• Die Deutschen trinken zwar weniger Alkohol, aber immer noch reichlich
  • Ist Alkohol in Deutschland zu preiswert?
  • Die Krankheitsbilanz von Alkohol ist bedrückend
  • Sind höhere Preise für Alkohol die Lösung?

Bier, Wein und Spirituosen sind in Deutschland verhältnismäßig günstig. Weniger zahlen die Menschen in der EU lediglich in Italien. Der Konsum ging zuletzt zurück – ein Trend, der sich im "Dry January" fortsetzen könnte. inFranken.de analysiert die Zahlen des Statistischen Bundesamtes aus Wiesbaden und sagt, warum vom Alkoholkonsum abzuraten ist.

Die Deutschen trinken zwar weniger Alkohol, aber immer noch reichlich

Das Statistische Bundesamt kam passend zum "Dry January" (trockener oder alkoholfreier Monat Januar) gleich mit zwei Nachrichten daher. Die gute Botschaft: Die Deutschen ab 15 Jahre trinken weniger Alkohol, der Absatz und Konsum gingen zuletzt um einen Liter auf 11,2 Liter pro Jahr zurück. Das entspricht umgerechnet 448 Gläsern Bier (0,5 Liter, Alkoholgehalt 5 % vol.). Damit zählt Deutschland aber immer noch zu den 20 Ländern mit dem weltweit höchsten Alkoholkonsum pro Kopf der Bevölkerung.

Im EU-Vergleich lag Deutschland 2022 beim Pro-Kopf-Alkoholkonsum zusammen mit Frankreich und Portugal auf dem neunten Platz. Ein Trend, der sich fortsetzen könnte und von Ärzten begrüßt wird. Erwarten sie doch positive Effekte auf die Gesundheit. 

EU-weit am meisten trinken die Rumänen – 17,1 Liter reinen Alkohol pro Kopf der Bevölkerung. Auf Platz 2 lag Lettland (14,7 Liter) und auf dem dritten Platz Tschechien (13,7 Liter). Am wenigsten Alkohol wurde in der EU in Griechenland (7,0 Liter pro Kopf), Malta (6,2 Liter pro Kopf) und Zypern (5,2 Liter pro Kopf) getrunken.

Ist Alkohol in Deutschland zu preiswert?

Die zweite Nachricht: Alkohol ist in Deutschland vergleichsweise günstig an jeder Ecke zu kaufen. Wie die Statistiker aus Wiesbaden ermittelt haben, lagen die Preise für alkoholische Getränke im Einzelhandel im Oktober 2025 um 14 % unter dem EU-Durchschnitt. Nur in Italien waren alkoholische Getränke noch günstiger.

Am teuersten ist Alkohol in Finnland. Auch in einigen unmittelbaren Nachbarstaaten Deutschlands war Alkohol vergleichsweise teuer – etwa in Dänemark (23 % teurer als im EU-Durchschnitt), Belgien (plus 13 %) und in Polen (plus 9 %).

Die Preise für alkoholfreie Getränke im Einzelhandel lagen im Oktober 2025 in Deutschland 2 % über dem Durchschnitt der EU-Staaten. Am teuersten waren alkoholfreie Getränke in Lettland. Auch in Dänemark und in den Niederlanden waren alkoholfreie Getränke deutlich teurer als im EU-Durchschnitt. In Frankreich und in Tschechien waren sie dagegen günstiger, in Italien am günstigsten.

Die Krankheitsbilanz von Alkohol ist bedrückend

Der Arzt und Fernsehjournalist Eckart von Hirschhausen hat in der Dokumentation "Die Macht des Alkohols" für die ARD das Tabu-Thema aufgegriffen. Alkohol sei die einzige Droge, für die man sich rechtfertigen müsse, wenn man sie nicht trinken will, beginnt Hirschhausen seine sehenswerte Doku zur "Volksdroge Alkohol".

Allzu lange haben wir gerne geglaubt, dass ein Glas Rotwein am Abend vor Herzinfarkt schützt und dass das Feierabendbier in Maßen nicht schädlich ist. Mit diesen Mythen ist allerdings spätestens Schluss, seitdem die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in ihrem Positionspapier zum Alkoholkonsum feststellt, dass es keinen unbedenklichen oder gar gesundheitsfördernden Konsum von Alkohol gibt. Die Experten der DGE empfehlen deshalb, auf alkoholische Getränke zu verzichten. Hirschhausen macht daraus in seiner Dokumentation: "Jeder Schluck Alkohol schadet."

Die Krankheitsbilanz von Alkohol ist bedrückend: Dabei geht es nicht nur um die Fettleber und als Folge davon die Zirrhose. Alkohol hat auch Auswirkungen auf das Herz, verursacht Demenz und sieben verschiedene Arten von Krebs. "Jeder Schluck ist potenziell krebserregend", fasst Hirschhausen seine Rechercheergebnisse zusammen. 

Sind höhere Preise für Alkohol die Lösung?

Zwar ist das Gesundheitsrisiko bei zwei Gläsern Wein oder zwei kleinen Flaschen Bier (0,33 Liter) pro Woche noch gering. Bei sieben Getränken und mehr pro Woche steigt das Krebsrisiko. Der Arzt und Fernsehjournalist stellt Alkohol, was das Krebsrisiko angeht, gleich mit Asbest und mit dem Rauchen.

Den dringenden Handlungsbedarf im Umgang mit Alkohol zeigt auch der Public Health Index des AOK-Bundesverbandes und des Deutschen Krebsforschungszentrums auf. Deutschland belegt Rang 17 von 18 untersuchten Staaten in Nord- und Zentraleuropa. Die Vorständin des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, berichtet bei der Präsentation der Ergebnisse, dass in Norwegen oder Litauen Werbung für Alkohol landesweit untersagt ist, und "wir diskutieren hierzulande noch das 'begleitete Trinken' ab 14 Jahren. Alkohol ist so erschwinglich wie in keinem anderen Land in der EU und wir lassen sogar Werbung für Spirituosen im öffentlichen Raum zu."

Dem Gesundheitssystem entstehen durch den hohen Alkoholkonsum in Deutschland Milliardenkosten. Um die überlasteten gesetzlichen Krankenversicherungen zu stabilisieren, fordert der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, in Berlin eine neue Abgabe auf Alkohol und Tabak. "Wir sprechen von einer Abgabe, die zweckgebunden erhoben werden könnte, damit die Einnahmen nicht in den Steuerhaushalt fließen, sondern direkt ins Gesundheitssystem."