Bei Festen wie Weihnachten, Geburtstag oder Hochzeit steht häufig ein reichhaltiges Festessen auf dem Tisch. Nach landläufiger Auffassung soll gerade nach so einem ausufernden, meist fettigen Mahl ein Schnaps die Verdauung anregen. Das Gefühl stärkt die These: Nachdem man feuchtfröhlich das Glas geleert hat, breitet sich sofort eine wohlige Wärme in der Magengegend aus. Der Grund ist schnell erklärt: Alkohol erweitert die Blutgefäße und übt eine entspannende Wirkung auf Muskelzellen aus. Daher sollte man meinen, dass der Schnaps auch eine positive Wirkung auf die Verdauung hat. Aber ist das wirklich so?

Wer sich nach einer Schlemmerei einen Grappa oder Obstler genehmigt, tut sich nur scheinbar etwas Gutes. Der berühmte Verdauungsschnaps ist ein Mythos. Hochprozentiges verlangsamt die Verdauung anstatt Erleichterung zu verschaffen. Zumindest ein klarer Schnaps wirkt sich eher negativ auf die Verdauung aus. Anstatt das Essen zu verarbeiten, muss der Körper jetzt den Alkohol abbauen. Man verdaut erst später, und das üppige Festmahl liegt länger und schwerer im Magen.

Kräuter sorgen für Wirkung

Zwar können Kräuterliköre oder -schnäpse die Verdauung unterstützen, dafür sind aber die enthaltenen Kräuter verantwortlich und nicht der Alkohol. Insofern könnte man auch einen Kräutertee trinken oder ein Bonbon lutschen. Wer unbedingt einen Verdauungsschnaps trinken will, sollte also auf klare Schnäpse verzichten und besser einen Kräuterlikör trinken.

Achtung: Besonders negativ wirken harte Alkoholika und dunkle Schnäpse wie Kognak oder Whisky. Solche Spirituosen erhalten ihre Färbung durch sogenannte Zuckercouleur. Dieser Stoff behindert die Verdauung zusätzlich.

Besser auf Alkohol verzichten

Um den Körper in Ruhe verdauen zu lassen, sollte man besser ganz auf Alkohol verzichten. Alkohol geht im Magen direkt ins Blut über und beeinflusst im Gehirn Areale, die für die Verdauung zuständig sind. Der Körper ist in erster Linie mit dem Abbau des Alkohols beschäftigt, anstatt die Nahrung zu verdauen.

Kurzfristige Erleichterung

Hochprozentiger Alkohol verzögert die Verdauung. Kurzfristig verschafft ein Absacker zwar ein angenehmes Gefühl nach dem Essen, langfristig verfehlt das "Schnapserl in Ehren" jedoch seinen Zweck. Alkoholika betäuben lediglich das Völlegefühl und bewirken, dass die Verdauung verlangsamt wird. Nach einer üppigen Mahlzeit sollte man lieber zu einer Tasse Tee oder Kaffee greifen, einen kleinen Spaziergang an der frischen Luft einlegen oder einfach die Hose etwas lockern. Das regt die Verdauung und den Kreislauf an, und der Festtagsbraten liegt nicht allzu schwer im Magen.