Bei der Diskussion um die finanzielle Krise der Krankenkassen werden immer wieder auch die immensen Kosten der Verwaltung angeführt. Jetzt hat sich Hausärzte-Chef Markus Blumenthal-Beier zu Wort gemeldet und erklärt, dass 90 Krankenkassen in Deutschland einfach zu viel sind für das wackelige System. 

Gegenüber der Rheinischen Post sagte er, die Kassen müssten ihre Verwaltungskosten "dringend halbieren": "Es wird Zeit, dass die Kassen endlich den Rotstift bei sich selbst ansetzen, statt immer nur bei der Versorgung ihrer Versicherten."

Anzahl der Krankenkassen schon länger in der Diskussion 

Die Anzahl der gesetzlichen Krankenkassen ist nicht erst seit gestern ein Thema. Durch die angespannte Lage gab es bereits im Juli 2025 Aussagen dazu. Damals ging es darum, dass mit dem Kostendruck rund 60 Kassen vor dem Aus stehen könnten. 

Im Raum stand zu diesem Zeitpunkt auch die Annahme von Gesundheitsökonom David Matusiewicz, dass es in absehbarer Zeit tatsächlich nur noch 30 Krankenkassen geben wird. Aktuell gibt es 90 gesetzliche Anbieter in Deutschland. 

Der Spitzenverband der Krankenkassen GKV hatte sich dazu gegenüber inFranken.de zurückhaltend geäußert. GKV: "Ob und ggf. in welchem Ausmaß dies dazu führt, dass sich die Zahl der Kassen etwa durch weitere Fusionen reduziert, darüber können wir keine seriöse Einschätzung abgeben."

Hausärzte-Chef mit provokanter Aufforderung an die Krankenkassen

Für den Hausärzte-Chef ist das Streichen einiger Krankenkassen grundlegend erforderlich. Provokant gibt Blumenthal-Beier dazu im RP-Gespräch eine Aufforderung an die Kassen: "Die Krankenkassen können ja mal ihre Mitglieder fragen, wofür sie ihre Beiträge lieber zahlen: dafür, dass sie auch in Zukunft noch eine Hausarztpraxis finden, oder dafür, 90 Kassen zu finanzieren"

Unterstützung bekommt er durch den Sozialverband Deutschland (SoVD) und den Sozialverband VdK. Beide Verbände haben sich ebenfalls in der RP zu Wort gemeldet: VdK-Präsidentin Verena Bentele sieht unnötige Doppelstrukturen. Es würden erhebliche Beitragsmittel in der Verwaltung gebunden werden. Hier gehe es um Milliardenbeträge.

  • VdK-Präsidentin Bentele: "Es ist nicht mehr vermittelbar, dass wir uns in Deutschland ein System aus über 90 gesetzlichen Krankenkassen leisten."
  • SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier spricht sich auch dafür aus, die Verwaltungsstruktur kritisch zu hinterfragen. Dazu gehöre demnach auch die Frage, ob eine Vielzahl von Krankenkassen mit eigenen Verwaltungen noch zeitgemäß ist.

Laut der SoVD-Chefin können unterschiedliche Angebote und Strukturen nur dann sinnvoll sein, wenn sie zu besseren Leistungen für Versicherte führen und Effizienz fördern.

GKV-Spitzenverband bezieht bei inFranken.de Stellung zur Kritik

Auf Nachfrage von inFranken.de hat sich auch der Spitzenverband der Krankenkassen GKV zu den Aussagen von Hausärzte-Chef Markus Blumenthal-Beier geäußert. Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes: "Selbstverständlich müssen auch wir immer wieder hinterfragen, wo wir besser und effizienter arbeiten können. Weil wir das machen, sind die Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenkassen insgesamt wirklich günstig."

Während bei den gesetzlichen Krankenkassen von einem Euro lediglich vier Cent für Verwaltung ausgegeben werden, sind es laut Blatt bei der privaten Krankenversicherung mit zirka  zehn Cent rund zweieinhalbmal so viel. Blatt: "Stand heute sind die gesetzlichen Krankenkassen das gute Beispiel dafür, wie Versorgung und Verwaltung schlank organisiert werden."

Der GKV weist in seiner Antwort auch darauf hin, dass es von weit über tausend Krankenkassen in den 90er Jahren heute nur noch 93 übrig sind. Blatt: "Wenn alle Bereiche in unserem Gesundheitssystem so veränderungsbereit wären wir die Krankenkassen, wären viele Probleme sicherlich längst gelöst. "

Krankenkassen haben bereits viele Sparmaßnahmen laut GKV-Chef

GKV-Chef Blatt erklärt zudem, dass viele von den Sparmaßnahmen, die jetzt gefordert werden, für gesetzliche Krankenkassen längst gelten würden.

Blatt: "Für das Jahr 2026 wurde mit dem Sparpaket aus dem Herbst 2025 bereits ein Verwaltungskostendeckel für die gesetzlichen Krankenkassen eingeführt, mit dem die Krankenkassen bereits heute einen Sparbeitrag in Höhe von 100 Millionen Euro leisten."