreibung bei bestimmten Erkrankungen vor. Gemeint ist, dass man nur für einen Teil der täglichen Arbeitszeit krankgeschrieben wird.
  • CSU-Chef Markus Söder hatte kürzlich eine frühere Krankschreibepflicht zum Beispiel schon ab dem dritten Tag befürwortet.
  • In der Debatte gab es auch bereits Forderungen aus der Wirtschaft, einen "Karenztag" einzuführen - also, dass Beschäftigte für den ersten Krankheitstag keine Lohnfortzahlung erhalten.

Auch DAK-Chef Andreas Storm drängt auf Konsequenzen. Er forderte ein Gipfeltreffen im Kanzleramt, das Arbeitgeber, Gewerkschaften, Ärzte und Krankenkassen zusammenbringen sollte. Die Analysen zeigten, dass sich der Krankenstand auf hohem Niveau stabilisiere. Daher sei eine gründliche Ursachenforschung sinnvoll und notwendig. Auch jetzt schon können Arbeitnehmer wegen Fehltagen gekündigt werden - dabei spielen jedoch mehrere Faktoren eine Rolle.

Der DAK-Auswertung zufolge blieb der Krankenstand im letzten Jahr mit 5,4 Prozent auf einem erhöhten Niveau konstant. Es waren also an jedem Tag des Jahres im Durchschnitt 54 von 1.000 Beschäftigten krankgemeldet. Für die Analyse wertete das Berliner Iges-Institut den Angaben zufolge Daten von rund 2,4 Millionen Beschäftigten aus, die bei der Kasse versichert sind.

Vorsitzender des Hausärzteverbands: "Die aktuelle Kritik basiert auf einem Märchen"

Der Vorsitzende des Hausärzteverbands, Markus Beier, sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): "Die aktuelle Kritik an der telefonischen Krankschreibung basiert auf einem Märchen, das die Arbeitgeberverbände hartnäckig verbreiten." Alle bisherigen Auswertungen der Krankenkassen würden zeigen, dass die telefonische Krankschreibung nicht zu einem höheren Missbrauch führe. "Statt strukturelle Versäumnisse anzugehen, liefern die Arbeitgeber lieber eine scheinbar schnelle Lösung, ohne jede belastbare Grundlage."

Auch der Gesundheitsökonom Heinz Rothgang von der Universität Bremen übte Kritik und sagte gegenüber dem mdr: "Mit dieser Äußerung werden Menschen, die krank sind, sehr stark an den Pranger gestellt. Die Ärzteschaft wird auch mit Misstrauen überzogen, ich halte das insgesamt nicht für eine gute Idee." Zudem hätten sich die Krankmeldungen in den vergangenen Jahren kaum verändert. Daran habe auch die [telefonische] Krankschreibung nichts geändert, betont der Gesundheitsökonom.

Kassenärzteverband-Chef Andreas Gassen hingegen äußert wie auch Kanzler Merz Kritik an der telefonischem Krankschreibung. Diese lade "natürlich" zum Missbrauch ein, betonte er im Gespräch mit dem Tagesspiegel. "Am Telefon kann doch niemand zuverlässig beurteilen, ob jemand wirklich arbeitsunfähig ist oder nicht", sagte der Kassenärzteverband-Chef.

Arbeitnehmer mit 19,5 Fehltagen: Das waren die häufigsten Ursachen

Merz hatte einen aus seiner Sicht zu hohen Krankenstand kritisiert und die Möglichkeit infrage gestellt, bei leichteren Erkrankungen auch telefonisch und ohne Praxisbesuch eine Krankschreibung zu bekommen. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kündigte an, die Regelung zu überprüfen. In Deutschland gibt es übrigens einige Unternehmen, die Prämien zahlen, wenn die Arbeitgeber keine Fehltage vorweisen können.

Union und SPD hätten sich im Koalitionsvertrag verständigt, Missbrauch auszuschließen, sagte sie dem Tagesspiegel. "Genau das werden wir angehen und die aktuellen Regelungen auf den Prüfstand stellen. Wir brauchen praktikable Lösungen." Der Kanzler hatte davon gesprochen, dass Beschäftigte im Durchschnitt auf 14,5 Krankentage kämen. "Das sind fast drei Wochen, in denen die Menschen in Deutschland aus Krankheitsgründen nicht arbeiten. Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?"

Ursache Nummer eins für die Krankschreibungen blieben im letzten Jahr Atemwegserkrankungen wie Erkältungen und Infekte mit 378,3 Fehltagen je 100 Versicherte nach 381,7 Fehltagen 2024. Auf Platz zwei lagen nun psychische Erkrankungen wie Depressionen, die von 341,8 Fehltagen je 100 Versicherte auf 365,5 Fehltage zunahmen. Es folgten Muskel-Skelett-Beschwerden etwa am Rücken, die mit 346,9 Fehltagen je 100 Versicherte stabil blieben. Nach Berufen betrachtet, gab es im Gesundheitswesen mit durchschnittlich 22,5 Fehltagen die häufigsten Ausfälle - und am seltensten in der Datenverarbeitung mit durchschnittlich 12,6 Tagen.

Arbeitnehmer unter Generalverdacht? Deutscher Gewerkschaftsbund kritisiert Merz

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts, die auf Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit zurückgehen, waren Beschäftigte 2024 im Durchschnitt 14,8 Arbeitstage krankgemeldet, also Werktage. Die DAK-Daten beziehen sich auf Kalendertage.

Bei Berechnungen zum Krankenstand generell nicht erfasst ist, wenn Beschäftigte nur ein oder zwei Tage fehlen, ohne zum Arzt oder einer Ärztin zu gehen. Nach aktueller Rechtslage müssen Arbeitnehmer eine Bescheinigung dann vorlegen, wenn sie länger als drei Kalendertage arbeitsunfähig sind, also am vierten Tag. Der Arbeitgeber darf sie aber auch schon früher verlangen.

Die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Yasmin Fahimi nannte es "inzwischen hoch unanständig, in welchem Ausmaß krankgemeldete Beschäftigte unter den Generalverdacht gestellt werden, sie wären Drückeberger und Faulenzer." Nachgewiesen sei, dass viele krank zur Arbeit gingen - auch wegen Angst um ihren Arbeitsplatz. DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel warnte: "Es gibt nicht mehr wirtschaftliches Wachstum, wenn Leute verschnupft oder erkältet bei der Arbeit sind. Das Einzige, was da Wachstum zeigt, sind die Bakterien am Nachbartisch und in der Belegschaft."

Ein Redakteur hat diesen Artikel unter der teilweisen Verwendung eines KI-Sprachmodells verfasst und/oder optimiert. Sämtliche Informationen wurden sorgfältig geprüft.

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