Seit jeher heißt es: "Handwerk hat goldenen Boden". Wer heutzutage einen Handwerker braucht, muss nicht selten wochenlang auf einen Termin warten. Die Nachfrage ist groß, das Angebot klein. In den letzten Jahren haben Handwerksberufe an Ansehen eingebüßt. Körperliche Arbeit, wenig Geld, lange Arbeitstage - das Image ist nicht gerade das beste. 

Schulabgänger wollten und sollten studieren, als Influencer durchsteigen oder mit Start-ups schnell das große Geld verdienen. Doch auf jeden Trend folgt ein Gegentrend. Die KI-Bewegung kostet jetzt schon zahlreichen Arbeitnehmern ihre (Büro-)Jobs - Tendenz steigend.

Im KI-Zeitalter: Warum das Handwerk der heimliche Gewinner ist

Einfache Programmieraufgaben, Verwaltungs- und Assistenzjobs können von KI-Systemen übernommen werden. Nun richten vor allem viele junge Menschen ihren Blick doch wieder auf klassische Handwerksberufe. 

Der niederländische Ökonom Jona van Loenen äußerte sich zu den entsprechenden Entwicklungen in einem Interview in der belgischen Zeitschrift Knack. "Menschen, die mit den Händen arbeiten, sind die Reichen der Zukunft", so von Loenen. Denn die Jobs von Hochschulabsolventen könnten künftig mehr und mehr durch neue Technologien ersetzt oder gar abgeschafft werden. 

Auch die Technologie-Expertin Stella Luna de Maria sieht Handwerksberufe als die klaren Gewinner des KI-Zeitalters. "Künstliche Intelligenz kann keine Rohrleitungen reparieren", sagt sie im Interview mit dem spanischen Radiosender Cope nach Angaben des Focus. Doch das heißt nicht, dass sich das Handwerk nicht auch durch Künstliche Intelligenz verändern wird. 

Innovationen im Handwerk treiben Jobs voran - anstatt sie einzudämpfen

Prozesse können vereinfacht werden, Angebote oder Rechnungen KI-gestützt generiert, Berechnungen automatisiert werden. Es bleibt mehr Zeit für das Handwerk an sich. Vor allem junge Menschen haben die Chancen erkannt.

Seit 2023 steigt die Anzahl der Ausbildungsverträge an, wie beispielsweise Rainer Reichhold, Handwerk-BW-Präsident, Mitte März 2026 in einer entsprechenden Mitteilung darlegt. Vor allem der Anteil an jungen Frauen im Handwerk wächst. "Dass sich immer mehr junge Frauen für eine Ausbildung im Handwerk entscheiden, ist ein gutes Signal", so Reichhold.

Ob Baubranche, Maler, Lackierer, Maurer, Schreiner, aber auch Bäcker und Metzger - das Handwerk wächst wieder. "Lange unterschätzte Berufe gewinnen wieder an Bedeutung und Einkommen", so de Maria.

Junge Menschen wollen wieder ins Handwerk: Seit 2023 mehr und mehr Azubis 

Was dem Ganzen in die Hände spielt, so de Maria weiter, ist, dass Untersuchungen zeigen, dass zahlreiche sogenannte Knowledge Worker in Büros und Co. absichtlich Wissen und Fähigkeiten gegenüber Kolleginnen und Kollegen zurückhalten, um ihre eigene Position im Unternehmen zu stärken. 

Doch wo Wissen und Fähigkeiten nicht geteilt werden, kann keine Entwicklung stattfinden, was Innovationen und Weiterbildung in Unternehmen negativ beeinflussen wird. Dass Handwerk erfolgreich sein kann und Anerkennung bekommt, zeigt etwa der Metzgercup 2026, bei dem allein aus Franken 54 Metzgereien für ihre Leistungen ausgezeichnet wurden.