• Medikamenten-Umfrage der BKK: Drei Viertel wünschen sich geschlechterspezifische Beipackzettel
  • Gründe für geschlechtsspezifische Medizin
  • Nebenwirkungen bei Frauen etwa doppelt so häufig wie bei Männern

Auf jeder Medikamentenverpackung findest du automatisch auch Angaben zur Dosierung. Unklar bleibt jedoch vielen, ob die Angaben sich auf Männer und Frauen beziehen oder ob es Unterschiede zu beachten gibt. Patient*innen fordern eine künftige Reform.

Wandel in der Medizin: Geschlechtsspezifische Beipackzettel

Beipackzettel von Medikamenten enthalten in der Regel keine getrennten Dosierungsangaben für Männer und für Frauen. Eine Umfrage der BKK VBU hat nun aufgezeigt, dass rund 74 % Bürger*innen sich zukünftig geschlechtsspezifische Dosierungsangaben wünschen. Im Rahmen einer repräsentativen Umfrage wurde deutlich, dass ganze 78 % der deutschen Bürger*innen noch nie über die unterschiedliche Wirkung von Medikamenten für Männer und Frauen informiert wurden.

Biologische Unterschiede der Geschlechter, wie beispielsweise unterschiedliche Fett-, Wasser- und Muskelanteile sowie Hormone, führen laut BKK VBU jedoch dazu, dass sowohl im Verlauf einer Krankheit als auch in der Medikamentenwirkung Unterschiede festzustellen sind. Durchschnittlich sind Frauen im Vergleich zu Männern etwas kleiner und wiegen weniger; Folge dessen ist, dass Frauen häufig eine zu hohe Dosis erhalten, da dies im medizinischen Alltag nicht zureichend berücksichtigt wird. Der Grund: Männer galten jahrzehntelang als Norm in der Untersuchung von Arzneistoffen.

Auch heute werden laut dem Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz Medikamente in der ersten Phase überwiegend an Männern getestet. Erklärt wird dieses Phänomen anhand des stark schwankenden weiblichen Hormonspiegels. Untersuchungen von Arzneimittelwirkungen und -nebenwirkungen werden durch die starken Hormonschwankungen, beispielsweise während einer Schwangerschaft oder des normalen Zyklus, erschwert. 

Höheres Risiko von Nebenwirkungen trotz sicherem Dosis-Bereich

Die Barmer informiert darüber hinaus, dass verschiedene Faktoren die Wirkungsweise von Medikamenten beeinflussen; darunter das Alter, das Körpergewicht, der Anteil an Muskel- und Fettgewebe, die Nieren- und Leberfunktion, die Geschlechtshormone, die Lebensgewohnheiten wie die Ernährung sowie Genussmittel und genetische Unterschiede, die zu einem unterschiedlichen Stoffwechsel führen.


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Zudem deutet die Barmer jedoch darauf hin, dass die Dosierung eines Medikamentes in der Regel einen ganzen Dosis-Bereich einschließt, in welchem weder eine Über- noch eine Unterdosierung vorliegt. Nimmst du als Frau nun also ein Medikament, welches in sich bei den Angaben überwiegend an Männern orientiert, liegt die Dosis in der Regel dennoch im sicheren Dosis-Bereich. Sicher ist aber, dass Nebenwirkungen aufgrund der nicht geschlechtsspezifischen Dosierung bei Frauen etwa doppelt so häufig auftreten wie bei Männern. Die Medikamentennebenwirkungen sind dabei spezifisch für jedes Medikament. Geschlechterspezifische Beipackzettel könnten hier ein erster Schritt in die richtige Richtung sein und das Risiko auf Nebenwirkungen verringern. Als Frau kannst du derzeit nur darauf ausweichen, bei deinem Arzt oder deiner Ärztin nach einer individuellen Dosierungsempfehlung zu fragen.

Achtung: Bei speziellen Medikamentengruppen wie Blutzuckersenkern, Medikamenten gegen Krampfanfälle bei einer Epilepsie, Blutverdünner oder Blutdrucksenker ist es jedoch signifikant, dass du von deinem Arzt oder deiner Ärztin eine individuell auf dich angepasste Dosis erhältst. Hier müssen sowohl das Geschlecht, als auch die individuellen körperlichen Voraussetzungen beachtet werden.

Fazit

"Bis heute gilt das männliche Geschlecht als die Norm in der Medizinforschung", so die Vorständin Andrea Galle der BKK VBU; stützend zeigte auch die Barmer auf, dass Frauen ein etwa doppelt so hohes Risiko für Nebenwirkungen wie Männer haben.

Deshalb wird ein Wandel in der Pharmaindustrie gefordert: In der Zukunft sollen Dosierungsangaben geschlechtsspezifisch sein und somit eine optimale Versorgung für Patient*innen ermöglichen. Der Blickwinkel solle erweitert werden, sodass auch die biologischen Unterschiede Beachtung finden und nicht ignoriert werden. Für die Gendermedizin steht die unterschiedliche Wirkung der Medikamente je nach Geschlecht im Fokus der Forschung. Wie lange es brauchen wird, bis Änderungen eintreten, ist derzeit noch nicht vorherzusagen.

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