Auch wenn Rückenschmerzen zu den häufigsten Beschwerden in Deutschland gehören: Wenn es darum geht, wie sie eigentlich entstehen, fällt den Mediziner eine klare Antwort schwer. Zu vielfältig und unspezifisch sind die UrsachenvonRückenbeschwerden. Ein einheitliches Krankheitsbild "Rücken" gibt es nicht. Ein Überblick über die wichtigstenErkrankungendesRückensundihreUrsachen.


Kreuzschmerzen (Lumbalgie) - Unspezifische Schmerzen im unteren Rücken

Der weitaus größte Teil aller Rückenbeschwerden werden unter dem Begriff "Kreuzschmerzen" zusammengefasst. Die Patienten-Information der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung definiert Kreuzschmerzen als "Schmerzen im Rückenbereich unterhalb des Rippenbogens und oberhalb des Gesäßes" - also als Schmerzen im unteren Rücken.

Rückenschmerzen: Woher die Schmerzen kommen und was man tun kann - ein Überblick

Eine klare Ursache lässt sich nur selten identifizieren, deshalb sprechen Mediziner von "unspezifischen Kreuzschmerzen". Jedoch sind meist gereizte Nerven in der Wirbelsäule verantwortlich für den Schmerz. Gründe für die Reizung können verspannte Muskeln, Fehlhaltungen, Übergewicht, Bewegungsmangel und seelische Belastungen sein. Als wichtigstes Mittel gegen Kreuzschmerzen wird mittlerweile Bewegung gesehen - mitunter auch unter Zuhilfenahme von Schmerzmitteln.


Hexenschuss (Lumbago) - Wenn der Schmerz plötzlich ins Kreuz fährt

Auch beim Hexenschuss oder Lumbago handelt es sich um ein unspezifischen Rückenschmerz im unteren Rücken, der plötzlich auftritt. Betroffene können sich dann kaum noch bewegen oder ihren Rücken strecken. Eine klare Ursache für den Hexenschuss gibt es nicht. Auslöser sind meist ruckartigeBewegungen oder das Hebenvon schweren Lasten.

Die Schmerzen verleiten Patienten meist dazu, eine Schonhaltung einzunehmen. Dies kann jedoch wiederum eine Fehlhaltung und neue Schmerzen verursachen. In den meisten Fällen klingen die Beschwerden jedoch von alleine nach einigen Tagen ab.


Ischiasschmerz - Lähmungsgefühl vom Rücken bis in den Fuß

In der Wirbelsäule verlaufen die wichtigsten Nervenbahnen des Menschen im sogenannten Rückenmark. Der längste und dickste von ihnen ist der Ischias-Nerv: Er reicht von der Lendenwirbelsäule bis zum Fuß. Wird der Ischias gereizt, spüren Betroffene häufig neben dem Schmerz ein Kribbeln und eine Schwäche im Bein und im Fuß. Dies kann sogar zu Lähmungserscheinungen führen.

Eine klare Ursache gibt es auch beim Ischiasschmerz nicht - allerdings können Reizungen durch Fehlbelastungen die Schmerzen verursachen. Außerdem erzeugen auch Probleme mit den Bandscheiben Schmerzen im Ischias.


Bandscheibenvorfall - Gefürchtete Verschleißerscheinung im Rücken

Wenige Erkrankungen werden so stark mit Rückenschmerzen identifiziert wie der Bandscheibenvorfall. Beim Bandscheibenvorfall handelt es sich um eine spezifischeErkrankungderWirbelsäule, die zu einer Reizung der Nerven führt. Die Schmerzen strahlen dabei häufig auch in die Extremitäten aus, Taubheitsgefühle und Lähmungen können auftreten.

Verursacht wird der Bandscheibenvorfall zunächst durch eine Abnutzung der Bandscheiben. 23 davon hat das menschlich Skelet. Wie eine Art Stoßdämpfer trennen die Gel- oder auch Gallertkerne die einzelnen Wirbel der Wirbelsäule. Im Alter und durch starke oder falsche Belastung nutzen sich diese ab. Eine genetische Vorbelastungen kann diesen Prozess beschleunigen.

Stress, Angst und Belastung: Rückenschmerzen haben häufig psychische Ursachen

Durchbricht die Gallertmasse den harten Rand der Bandscheibe , spricht man von einem Bandscheibenvorfall. Das Gewebe drückt gegen die Nerven und reizt sie - der Patient spürt Schmerzen.


Wirbelkanalverengung oder Spinale Stenose - Degenerative Veränderung im Alter

Das menschliche Skelet ist nicht unbedingt für den aufrechten Gang gemacht. Noch dazu werden Menschen heute deutlich älter als früher - die Belastung steigt deshalb in der Moderne also nochmals. Bei der Wirbelkanalverengung beziehungsweise der SpinalenStenose handelt es sich um eine klassische Alterserkrankung. Sie tritt verstärkt bei Menschen über 65 Jahren auf. Die Wirbelkanalverengung äußert sich meist durch ein Schwächegefühl und SchmerzenbeimGehen.

Verursacht wird sie dadurch, dass die Bandscheiben, die Stoßdämpfer der Wirbelsäule, an Höhe verlieren. Der Wirbelkanal wird enger, Nervenwurzeln werden durch die Knochen abgedrückt. In einigen Fällen hilft dann eine Operation.


Osteoporose - Knochenschwund vor allem im Alter

Auch bei der Osteoporose handelt es sich in den meisten Fällen um eine Alterserkrankung. Besonders Frauen nach der Menopause beziehungsweise nach den Wechseljahren sind von Osteoporose betroffen. Je nach Statistik snd bis zu 80 Prozent aller Erkrankten weiblich. Außerdem steht das Rauchen im Verdacht, die Herausbildung von Osteoporose zu begünstigen. Auch bei anderen Rückenbeschwerden sind besonders häufig Frauen betroffen.

Bei den Betroffen nimmt die Knochendichte ab - die Knochen werden instabil. Grund dafür ist häufig ein veränderter Stoffwechsel, der den natürlichen Abbau der Knochenmasse im Alter noch beschleunigt. Durch den Knochenschwund werden Brüche immer wahrscheinlicher. Sie können je nach Schwere der Osteoporose auch ohne einen Unfall oder übermäßige Belastung auftreten.

Neben der medikamentösenBehandlung ist für Betroffene auch regelmäßige Bewegung wichtig: So kann der Knochenabbau zumindest hinausgezögert werden. Die zusätzliche Einnahme von Calcium und VitaminD wird ebenso von vielen Stellen empfohlen - allerdings ist die Wirksamkeit von solchen Nahrungsergänzungsmitteln umstritten.


Wirbelgleiten oder Spondylolisthesis: Instabilität in der Wirbelsäule

Im Gegensatz zur Osteoporose oder der Wirbelkanalverengung handelt es sich beim Wirbelgleiten nicht um eine klassische Alterserkrankung. Im Gegenteil: Gerade jüngere, besonders sportlich sehr aktiveMenschen sind von einer Spondylolisthesis betroffen. Denn die Ursachen für Wirbelgleiten sind häufig in einer übermäßigen Belastung und einem "Überstrecken" der Wirbelsäule zu suchen.

Wie der Name bereits nahelegt, "gleitet" bei einer Spondylolisthesis ein Wirbel über den nächsten. Die Wirbel werden so gegeneinander verschoben, im Spinalkanal können Nerven eingeklemmt werden - was Schmerzen, Nervenschäden und sogar Lähmungen verursachen kann.

Gerade im Anfangsstadium der Erkrankung klagen Betroffene häufig nur über leichte, unspezifischeBeschwerden. Eine Diagnose ist deshalb schwierig.

In vielen Fällen genügt die Gabe von Schmerzmittel und eine Rückengymnastik, um die Beschwerden zu bekämpfen. Allerdings kann auch ein operativerEingriff nötig werden.