Bis Mitte 2026 sollen konkrete Maßnahmen zur Rente vorliegen. Eine von der Bundesregierung eingesetzte Kommission soll im Rahmen des Ende 2025 beschlossenen Rentenpakets für entscheidende Impulse sorgen. Dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) ist das zu wenig.
In einer Stellungnahme kritisiert die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi die "permanenten Krisen- und Verzichtserzählung in der Rentendebatte". Mit einer eigenen Rentenkommission möchte sie einen Gegenpol dazu schaffen.
Was hat der Gewerkschaftsbund bei der Rente vor?
DGB-Chefin Yasmin Fahimi: "Wir wollen Sicherheit geben, Orientierung schaffen und mit einem eigenen, überzeugenden Zukunftskonzept einen Gegenpol setzen zur permanenten Krisen- und Verzichtserzählung in der Rentendebatte."
Rentenpolitik ist für Fahimi "eine Vertrauensfrage". Und dabei müsse in ihren Augen "eine starke gesetzliche Rente das Fundament des Sozialstaats" bleiben.
Wie sieht der DGB das aktuelle Rentensystem?
Bereits im Mai 2025 hatte sich der Deutsche Gewerkschaftsbund zu den Plänen rund um die Rente geäußert. Und schon damals setze man vom Grundsatz her auf das bestehende System: "Gerade für junge Menschen sind ein stabiles Rentenniveau und ein erreichbares Rentenalter wichtig, damit sie Sicherheit haben und für ihr Alter planen können. Wir müssen stattdessen darüber reden, wie gerecht wir die Kosten für die Alterssicherung verteilen."
Gegenüber inFranken.de erklärte Anja Piel, DGB-Vorstandsmitglied: "Gut, dass die Koalition den Absturz des Rentenniveaus stoppen und es bis 2031 stabil halten will. Eine Studie der HTW Berlin zeigt, dass ein stabiles Rentenniveau für alle Generationen mehr Rente pro gezahltem Beitrag bringt. Das ist gerecht. Im Gegensatz dazu ist der von der Union geforderte Nachhaltigkeitsfaktor ungerecht. Gut ist auch, dass eine Rentenkommission die angemessene Höhe der Rente klären soll. "
Und Piel verteidigte das Rentensystem: "Die gesetzliche Rente sorgt mit ihrem solidarischen Umlagesystem grundsätzlich für Gerechtigkeit. Verbesserungsbedürftig sind Finanzierung, Leistungen und sozialer Ausgleich: Gerechter wäre, wenn der Bund alle gesamtgesellschaftlichen Aufgaben komplett selbst bezahlt."
Welche weiteren Themen sind für 2026 wichtig für den DGB?
Von der DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi wurden in der Stellugnahme neben der Rente noch weiter Themen angesprochen. Fahimi betonte: "Was wir jetzt brauchen, sind keine dystopischen Zuspitzungen und keine nostalgischen Rückblicke, sondern klare Prioritäten und mutige Entscheidungen für die Zukunft."
Sie ist sich dabei sicher, dass Deutschland rasch wieder auf einen erfolgreichen Kurs kommen könne, "wenn Wachstum, Beschäftigung und gesellschaftlicher Zusammenhalt konsequent in den Mittelpunkt der Wirtschaftspolitik gestellt würden". Es brauche ein "Paket für gute Löhne, gute Arbeit und ein gutes Leben."
Ihr Vorwurf an die Bundesregierung ist, dass man sich "in Nebenschauplätzen" verlieren würde. Fahimi: "Deregulierung auf Kosten der Beschäftigten ist kein Zukunftsprogramm. Sie schwächt den Zusammenhalt, untergräbt das Vertrauen in den Staat und gefährdet die Kaufkraft". Zu der Debatte um Lohnfortzahlung bei Krankheit, längere Arbeitszeiten oder ein höheres Rentenalter erklärte sie: "Nichts davon hilft, die Auftragslage in der Wirtschaft zu verbessern und die Auftragsbücher wieder zu füllen. Nichts davon schafft Zukunftssicherheit für Beschäftigte."
Was fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund für 2026
- Für 2026 fordert der DGB einen starken Sozialstaat ohne Kürzungen
- Bessere Arbeitsbedingungen
- Mehr Tarifbindung
- Gerechtere Steuerpolitik
- Wettbewerbsfähige Strompreise
- Gerechtere Verteilung von Lasten
Mit Blick auf diese Forderungen ist damit zu rechnen das es nicht nur in der schwarz-roten Koalition, sondern auch in Wirtschaft und Gesellschaft Spannungen geben wird. Und von Fahimi wird dann auch gleich für eine Lockerung der rechtlichen Vorgaben für den Acht-Stunden-Tag eine rote Linie gezogen: "Dann gibt es von uns nur Konflikt." Zuletzt hatte Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger erneut seine Position dazu bekräftigt. Dulger setzte sich in der Vergangenheit immer wieder für eine auflösung des Achtstunden-Tag ein und für mehr Flexibilität bei der Wochenarbeitszeit.