In Deutschland müssen die Menschen viel Geld an den Staat zahlen. Ob Lohnsteuer, Mehrwertsteuer, Kfz-Steuer, Erbschafts- oder Grundsteuer. Die Liste für die verpflichtenden Abgaben ist lang. Laut dem Bundesministerium für Finanzen gibt es insgesamt fast 40 Steuerarten. Doch von einer Steuer kann man sich befreien lassen - von der Kirchensteuer.

Laut dem Handelsblatt gehörten noch Ende 2024 rund 37,8 Millionen Menschen in Deutschland einer der beiden christlichen Kirchen an. Etwa 18 Millionen davon sind evangelisch, 19,8 Millionen sind katholisch. Diese Mitglieder zahlen jährlich mehrere Milliarden Euro an Steuern. 

Wie kommt es zu den Kirchensteuern?

Grundsätzlich richtet sich die Kirchensteuer immer nach dem jeweiligen Wohnort. Bayern, wie auch Baden-Württemberg kommen auf acht Prozent der festgesetzten  Einkommenssteuer. Die restlichen Bundesländer liegen bei neun Prozent. 

Wer sich diese Abgaben sparen möchte, der muss aus der Kirche austreten. Und das tun immer mehr Menschen in Deutschland. Ende 2023 waren es, laut der Zahlen der evangelischen Kirche (EKD) und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK), immerhin eine Million Mitglieder weniger. 

Wichtig: Es gibt auch Sonderfälle für die Kirchensteuer. Hier wird dann vom sogenannten Kirchgeld gesprochen.  Nach der Definition handelt es sich um eine Form der Kirchensteuer. Hierbei zahlen die Mitglieder von Religionsgemeinschaften (meist evangelisch in Bayern/Baden-Württemberg) einen örtlichen Beitrag direkt an ihre Kirchengemeinde. Das gilt als eine steuerliche Pflichtabgabe zur Finanzierung lokaler Aufgaben. Unterschieden wird noch in allgemeines Kirchgeld und das besondere Kirchgeld bei konfessionsverschiedenen Ehen. 

  • Allgemeines Kirchgeld oder Ortskirchensteuer wird oft jährlich erhoben. Es wird fällig von volljährigen Mitgliedern mit eigenem Einkommen.
  • Besonderes Kirchgeld kommt bei glaubensverschiedenen Ehen zum Tragen. Heißt: Wenn ein Partner in der Kirche ist, der andere nicht (konfessionsverschiedene Ehe), und der Kirchenmitglied-Partner weniger verdient, wird dieses Kirchgeld erhoben. Es basiert auf der gemeinsamen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.

Was muss ich an Kirchensteuern zahlen? Eine Beispielrechnung

Für einen kleinen Überblick über einen möglichen Betrag, den man durch einen Austritt aus der Kirche und das Streichen der Kirchensteuer einsparen kann, gibt das Handelsblatt ein Rechenbeispiel:

  • Ledige Person mit Steuerklasse I
  • Durchschnittliches Gehalt von 4.346 Euro brutto im Monat

Diese Person hätte in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2024 rund 58 Euro Kirchensteuer im Monat zahlen müssen. Im Jahr wären das 690 Euro. 

 Keine Kirchensteuer mehr - aber was fällt dann alles weg?

Wichtig: Wer sich die Kirchensteuer sparen möchte und aus der Kirche ausgetreten ist, der kann dennoch weiter Gottesdienste besuchen. Verzichten muss man aber laut der Website kirchensteuer-wirkt.de , einem Angebot evangelischer Landeskirchen, auf einige Angebote:

  • Verlust des Anspruchs auf eine kirchliche Hochzeit
  • Man kann nicht mehr Taufpate werden
  • Verlust der Möglichkeit einer kirchlichen Beerdigung

Wie das Handelsblatt dazu schreibt, kann ein Austritt aus der Kirche auch dazu führen, dass sich "die Jobchancen von Ärzten, Krankenschwestern, Pädagogen und Sozialarbeitern verringern". Das gilt laut Bericht besonders "für Bewerbungen bei kirchlichen Trägern, bei denen das Dienstverhältnis an eine kirchliche Mitgliedschaft gebunden ist". Hier können grundsätzlich Kirchenmitglieder bei der Stellenvergabe bevorzugt werden und Nichtmitglieder sogar ausgeschlossen werden.