Kokosöl gibt es in vielen Drogerie- oder Supermärkten, und ihm werden regelrechte "Wunderkräfte" nachgesagt. Egal ob als Zutat beim Essen oder als äußerliche Anwendung für die Haut. Kokosöl ist derzeit eine der beliebtesten Zutaten. Doch zumindest was den Verzehr angeht, tun sich erste Zweifel auf. Denn: Laut der Verbraucherzentrale in Bayern ist Kokosöl nicht gesünder als andere Öle.

Auch zu den anderen Wirkungen von Kokosöl, wie der präventiven Wirkung gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einem positiven Effekt auf die Gewichtsabnahme, gibt es bis heute keine aussagekräftige wissenschaftliche Studienlage. Es fehlen große klinische Interventions- und Beobachtungsstudien am Menschen. Gunda Backes von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) erklärt: Für eine präventive Wirkung gegen Krankheiten gebe es bisher keine ausreichende Evidenz. Ganz im Gegenteil.

Experten: "Kokosöl und Kokosfett sind kein Superfood"

Die DGE erklärt, dass der Hauptbestandteil von Kokosfett etwa zu 87 Prozent gesättigte Fettsäuren seien. Diesen stünden lediglich etwa acht Prozent ungesättigte Fettsäuren gegenüber. Nur 1,8 Prozent sind mehrfach ungesättigt. Kokosöl hat laut der DGE etwa dieselbe Zusammensetzung.

Der hohe Anteil von gesättigten Fettsäuren in Kokosöl und Kokosfett würden die Blutwerte negativ beeinflussen, schildert die Diplom-Ökotrophologin Antje Gahl von der DGE. Dadurch werde das schlechte Cholesterin erhöht und das Risiko verkalkten Arterien steige. Wie viel Kokosöl aber eine bedenkliche Wirkung innehabe, könne pauschal nicht bestimmt werden. Gahl warnt: „Kokosöl ist nicht das Öl, das wir von der DGE empfehlen würden – wegen des hohen Anteils an gesättigten Fettsäuren.“

Auch der Umstieg auf Kokosöl aufgrund des Umweltschutzes sei nicht zielführend. Es wirke sich weder positiv auf den Artenschutz, noch auf die Treibhausgasemissionen aus. Aus Umweltperspektive sei das Kokosöl bedenklich, schlussfolgert Backes. Eine Studie des WWF, die aus dem Jahr 2016 stammt, belegt, dass ein Ersatz von Palmöl durch andere tropische Öle keinen positiven Effekt auf die Umwelt habe. Die Begründung: Kokosnüsse wachsen in ökologisch ähnlich problematischen Regionen. Tauscht man also das Palmöl gegen Kokosöl, könnte sich die Lage sogar verschlimmern.

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Kokosöl kann als Ergänzung in der Küche glänzen

Dennoch haben manche Studien auch einen positiven Effekt auf den Fettsoffwechsel bei der Verwendung von Kokosfett ausmachen können. Auch das merkt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung an. Der Grund dafür seien die „mittelkettigen“ Fettsäuren. Deren Anteil im Kokosfett liege bei etwa 14 Prozent. Den größten Anteil daran wiederum hat wohl die Laurinsäure. Mittelkettige Fettsäuren kann der Körper deutlich schneller aufnehmen und dadurch leichter verdauen.

Diplom-Ökotrophologe Harald Seitz vom Bundeszentrum für Ernährung resümiert: Mit seinem hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren sollte man Kokosöl eher meiden. Theoretisch bestehe die Möglichkeit, dass die mittelkettigen Fettsäuren einen wünschenswerten Effekt haben, dies sei jedoch nicht wissenschaftlich gesichert. Außerdem sei auch der Anteil von mittelkettigen Fettsäuren bei Kokosöl eher gering. Geht es um die Zubereitung von Speisen, dann ist Antje Gahl von der DGE überzeugt, dass Kokosöl auf keinen Fall das einzige Fett in der Küche sein sollte. Als Alternative sei das Kokosöl jedoch eine lohnenswerte Ergänzung.

Äußerliche Anwendung von Kokosöl

Deutlich positiver fällt das Urteil bei der äußerlichen Anwendung von Kokosöl auf der Haut aus. Es enthält nämlich zahlreiche Mineralien, Antioxidantien und Vitamine. Dadurch kann Kokosöl Falten vorbeugen und sie sogar verringern. Selbst Pickeln und Akne soll mit Kokosöl beizukommen sein. Das liege an seiner antibakteriellen Wirkung. Zudem spende Kokosöl der Haut Feuchtigkeit, lindere Entzündungen im Gesicht und trage dazu bei, dass die Haut sich weich anfühle, wie die Kollegen von Utopia berichten.