Noch vor Weihnachten war bereits klar, dass viele Krankenkassen ihre Beiträge im Jahr 2026 erhöhen werden. Eine erste Liste dazu gab es auch. Jetzt kommen viele weitere gesetzliche Kassen hinzu. Insgesamt 43 von 93 Krankenkassen gehen mit ihren Beiträgen nach oben.
Laut Spitzenverband der Krankenkassen (GKV) geht erhöht sich der Zusatzbeitrag dabei im Durchschnitt um 0,23 Prozent. Er liegt jetzt bei 3,36. Das Informationsportal krankenkassen.de liefert eine umfangreiche, aktualisierte Liste mit Zusatzbeiträgen aller Anbieter.
Pläne für Krankenkassen reichen nicht aus. Was kritisiert der GKV-Chef?
Auch wenn die Politik noch vor dem Jahreswechsel ein kleines Sparpaket für die Kassen auf den Weg gebracht hat, haben sich die Warnungen der Experten bestätigt. Nachdem die Pläne zunächst durch die Länder blockiert wurden, warnte der Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbandes Oliver Blatt davor, dass "Beiträge der Krankenkassen zum Jahreswechsel noch stärker steigen, als sie es ohnehin müssen".
Und Blatt legte jetzt in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) nach und warnte vor der immer schlechter werdenden Finanzlage der Kassen: "Weil die Finanzierung derart auf Kante genäht ist, gehen wir davon aus, dass einzelne Pflegekassen im kommenden Jahr Liquiditätshilfen benötigen werden. Dafür gibt es zwar ein geregeltes Verfahren, doch es zeigt, wie stark der Reformbedarf ist."
Der GKV-Chef zeigt sich unzufrieden mit dem bisherigen Vorgehen der Regierung und der eingesetzten Kommission: "Das Ergebnis ist enttäuschend. Was die Arbeitsgruppe zusammengetragen hat, ist eine gute, aber längst bekannte Problembeschreibung. Nötig sind endlich politische Entscheidungen darüber, wie die Pflegeversicherung dauerhaft finanziert werden kann, ohne die Pflegebedürftigen finanziell zu überlasten. Ich habe den Eindruck, die Brisanz der Lage ist immer noch nicht allen Beteiligten klar."
Lage 2027 noch schlechter – Politik soll Kassen nicht die Schuld zu schieben
Oliver Blatt erwartet für 2027 eine noch schlechtere Ausgangslage. Blatt: "Und ab 2027 folgt dann der Hammer, weil die Kredite aufgebraucht sind und die weiter steigenden Ausgaben irgendwie bezahlt werden müssen."
Ab 2027 folgt dann der Hammer
Er rechnet dann mit einer Finanzierungslücke, die rund 0,3 Beitragssatzpunkten entspricht. Blatt: "Ohne Reformen kann die Pflegeversicherung das also gar nicht leisten." Worüber sich der GKV-Vorstandsvorsitzende auch sehr ärgert, ist die politische Diskussion, wer die Verantwortung für steigende Beiträge tragen würde.
Im RND-Interview erklärte er dazu: "Es ist völlig unangemessen, wenn die Politik jetzt versucht, den Eindruck zu erwecken, die Krankenkassen würden nicht wirtschaftlich arbeiten. Denn das ist falsch." Vielmehr würden die Ausgaben um rund acht, die Einnahmen aber nur um ca. fünf Prozent wachsen. Blatt: "Solche Steigerungsraten sind auf Dauer nicht finanzierbar. Und es war die Politik, die die Kassen gezwungen hat, ihre Rücklagen so stark abzubauen."
Wieder gibt es Forderungen nach Kürzung von Leistungen der Kassen
Als einer der Gründe für eine solche Reaktion, kann auch eine Aussage gesehen werden, wie sie auch zuletzt Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) gegenüber dem RND getätigt hat. Frei: "Klar ist auch, dass manche Leistungen entfallen müssen, um das Gesundheitssystem günstiger zu machen, was in anderen Ländern auch funktioniert."
Wieder eine Forderung nach Kürzung der Leistungen. Erst Mitte Dezember 2025 hatte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, eine deutliche Forderung gestellt. Gegenüber der Rheinischen Post erklärte er unter anderem, man müsse "Homöopathie als Kassenleistung zu streichen". Gassen: "Menschen sollen gerne Globuli und Mistel-Zweige einsetzen, wenn sie daran glauben – aber nicht zu Lasten der Beitragszahler."
Bereits Wochen zuvor veröffentlichte der CDU-Wirtschaftsrat eine konkrete Streichliste für Leistungen und sorgte damit für Unmut bei Sozialverbänden. Der Wirtschaftsrat erklärte damals dazu: "Verschiedene Leistungen lassen sich gut privat absichern oder selbst tragen und sollten nicht länger im Umlageverfahren den Beitragszahlern zur Last fallen. Dazu zählen beispielsweise generell die zahnärztlichen Leistungen, Kieferorthopädie oder Fahrtkosten für Behandlungen. Gleichzeitig sollte durch Selbstbeteiligungen das Prinzip der Eigenverantwortung auch in der Krankenversicherung gestärkt werden."
Welche Ausgaben haben die gesetzlichen Krankenkassen?
Wie steht es denn ganz konkret um die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen? Die GKV hat hierzu die aktuellsten Zahlen auf ihrer Internetseite in aufwendigen Grafiken zusammengetragen. Die Daten beziehen sich auf das Jahr 2024. Für 2025 gibt es noch keine Erkenntnisse. Die Gesamtausgaben der Kassen liegen bei 312 Milliarden Euro (2023: 289 Mrd.). Einige der einzelnen Posten haben wir zusammengefasst:
- Krankenhausbehandlungen: 102 Milliarden Euro. Im Jahr 2025 sollen es rund zehn Milliarden mehr sein.
- Ärztliche Behandlungen: 50,26 Milliarden
- Ausgaben für Medikamente
- Krankengeld: 20,55 Milliarden Euro
- Behandlungspflege und Häusliche Krankenpflege: 10,60 Milliarden Euro
- Heilmittel: 13,30 Milliarden Euro
- Zahnärztliche Behandlung (ohne Zahnersatz): 14,05 Milliarden Euro
Laut einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur sind die Ursachen für die steigenden Ausgaben der Kassen vielfältig. Die Bevölkerung wird älter und behandlungsbedürftiger, bestimmte Medikamente und neue Behandlungsmethoden sind teuer und auch im Gesundheitswesen steigen Gehälter, Energie- und Materialkosten. Außerdem ist festzustellen, dass Deutschland eine teure Krankenhauslandschaft mit vielen Häusern hat. Und es wird immer wieder über unnötige Behandlungen oder eine "Überversorgung" diskutiert.