Anton Luber aus Nürnberg ist 50 Jahre alt und geht beim "Obermain-Marathon" über die Königsdisziplin an den Start. 42195 Meter sind schon eine Hausnummer. Vor jeden Teilnehmer, der am 12. April in Bad Staffelstein losdüst, um dem Marathon zu bewältigen, muss man den Hut ziehen. Bei Anton Luber kommt noch etwas hinzu: er ist seit seiner Jugend aufgrund einer Augenerkrankung blind.
Der Nürnberger steht mitten im Leben, arbeitet als Anwendungsentwickler und hält sich via "Sreenreader", einer PC-Software für Blinde mit Sprachausgabe, auf dem Laufenden, was Laufsportveranstaltungen betrifft. Sportbegeistert war Luber schon immer, von Tandemfahren und Skilanglauf bis zu Torball, einer speziellen Mannschaftssportart für Blinde. Den Laufsport hat er relativ spät für sich entdeckt: "Mein ersten Marathon lief ich 2008 in Regensburg, damals war natürlich schon noch ein wenig Lampenfieber mit im Spiel", erinnert er sich. Heute ist Luber längst ein "alter Hase", bestritt schon über hundert Marathons - davon ein Drittel Ultramarathons. Wie fit der für die BSG N-Ergie Nürnberg antretende Luber ist, zeigt schon allein die Tatsache, dass er am Tag vor dem Obermain-Marathon den Göltzschtal-Marathon läuft, quasi zwei Marathons an einem Wochenende, ein so genannter Doppeldecker. Und als wäre es nichts Besonderes, ergänzt er: "Die beiden Marathons sehe ich als Vorbereitung für den Ultra in Wuppertal am 2. Mai". Der ist, nur mal so am Rande bemerkt, 100 Kilometer lang. "Bei so einem Doppeldecker geht man natürlich gezielt langsamer an die beiden Marathons heran, läuft bewusst 20 bis 30 Minuten langsamer". Trotzdem ein körperlicher Kraftakt, Otto-Normal-Läufer kommen schon beim Gedanken an einen "Doppeldecker" Schweißausbrüche.
Als Blinder benötigt Luber einen Begleitläufer, der manchmal wechselt. Beim Obermain-Marathon wird dies Stefan Dettenberger aus Ansbach sein. "Mit Stefan bin ich schon vier Marathons gelaufen, wir sind ein eingespieltes Team", lobt Luber und erklärt, wie das Laufen bei Blinden funktioniert: "Wir sind durch ein Band verbunden, das wir beide in der Hand halten. Richtungsänderungen oder Hindernisse auf der Strecke sagt der Begleiter an". Bei Verpflegungsstationen nimmt der Begleitläufer einfach zwei Becher und reicht einen an Luber weiter.
Dettenberger lief erst 2012 seinen ersten Marathon, 2013 erstmals als Begleiter von Luber. Seine anfängliche Unsicherheit - Dettenberger hatte nie zuvor bei einem Wettkampf einen Blinden begleitet - war schnell verflogen. "Anton ist ein sehr umgänglicher Mensch", so Dettenberger. Vor allem am Start gilt es aber schon wachsam zu sein: "Am besten ist es, wenn Anton am äußersten Rand losläuft und ich innen die anderen Läufer quasi ,abschirme'", erklärt Dettenberger.
Keineswegs ist es so, dass der Sehende den Blinden "mitzieht". In diesem Fall - die Ultramarathons sprechen ja eine deutliche Sprache - ist es oft sogar genau umgekehrt, wie Dettenberger einräumt: "Weil Anton der schnellere Läufer ist, entsteht bei uns eine echte Win-Win-Situation. Er ist mein Motivator, ich bin sozusagen Antons Augen - und mit ihm an der Seite bin ich persönliche Bestzeit gelaufen."