Bei der Menge von jährlich 20 bis 24 Kilogramm Altglas pro Person in Deutschland, stellt sich immer wieder die Frage: Wohin mit Deckeln und Schraubverschlüssen auf Flaschen und Gläsern? Dürfen sie mit in den Altglascontainer oder sollte man sie vorher abschrauben und separat entsorgen? Und falls Letzteres richtig ist, in welchen Müll kommen Deckel, Verschluss und Co. dann? In den Restmüll oder besser in den gelben Sack beziehungsweise die gelbe Tonne?
Wir sind all diesen und weiteren Fragen rund um das Thema Altglasrecycling auf den Grund gegangen und haben die Antworten.
Altglas entsorgen: Deckel mit in den Glascontainer werfen?
Schraubdeckel, Korken und andere Verschlüsse von gebrauchten Flaschen und Gläsern haben im Altglascontainer streng genommen nichts zu suchen. Sie bestehen schließlich nicht aus Glas und müssen daher fachgerecht entsorgt werden. Klassische Schraubverschlüsse gehören ganz klar in die gelbe Tonne beziehungsweise den gelben Sack. Andere Verschlüsse gehören, je nach Material, entweder in den Restmüll oder in die gelbe Tonne. Dass Korken und Metallverschlüsse aber vor dem Entsorgen im Container unbedingt ab müssen, ist ein Irrtum. Übrigens: Wie du Pizza- und Getränkekartons am besten recycelst, erfährst du in diesem Artikel.
Moderne Glasaufbereitungsanlagen sind in der Lage, Verschlüsse bei der Weiterverarbeitung auszusortieren. Bleiben die Verschlüsse also dran, um etwa ein Auslaufen beim Transport oder Geruchsbildung bei der Lagerung der leeren Behältnisse zu verhindern, ist das nicht weiter problematisch. Kein Drama also, wenn du den Deckel vor dem Einwurf in den Altglascontainer nicht abschraubst. Um zu einem effizienteren Recyclingprozess beizutragen, ist es aber durchaus sinnvoll, Deckel vor der Entsorgung zu entfernen. Was in jedem Fall keine gute Idee ist: Den Deckel erst unmittelbar vor dem Einwurf abzuschrauben und auf den Container zu legen. Das sieht zum einen unschön aus, zum anderen würden die Deckel dann bei der Leerung des Containers herunterfallen und wahrscheinlich einfach auf der Straße liegen bleiben.
Auch Öko-Test hat sich der Frage "Deckel ab oder Deckel drauf" angenommen und mit mehreren kommunalen Entsorgern gesprochen. Die einstimmige Meinung: Verbraucher können den Deckel drauflassen und das Altglas mit Verschluss in die Container werfen. Die Sortieranlage trennt die Deckel von den Scherben. Das Argument, man solle die Deckel entfernen, um beim Sortiervorgang Energie zu sparen, sei dabei laut Öko-Test nicht maßgeblich.
Darum wird Altglas nach Farben sortiert
Das Altglas sollte idealerweise vor der Entsorgung grob gereinigt werden. Gründliches Spülen ist aber nicht notwendig, das würde zu viel Wasser und Energie verbrauchen. Die Scherben werden im Recyclingprozess ohnehin gereinigt. Allerdings müssen Flaschen und Glasverpackungen entleert und "löffelrein" sein, bevor sie in den Altglascontainer kommen.
Auch das richtige Sortieren des Altglases nach Farben spielt bei der fachgerechten Entsorgung und der folgenden Weiterverarbeitung eine große Rolle. Das in verschiedene Container nach Farben sortierte Glas wird im Abholfahrzeug keinesfalls wieder zusammengeworfen, sondern die Fahrzeuge verfügen über mehrere Kammern, um die verschiedenen Glasfarben voneinander getrennt zu halten. Das ist laut Verbraucherzentrale NRW insbesondere für die Neuproduktion von durchsichtigem Glas (Klarglas) wichtig. Denn dafür ist eine hohe Farbreinheit erforderlich. Schon wenige grüne, blaue oder braune Scherben können Weißglas verfärben. Übrigens: Wer Altglas entsorgen will, das weder weiß, noch braun, noch grün ist, der wirft es am besten in den Altglascontainer für Grünglas. Der Grund ist simpel: "Grünglas kann den größten Anteil an Fremdfarben aufnehmen", heißt es dazu bei Grüner Punkt. Es verträgt im Recyclingprozess also am ehesten beigemischte Farben.
Etiketten können beim Altglas, wie die Deckel, dranbleiben. Auch noch wichtig: Ist einer oder sind mehrere Glascontainer voll, ist es definitiv keine gute Idee, das Altglas auf oder neben den Sammelbehälter abzustellen. Denn hier besteht die Gefahr, dass das Altglas um- oder herunterfällt und zum Beispiel Kinder sich an den Scherben verletzen. Oder das Glas landet in der Umwelt statt beim Recycling-Unternehmen. Altglas auf oder neben den Container zu stellen kann sogar als Ordnungswidrigkeit gelten.
Wann darf Glasmüll in die Container geworfen werden?
Nicht selten landet in Glascontainern auch Glas, das dort eigentlich nicht hineingehört. Denn Glas ist nicht gleich Glas. Nur sogenanntes Verpackungsglas, das für Lebensmittel oder Flüssigkeiten gedacht war, darf im Container entsorgt werden. Nicht in den Glascontainer gehören dagegen Trink- oder Weingläser, Fensterscheiben, Spiegel, Porzellan, Keramik oder Steingut. Auch Glühbirnen oder LED-Lampen sind verboten, genauso wie hitzebeständiges Glas, also Auflaufformen und dergleichen. All diese Materialien haben nämlich andere Schmelzpunkte oder chemische Zusammensetzungen, berichtet der Bayerische Rundfunk. Die anderen Glasarten stören den Recyclingprozess und müssen daher in Anlagen, die Verpackungsglas verarbeiten, mühsam heraussortiert werden. Kaputte Gegenstände aus Glas, Keramik und Porzellan gehören also in den Restmüll.
Für das Einwerfen von Glasflaschen gibt es in vielen Gemeinden festgelegte Zeiten. Die erlaubten Zeitfenster sind unter der Woche meist auf 7 bis 20 Uhr begrenzt. An Sonn- und Feiertagen ist das Einwerfen in den meisten Kommunen verboten. Welche Regeln im Detail gelten, kann direkt an den Hinweisen auf den Glascontainern abgelesen werden. Das Einwerfen außerhalb der erlaubten Zeiten verursacht oft großen Lärm und ist daher untersagt.