• Forschende stellen Zusammenhang zwischen Weichmacherbelastung und Krebs bei Kindern her
  • Studie basiert auf Daten eines dänischen Gesundheitsregisters
  • Erhöhtes Risiko für Lymphome und Knochenkrebs vermutet

Medikamenteneinnahme kann bei Kindern zu einem erhöhten Risiko für Knochenkrebs und Lymphome führen. Das liege laut Wissenschaftler*innen nicht an den Wirkstoffen selbst, sondern an den Weichmachern (Phtalaten), die in Kapseln und Tabletten enthalten sind. In einer Studie der University of Vermont versuchte ein Team aus Forschenden, einen Zusammenhang zwischen Weichmachern und Krebs bei Kindern und Jugendlichen herzustellen.

Weichmacher erfüllen wichtige Funktionen in der Medizin - sind aber nicht ungefährlich

Wieso werden Weichmacher in Medikamenten überhaupt eingesetzt? In der Medizin werden Phtalate als Umhüllung von Medikamenten in Kapselform verwendet. Die Hülle sorgt dafür, dass der Wirkstoff nicht zu früh im Körper freigesetzt wird. In flüssigen Präparaten und Tabletten dienen sie als Stabilisatoren. Allerdings können Weichmacher im Körper eine ähnliche Wirkung wie Hormone erzielen. Daher machen Forschende sie verantwortlich für Übergewicht, Unfruchtbarkeit und andere Krankheiten. Diese Meinung ist bisher noch nicht belegt, aber auch das Bayrische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hält Weichmacher für nicht ungefährlich.

Die Frage, die sich die Wissenschaftler*innen der University of Vermont stellten, ist die danach, ob Weichmacher das Risiko für Krebs steigern - besonders bei Kindern und Jugendlichen. Im Journal of the National Cancer Insitute veröffentlichten sie ihre Ergebnisse. Dazu evaluierten sie Daten, die in einem dänischen Gesundheitsregister zusammengetragen wurden. Das Register enthält die Gesundheitsdaten von 1,3 Millionen Menschen, die zwischen 1997 und 2017 geboren wurden und somit deren medizinischen Verlauf vom Babyalter bis zum Erwachsenenalter.

Studienleiter Thomas Ahern und sein Team haben anhand der Medikamentenverschreibungen der einzelnen Personen die Medikamentenbelastung in ihren Körpern ermittelt. Auch die Belastung im Mutterleib, durch Medikamenteneinnahme während der Schwangerschaft, wurde hierbei miteinbezogen. Somit konnten sie feststellen, ob tatsächlich ein Zusammenhang zwischen Weichmachern und einem erhöhten Krebsrisiko bis zu ihrem 18. Lebensjahr besteht.

Lymphdrüsenkrebs und Knochenkrebs besonders wahrscheinlich

Während der Untersuchungen erkrankten 2027 Kinder und Jugendliche an Krebs. Das auffällige dabei war, dass einige Krebsarten besonders häufig bei Kindern auftraten, die unter einer erhöhten Phtalatbelastung litten. Das Risiko für Lymphdrüsenkrebs hatte sich verdoppelt und das für Knochenkrebs sogar verdreifacht.

"Dieser Zusammenhang trat nur für die Exposition gegenüber niedermolekularen Weichmachern auf, die gängiger Annahme nach eine größere biologische Aktivität entfalten", erklärt Studienleiter Ahern und bezog sich dabei auf die Stoffe Dibutylphthalat (DBP), Celluloseacetatphthalat, Hypromellosephthalat und Polyvinylacetatphthalat. Allerdings kann auch durch diese Studie noch kein direkter Zusammenhang nachgewiesen werden. "Unsere Ergebnisse tragen zu einer wachsenden Zahl an Belegen bei, nach denen diese allgegenwärtigen Chemikalien einen negativen Einfluss auf die menschliche Gesundheit haben."