Ein Überschuss von 3,5 Milliarden Euro für das Jahr 2025 klingt gut. Für den Spitzenverband Bund der Krankenkassen GKV ist das aber noch lange kein Grund, eine Entwarnung für die Krise der Krankenkassen zu geben. "Null Grund" sieht dafür Oliver Blatt, GKV-Vorstandsvorsitzender im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ).
Zu deutlich ist weiterhin der Unterschied zwischen den Einnahmen und den Ausgaben. Den Angaben der GKV zufolge sind die Gesamtausgaben im letzten Jahr nochmals um 7,8 Prozent von 327 auf 352 Milliarden Euro gestiegen.
Stabile Beiträge sind unrealistisch bei der finanziellen Notlage
Bereits Ende 2025 gab es viel Unverständnis dafür, dass die Bundesregierung über stabile Beiträge der Krankenkassen gesprochen hatte. Beim Verband der Ersatzkassen (vdek) konnte man den Optimismus der Bundesfinanzministerin Nina Warken nicht richtig nachvollziehen.
Gegenüber inFranken.de erklärte vdek-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner damals: "Die Politik darf die Finanzsituation nicht schönreden. Viele Krankenkassen werden Anfang 2026 erneut ihre Zusatzbeitragssätze erhöhen müssen."
Ein Umstand, den auch jetzt wieder Oliver Blatt bei seinen Ausführungen vorbringt. Der GKV-Chef verweist auf die Tatsache, dass etliche Krankenkassen aufgrund der aufgebrauchten Reserven eben schon im Laufe des letzten Jahres ihre Beiträge erhöhen mussten - und dies zum Jahreswechsel erneut passierte. Die Anhebung der Zusatzbeitragssätze sei dann um durchschnittlich einen Prozentpunkt auf 3,13 Prozent gestiegen.
Eine Absenkung der Beiträge ist nicht möglich für die Krankenkassen
Blatt gegenüber der NOZ: "Dass dieser gesenkt werden kann, ist derzeit illusorisch. Im Gegenteil: Er warnte davor, dass ein Großteil der Kassen spätestens zum nächsten Jahreswechsel die Beiträge abermals anheben müsste, wenn in diesem Jahr keine wirksamen Strukturreformen beschlossen würden, um den Ausgabenanstieg zu drosseln."
Sparpotenzial läge laut Blatt "insbesondere bei Kliniken, bei der Abschaffung der teilweisen Doppelfinanzierung von Arztterminen sowie bei Arzneimitteln".
Mit Blick auf die hohen Zusatzbeiträge erklärte der Chef der Techniker Krankenkasse (TK) bereits 2025 sein Unverständnis über die von der Bundesregierung kommunizierten 2,9 Prozent. Jens Baas bezeichnete diese Angaben im Handelsblatt als "Kommunikationskniff". Die Tatsache, dass die Beiträge grundsätzlich schon 2025 viel höher waren erklärte die TK auf Nachfrage von inFranken.de als "in der Tat keine neue Information".
- Laut GKV deckt ein durchschnittlicher Zusatzbeitragssatz von 2,9 Prozent die kassenspezifischen Finanzbedarfe für den gesetzlich geforderten Aufbau der Mindestreserven nicht ab. "Es ist davon auszugehen, dass für die weitere Auffüllung der Reserven ein zusätzlicher Finanzbedarf von mindestens 0,1 Beitragssatzpunkten besteht, der sich in entsprechend höheren Zusatzbeitragssätzen niederschlagen wird".