Wissenschaftler legen neue Studie zum Rauchen vor: Bürger mit geringer Bildung und wenig Einkommen leben deutlich kürzer als Bessergebildete und Wohlhabende. Dies behauptet eine repräsentative Studie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen). Demnach rauchen rund 42 Prozent aller über 14-jährigen Deutschen, die keinen Schulabschluss besitzen.

Lediglich 20 Prozent aller Bundesbürger mit Abitur greifen zur Zigarette, Zigarre oder Pfeife. Als Konsequenzen ergibt sich laut den Wissenschaftlern ein soziales Gefälle bei Krankheiten und Lebenserwartung. Gegenüber "Spiegel Online" äußerte sich der Leiter der Studie, Daniel Kotz: "Der Tabakkonsum ist sozioökonomisch sehr ungleich verteilt: Je niedriger Schulabschluss und Einkommen sind, desto höher der Raucheranteil."

Laut der Studie haben Menschen mit niedrigem sozioökonomischen Status im Schnitt fünf bis zehn Jahre weniger zu leben. Zusätzlich haben sie zehn bis zwanzig krankheitsfreie Jahre weniger vor sich, als Menschen aus höheren sozioökonomischen Gefilden.


Nach Schulabschluss: Anteil der Tabakraucher

- Kein Schulabschluss: 41 Prozent
- Haupt- oder Volksschulabschluss: 32,7 Prozent
- Realschulabschluss: 32,7 Prozent
- Fachhochschulreife: 23 Prozent
- Abitur: 20 Prozent
Quelle: DEBRA-Studie 2018

Bei Menschen mit hohem beziehungsweise mittlerem sozioökonomischen Status nimmt der Anteil der Raucher seit Jahren kontinuierlich ab. Ganz im Gegenteil zur Schicht mit niedrigem Sozialstatus - dieser verändert sich kaum.
In der Studie stellen Suchtforscher Kotz und seine Kollegen erschreckend erweise fest: "Etwa ein Viertel bis die Hälfte dieser Gesundheitsunterschiede in der Bevölkerung sind auf das Tabakrauchen zurückzuführen". Die "DEBRA"-Studie umfasste 12.000 Probanden: Sie zählt damit zu den umfangsreichsten Forschungen auf diesem Gebiet in Deutschland. Sie wurde am Freitag (6. April 2018) im "Deutschen Ärzteblatt" veröffentlicht.


Anteil der Raucher nach Haushaltsnettoeinkommen/Monat

Befragt wurden über 18-Jährige:
- bis 1000 Euro: 36,5 Prozent
- 1000 bis 2000 Euro: 29,9 Prozent
- 2000-3000 Euro: 29,3 Prozent
- 3000 bis 4000 Euro: 25,6 Prozent
- 4000 bis 5000 Euro: 26 Prozent
- Mehr als 5000 Euro: 23,2 Prozent
Quelle: DEBRA-Studie 2018


Bundesländer im Vergleich

Bayern steht im bundesweiten Vergleich gut da: Der Freistaat belegt Platz elf im Ranking der sechzehn Bundesländer mit 27 Prozent aller über 14-Jährigen, die angaben zu rauchen. Platz eins belegt Brandenburg mit 42,6 Prozent, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern mit 33,5 Prozent.
Die Wissenschaftler gehen in der "DEBRA"-Studie ebenfalls auf Ursachen und Konsequenzen des Tabakkonsums in Deutschland ein. So machen sie beispielsweise die Politik dafür verantwortlich, dass jährlich mehr als 120.000 Raucher, Ex-Raucher und Passivraucher an Folgen des Tabakkonsums sterben. Der hohe Tabakkonsum sei "vermutlich das Ergebnis einer unzureichenden Umsetzung von Tabakkontrollmaßnahmen"


Letztes EU-Land mit Plakatwerbung für Zigaretten

Die Nikotin-Lobby hat über Jahre hinweg ihren Einfluss in Deutschland aufgebaut. Als einziger EU-Staat sind hierzulande noch Plakatwerbungen für Zigaretten legal. Eigentlich verpflichtete sich Deutschland bereits 2004 gegenüber der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dazu, spätestens 2010 ein Verbot von Zigarettenwerbung durchzusetzen. Suchtstudienleiter Daniel Kotz hat dazu seine eigene Meinung: "Indem die deutsche Politik die WHO-Vorgaben nicht umsetzt, ist sie verantwortlich für die stets größer werdenden sozioökonomischen Gesundheitsunterschiede."