• Stummer Herzinfarkt genauso gefährlich wie klassischer Infarkt
  • Was sind die Symptome eines Herzinfarktes und wer ist gefährdet?
  • Studie: Fast jeder zweite Herzinfarkt bleibt unerkannt
  • Wie kann das Risiko gesenkt werden?

Probleme mit dem Herzen enden oft tödlich. In Deutschland gehören Herzerkrankungen zu den häufigsten Todesursachen. Rund 40 Prozent aller deutschen Sterbefälle sind auf chronisch ischämische Herzkrankheiten zurückzuführen (also Kalkablagerungen, die die Gefäße verengen). Etwa 300.000 Deutsche erleiden jedes Jahr einen Herzinfarkt, wie die Deutsche Herzstiftung mitteilt. Bei einem Infarkt besteht sofort akute Lebensgefahr – doch was, wenn man nicht einmal weiß, in welcher Gefahr man schwebt? Forscher gehen davon aus, dass fast zwei Drittel der Herzinfarkte subklinisch verlaufen und in der medizinischen Routineuntersuchung übersehen werden.

Stummer Herzinfarkt: Bei diesen Symptomen wird es ernst

Doch worin äußert sich ein stummer Infarkt? Eine großangelegte Kohortenstudie aus dem Jahr 2016 untersuchte mehr als 9000 Menschen über mehrere Jahre hinweg. Nach fast einer Dekade hatten 703 Proband*innen einen Herzinfarkt erlitten. Dabei wurde nur jeder zweite Infarkt auch aktenkundig. Das Problem: Die Symptome eines stummen Herzinfarktes sind nur sehr schwach ausgeprägt. Trotzdem können die Folgen gravierend sein.  Die Deutsche Herzstiftung warnt vor folgenden Symptomen und empfiehlt eine ärztliche Untersuchung:

  • Schmerzen und Druckgefühl im Brustkorb
  • Atemnot
  • Übelkeit
  • Abgeschlagenheit
  • Schwindelgefühl

Herzinfarkt ohne Symptom: Warum bleiben viele Verläufe unerkannt? 

Wenn Mediziner solche stillen Infarkte diagnostizieren, sind häufig Wochen, Monate oder sogar Jahre vergangen. Bei einem stummen Herzinfarkt sterben aufgrund von Durchblutungsstörungen Teile des Herzmuskels ab. Wie kann es also sein, dass der Patient nichts mitbekommt?

Dafür findet die Herzstiftung zwei Erklärungen: Zum einen kann der Infarkt sehr klein sein und somit nur geringe Symptome mit sich bringen, die kaum bis gar nicht wahrgenommen werden.

Zum anderen leiden Patient*innen an Diabetes. Da die erhöhten Blutzuckerwerte die Nerven schädigen können und somit die Nerven am Herzen davon betroffen sein können, kann es sein, dass die Schmerzsignale, die ein Herzinfarkt auslöst, nicht weitergeleitet werden. Aus diesem Grund ist es möglich, dass der oder die Betroffene einen Infarkt nicht wahrnehmen, auch wenn er groß ist.

Stiller Herzinfarkt: Das sind die Risikogruppen

Das Deutsche Rote Kreuz erklärt, dass durch jahrelange Einwirkung von Risikofaktoren der Herzinfarkt beeinflusst wird. Diese sind beispielsweise: Übergewicht, Bluthochdruck, Rauchen, Bewegungsmangel, sowie zu hohe Cholesterinwerte

Isländische Herzgesellschaft Hjartavernd initiiert "Iceland MI-Studie" 

Ein Mediziner-Team hatten seit 2004 mehr als 900 betagte Isländer in einer Langzeitstudie mittels EKG und kardiovaskulärer Magnetresonanztomografie (MRT) untersucht – mit überraschendem Ergebnis: Während nur zehn Prozent der Proband*innen von 67 bis 93 Jahren einen diagnostizierten Herzinfarkt erlitten hatten, konnten die Forscher bei 17 Prozent Zeichen eines stummen Infarkts feststellen. Die Zahl der unentdeckten Herzanfälle lag damit deutlich höher als die der erkannten Infarkte. Somit verlaufen fast zwei Drittel der Herzinfarkte subklinisch und werden in der medizinischen Routineuntersuchung übersehen. 

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Eine aktuelle Auswertung der Langzeitdaten, die Dr. Tushar Acharya und Kollegen von der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde NIH in Bethesda zusammen mit Forschern der isländischen Herzgesellschaft im Fachjournal JAMA Cardiology veröffentlichten, zeigt, wie gefährlich stumme Herzinfarkte sind:

Die Sterblichkeit der Patient*innen mit stummen Herzinfarkten ist mit drei Prozent in den ersten drei Jahren der Untersuchung noch genauso hoch, wie die der Proband*innen ohne Infarkt und damit deutlich niedriger als bei jenen mit "normalem" Herzinfarkt (neun Prozent). Ab dem vierten Jahr stieg jedoch die Mortalität in der Gruppe mit stillen Infarkten merkbar an und gelang an das Niveau der Herzinfarkt-Gruppe. Nach zehn Jahren Beobachtungsdauer, war die Sterblichkeit bei den Patient*innen mit stummem Infarkt mit 49 Prozent statistisch kaum noch von den Proband*innen mit gewöhnlichem Herzinfarkt (51 Prozent) zu unterscheiden und lag deutlich entfernt von den Menschen ohne Herzinfarkt (30 Prozent).

EKG-Anzeichen nicht harmlos

Nach sogenannten stummen Herzinfarkten besteht die Gefahr, dass sich im weiteren Verlauf eine Herzschwäche entwickelt. Eine entsprechende Assoziation hat sich in einer Analyse von 9.242 Teilnehmern der Studie Atherosclerosis Risk in Communities (ARIC) gezeigt.  

In der aktuellen Analyse waren stumme Myokardinfarkte mit einem um 35 Prozent erhöhten Risiko für eine Herzinsuffizienz assoziiert. „Daher ist es möglich, dass stumme Infarkte eine mildere Form des manifesten Herzinfarkts oder die frühen Veränderungen vor der Entwicklung eines Myokardinfarkts bzw. einer Herzinsuffizienz darstellen“, so die Mediziner.

Zu klären ist nun, ob auch bei stummen Infarkten eine Therapie, wie sie bei manifesten Myokardinfarkten zum Einsatz kommt, einen Nutzen bringt.

Stummen Herzinfarkt verhindern: Risikofaktoren abbauen

Der Rat des Frankfurter Kardiologen Thomas Voigtländer: „Es gibt fünf Risikofaktoren für einen Infarkt: Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes, hohe Cholesterinwerte und eine genetische Prädisposition. Wer einen oder mehrere dieser Punkte aufweist, sollte sich einmal grundlegend untersuchen lassen, die Risikofaktoren minimieren und eventuell bereits vorhandene Herzschädigungen behandeln lassen.“ Wer keinen der Risikofaktoren aufweist, werde höchstwahrscheinlich weder einen stummen noch einen typischen Infarkt erleiden. 

Wenn frühzeitig Engstellen in den Herzkranzgefäßen festgestellt werden, können das Absterben von Herzmuskelgewebe und daraus entstehende Folgeschäden wie ein Herzinfarkt verhindert werden. Um von Anfang an vorzubeugen, solltest du natürlich auch auf deine Ernährung achten. Hier haben wir 9 Lebensmittel für dich, die dein Herzinfarktrisiko drastisch senken, indem sie deine Arterien reinigen. 

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