Die Alkoholsteuer (ehemals Branntweinsteuer) ist eine Verbrauchssteuer, die bei Herstellung oder Einfuhr von Spirituosen anfällt, wobei der Regelsatz 1.303 EUR pro Hektoliter reinen Alkohols beträgt.
- Höhe Alkoholsteuer: Der Regelsteuersatz für Spirituosen beträgt 1.303 Euro je 100 Liter (1 hl) reinem Alkohol.
- Steuer auf Bier: Berechnung nach nach dem Stammwürzegehalt (Grad Plato). Sie liegt bei 0,787 Euro je Hektoliter und Grad Plato.
- Wein ist eine Ausnahme: Hier gibt es keine spezielle Verbrauchsteuer.
Die gesundheitspolitischen Sprecher der Unions- sowie der SPD-Bundestagsfraktion, Simone Borchardt und Christos Pantazis haben entsprechende Überlegungen dazu bereits im Oktober 2025 dargestellt. Borchardt erklärte gegenüber dem Fachdienst "Tagesspiegel Background": "Eine risikogerechte Besteuerung von Tabakprodukten ist überfällig."
Der Vorstandsvorsitzende und Wissenschaftliche Vorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) Michael Baumann stellte in einer Gesprächsrunde im vergangenen Jahr klar fest, dass Rauchen weiterhin „der bedeutsamste vermeidbare Risikofaktor“ für Krebs sei. Raucher könnten demnach bald mitzahlen für die Krise der Kassen.
Spitzenverband der Krankenkassen fordert Veränderungen - Steuer ein Weg
Auch beim Spitzenverband Bund der Krankenkassen GKV hat man immer wieder auf ein solches Instrument zur Finanz-Hilfe für die Kassen hingewiesen. GKV-Chef Oliver Blatt erklärte bereits 2025 dazu: "An zwei Punkten sollte man aber über eine Änderung diskutieren. Wieso gehen Abgaben auf Alkohol und Tabak nicht wenigstens teilweise auch an die gesetzliche Krankenversicherung? Bei Rauchen und Alkohol weiß jeder Konsument, was er tut."
Beim Verband der Ersatzkassen (vdek) unterstützt man solche Ansätze. Gegenüber inFranken.de heißt dazu: "Wir teilen die Position des Vorstandsvorsitzenden des GKV-Spitzenverbandes und Teilen der Koalition in Bezug auf die Tabaksteuer, um damit zum Beispiel Prävention und gesundheitsbewusstes Verhalten in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu fördern." Einige Zahlen könnten für solche Pläne sprechen:
- 30,3 Milliarden Euro jährlich für die Folgekosten durch Rauchen und Passivrauchen.
- Dazu 66,9 Milliarden Euro durch indirekte Kosten durch Arbeitsunfähigkeit, Erwerbsminderungen und frühere Todesfälle
Hilfe für Krankenkassen? GKV ordnet die Forderung der DAK-Gesundheit ein
Beim Spitzenverband hat man sich auch jetzt wieder zu dem erneuten Vorstoß der DAK-Gesundheit gegenüber inFranken.de geäußert. Man sieht, dass die "Diskussion über die Ausgestaltung der Verbrauchsteuern auf Tabak und Alkohol aktuell an Dynamik gewinnt".
Der GKV erklärt: "Der Vorstoß der DAK ist ein konstruktiver Beitrag zur laufenden gesundheitspolitischen Debatte, da er sowohl die Prävention als auch die erheblichen gesellschaftlichen Folgekosten von Tabak und Alkoholkonsum erneut ins öffentliche Bewusstsein rückt."
Außerdem weist der Verband darauf hin, dass man in früheren Positionierungen immer wieder betont, "dass in Deutschland insbesondere bei der strukturorientierten Suchtprävention deutlicher Nachholbedarf besteht". GKV: "Dazu zählen Fragen der Verfügbarkeit, Bewerbung und Besteuerung von Tabak und Nikotinprodukten sowie Alkohol."
Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen sieht in der Erhöhung der Steuern auch keine neuen Geldquellen für die Kassen: "Es geht angesichts der angespannten Finanzlage nicht um die Erschließung neuer Einnahmequellen, sondern um wirksame Strukturreformen, die die hochdynamische Ausgabenentwicklung wieder in ein Gleichgewicht mit den Einnahmen bringen".
Ärzte-Chef will auch höhere Steuer auf Zucker
Ende des Jahres 2025, im Dezember, ging dann auch der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, in die Offensive. Neben einer höheren Steuer auf Tabak und Alkohol, nahm er noch den Zucker mit dazu.
Der Rheinischen Post erklärte zu seiner Forderung: "Es gibt Wege, Einnahmen gezielt zu erhöhen: Wir brauchen endlich eine Zuckersteuer wie in skandinavischen Ländern." Und auch für ihn ist klar, dass diese Einnahmen dann zweckgebunden in das Gesundheitswesen fließen müssen. Sie dürften demnach "nicht wie bisher im Bundeshaushalt versickern".
Laut Gassen wären zwei Euro Steuern mehr pro Zigarettenpackung "ein guter Anfang". Rund sieben Milliarden Euro im Jahr könnte das bringen.
Kommission muss Vorschläge bis Mitte März 2026 erarbeiten
Bis Mitte März soll eine extra durch die Gesundheitsministerin eingesetzte Expertenkommission Vorschläge zur Stabilisierung der Krankenkassen vorlegen. Bis zum Jahresende sollen weitergehende Reformvorschläge folgen.
Für DAK-Chef Andreas Storm ist die Arbeit der Kommission "eine große Chance für einen Neustart in der Gesundheitspolitik". Der dpa sagte er, dass der Neustart durch eine "Konzertierte Aktion" zur Konsensfindung begleitet werden sollte.
Nach einer Projektion des Berliner Iges-Instituts im Auftrag der DAK sind für 2027 bei den gesetzlichen Kassen allein wegen eines weiteren Ausgabenwachstums Mehrbelastungen von 6,8 Milliarden Euro zu erwarten.