Bundeskanzler Friedrich Merz plant, das Rentensystem in Deutschland neu zu gestalten. "Die gesetzliche Rentenversicherung wird bleiben. Aber sie wird eben nur ein Baustein eines neuen Gesamtversorgungsniveaus werden, in dem die private Altersvorsorge und die betriebliche Altersversorgung eine wesentlich größere Rolle spielen werden als bisher", sagte der CDU-Chef am Montagabend (2. Februar 2026) beim Neujahrsempfang der Deutschen Börse in Eschborn bei Frankfurt.

Er fügte hinzu: "Dies ist ein Paradigmenwechsel in der deutschen Altersversorgungspolitik, in der deutschen Rentenpolitik." Bei privater und betrieblicher Altersvorsorge soll die Kapitaldeckung gestärkt werden. "Dies wird auch für den Kapitalmarkt der Bundesrepublik Deutschland von dieser Seite aus einen erheblichen Wachstumsschub auslösen", sagte Merz. Es werde auch dafür sorgen, dass ein wesentlich größerer Teil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am Zuwachs des Volksvermögens partizipiert.

Rentenreform soll Vorrang haben: Drei-Säulen-Modell

Die Neugewichtung der drei Säulen - also die gesetzliche Rente sowie die private und betriebliche Altersvorsorge - soll nach den Worten von Merz noch in diesem Jahr initiiert werden. Bei den Sozialreformen insgesamt soll dies bevorzugt angegangen werden, wie Kanzleramtschef Thorsten Frei deutlich machte. "Bis zum Ende des Jahres werden wir die ersten großen Sozialreformen umgesetzt haben, und die Rente haben wir dabei priorisiert", sagte der CDU-Politiker dem Tagesspiegel.

Die Linke beschuldigt Merz, die Renten privatisieren zu wollen. "Dass Merz seine Rentenpläne auf dem Jahresempfang der Deutschen Börse ankündigt, ist kein Zufall. Der Black-Rock-Lobbyist will das Geld der Versicherten den Banken und Hedgefonds überlassen, damit diese an den Börsen zocken können", warnte Linken-Chefin Ines Schwerdtner. Wer die Alterssicherung weiter privatisiere, wolle die gesetzliche Rente aushöhlen und nehme steigende Altersarmut in Kauf.

Merz treibe die soziale Spaltung weiter voran: "Denn Millionen Menschen haben am Monatsende kein Geld übrig, um noch privat vorzusorgen." Der Grünen-Politiker Andreas Audretsch warf Merz vor, die gesetzliche Rente schwächen zu wollen. "Wenn das Rentenniveau sinkt, heißt das Altersarmut in Deutschland. Das kann keine Lösung sein", sagte er im RTL/ntv-Frühstart.

Linke, Grüne und IG Metall kritisieren Renten-Vorschlag

Auch die IG Metall erhebt schwere Vorwürfe gegen den Kanzler: "Die Aussage des Kanzlers vor den Börsianern offenbart die eigentliche Agenda hinter der Rentenkommission: Statt einer solidarischen Reform soll es um Abwertung und Abbau der gesetzlichen Rente zugunsten von Privatvorsorge gehen", kommentierte IG Metall-Sozialvorstand Hans-Jürgen Urban die Worte von Merz.

Das stärke nur die Finanzlobby und entbinde Arbeitgeber aus ihrer Verantwortung für die Altersvorsorge. Beschäftigte und gerade die junge Generation müssten verstärkt allein die Kosten für ihre Altersvorsorge tragen. "Dem werden wir entschieden entgegentreten", machte Urban deutlich.

Schaut man jedoch in Länder, die bereits eine sogenannte Aktienrente eingeführt haben, scheint die Idee dort aufzugehen. Schweden setzt auf ein Mehr-Säulen-Modell bei der Rente, bestehend aus einem Umlagesystem - ähnlich wie in Deutschland, der Betriebsrente und der sogenannten Prämienrente. Letztere ist eine Aktienrente. 2,5 Prozent des Einkommens wandert direkt in Fonds. 450 Fonds stehen frei zur Verfügung; wer nicht selbst aktiv entscheidet, investiert automatisch in den staatlichen Fond Schwedens "AP7 Safa". 

Schweden setzen bereits auf Aktienrente: "Ein bisschen smarter umgesetzt"

"Schweden und Deutschland haben beide zur Jahrtausendwende die Rente reformiert und Schweden hat es einfach ein bisschen smarter umgesetzt", resümiert Johannes Geyer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im ZDF.

Das Renteneintrittsalter ist in Schweden an die Lebenserwartung geknüpft und liegt derzeit bei 67 Jahren. Mit Abschlägen oder Zugewinnen ist ein Renteneintrittsalter zwischen 63 und 69 Jahren möglich. 

Doch auch hier gibt es Kritik: Die Märkte sind volatil, somit auch die Aktienrente. Je nachdem, fällt die Auszahlung höher oder niedriger aus. Wer keinen Betrieb hat, der Betriebsrente zahlt, geht bei dieser Säule leer aus. Johannes Geyer vom DIW ist jedoch weiterhin von der Aktienrente für Deutschland überzeugt, wie er im ZDF erläutert: "Natürlich sollte man wegen des Risikos nicht alles in die Kapitalsäule schieben. Aber wenn man einen Teil da rein schiebt und Renditen erzielt, dann müssen wir in Zukunft vielleicht den Beitragssatz weniger stark erhöhen, als wenn wir rein im bisherigen Umlagesystem bleiben".

mit dpa

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