Franken
Stiftung Warentest

Johanniskraut: Diese Mittel helfen bei depressiver Verstimmung und Depression

Gegen depressive Verstimmungen ist ein Kraut gewachsen: Johanniskraut hilft nachweislich gegen leichte bis mittelschwere depressive Phasen. Die Stiftung Warentest hat 18 Johanniskraut-Präparate überprüft: Klar zu empfehlen sind die apothekenpflichtigen Mittel.
Während einer Depression oder einer depressiven Verstimmung fällt es schwer, Freude zu empfinden. Abhilfe können in leichten und mittelschweren Fällen Johanniskraut-Präparate schaffen. Foto: Fernando/Unsplash.com.
  • Stiftung Warentest hat 18 Johanniskraut-Präparate getestet
  • Johanniskraut hilft nachweislich gegen depressive Verstimmungen
  • Wir sagen Ihnen, wie Johanniskraut wirkt und haben die wichtigsten Testergebnisse
  • Am besten schneiden die Johanniskraut-Mittel aus der Apotheke ab

Jede vierte Frau und jeder achte Mann leiden im Laufe ihres Lebens unter einer Depression. Depressive Verstimmungen sind noch weiter verbreitet. Linderung versprechen Johanniskraut-Präparate* - diese sollen stimmungsaufhellend wirken. Als natürliche Alternative zu Antidepressiva werden solche Präparate zunehmend beliebter. Deshalb befasst sich die Stiftung Warentest in einem Test mit solchen Johanniskraut-Mitteln.

Johanniskraut: Wundermittel bei depressiver Verstimmung?

Im Test befinden sich 18 Johanniskraut-Präparate, darunter rezeptfreie und verschreibungspflichtige. Dabei wurde sowohl die Wirksamkeit als  auch Risiken überprüft. Die Experten untersuchten, ob eine Wirksamkeit des jeweiligen Mittels belegt ist oder nicht. Dabei wurden unter anderem Unterlagen mit einbezogen, die die Anbieter den Testern zur Verfügung stellten. Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Belastung mit Pflanzengiften gelegt, die aus mitgeernteten Beikräutern stammen - sogenannte Pyrrolizidinalkaloiden.

Stiftung Warentest untersuchte 18 Johanniskraut-Präparate, darunter zehn apothekenpflichtige und acht, die frei verkäuflich in Drogerien zu erwerben sind. Das Ergebnis: Greifen Sie besser zu apothekenpflichtigen Mitteln, diese wirken nachweislich. Frei verkäufliche Mittel sind meistens zu schwach dosiert. Pflanzengifte (Pyrrolizidinalkaloiden) konnten in allen Mittel in höchstens geringen Mengen nachgewiesen werden. 

Johanniskraut bei depressiver Verstimmung: So wirkt es

Johanniskraut wirkt sich nachweislich positiv auf leichte bis mittelschwere depressive Phasen aus. Neben der antidepressiven Wirkung soll das Wunderkraut auch geistigen Erschöpfungszuständen entgegenwirken. Darüber hinaus wirkt es bei äußerlicher Anwendung entzündungshemmend und zeigt sich förderlich bei der Wundheilung kleiner Verletzungen. Wie 37 Doppelblindstudien ergaben, funktioniert Johanniskraut ähnlich wie trizyklische Antidepressiva. Im Gegensatz zu diesen chemisch hergestellten Medikamenten ist Johanniskraut jedoch sehr verträglich und führt nicht zu den für Antidepressiva üblichen Nebenwirkungen.

Welcher Wirkstoff für den antidepressiven Effekt des Johanniskrauts verantwortlich ist, ist laut Stiftung Warentest bislang unklar. Der Zubereitung wird allerdings eine nachweisliche Wirkung zugesprochen: Entweder wird das Kraut getrocknet oder Saft herausgepresst. Die empfehlenswerten Mittel im Test enthalten alle getrocknetes Johanniskraut-Extrakt. Diese Zubereitungsweise ermöglicht eine stärkere Dosierung und somit eine bessere Wirkung.

Apothekenpflichtige Johanniskraut-Präparate besser als Mittel aus dem Drogeriemarkt

Zehn der insgesamt 18 Johanniskraut-Präparate im Test der Stiftung Warentest waren apothekenpflichtig, einige davon sogar rezeptpflichtig. Die getesteten rezeptfreien Mittel helfen gut bei leichten depressiven Verstimmungen, die rezeptpflichtigen auch bei mittelschweren depressiven Phasen. Diese Mittel verfügen über eine wissenschaftlich belegte Wirksamkeit, weshalb sie einen ähnlichen Einfluss auf die Psyche haben wie Antidepressiva.

Damit die Mittel wirken, sollten täglich circa 900 Milligramm des Trockenpräparates eingenommen werden. Wer unter leichten Verstimmungen leidet, dem können bereits 500 bis 750 Milligramm genügen. Unter den rezeptpflichtigen Mitteln enthielten die Präparate Neuroplant und Jarsin Rx am wenigsten der Pflanzengifte Pyrrolizidinalkaloiden. Unter den rezeptfreien, aber apothekenpflichtigen Johanniskraut-Mitteln* waren das die Produkte Feris, Hyperforat, Jarsin 300 mg und 450 mg und Neuroplant Aktiv. Generell gilt: Die apothekenpflichtigen Mittel enthalten alle nur sehr geringe Mengen an Pflanzengiften.

Johanniskraut-Mittel bei Amazon ansehen 

Frei verkäufliche Mittel aus dem Drogeriemarkt weniger gut geeignet

Die Wirksamkeit der frei verkäuflichen Johanniskraut-Präparate ist nicht zur Genüge belegt, weshalb die Stiftung Warentest eher von ihnen abrät. Es ist anzuzweifeln, dass diese Mittel wirken, da die Wirkstoffe in zu geringen Mengen in ihnen vorliegen. Die Johanniskraut-Tees von H&S und Sidroga sind komplett frei von den Pflanzengiften Pyrrolizidinalkaloiden, ebenso wie der Saft von Schoenenberger

Das Präparat der Drogeriemarkt-Kette dm enthält Johanniskraut-Extrakt, allerdings in einer so geringen Menge, die kaum eine Wirkung zeigen wird. Das Produkt von Bombastus lässt sich laut dem Hersteller auch höher dosieren, das fördert aber auch wieder die Wahrscheinlichkeit von Wechselwirkungen. Alle frei verkäuflichen Mittel enthalten keine, sehr geringe oder geringe Mengen an Pyrrolizidinalkaloiden.

Johanniskraut-Tee bei Amazon ansehen 

Vorsicht bei den Wechselwirkungen von Johanniskraut und anderen Mitteln

Der große Vorteil von Johanniskraut* ist ganz klar, dass die für Antidepressiva üblichen Nebenwirkungen vermieden werden. Im Zuge einer Therapie mit einem Antidepressivum kommt es häufig zu Nebenerscheinungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit oder Hautausschlägen. Allerdings kann es auch zu Wechselwirkungen zwischen dem Johanniskraut und anderen Medikamenten kommen. Deshalb wird allen, die HIV-Medikamente, bestimmte Antidepressiva, Krebsmedikamente und Mittel nach einer Organtransplantation nehmen, von der Verwendung von Johanniskraut-Präparaten abgeraten.

Wer die Anti-Baby-Pille zu sich nimmt, gefährdet die Wirksamkeit des Hormon-Präparats. Vorsicht ist auch bei Kindern und Jugendlichen geboten: Die Europäische Arzneimittelbehörde rät allen unter 18 Jahren von der Verwendung von Johanniskrautmitteln ab, da die Wirkung lediglich bei Erwachsenen untersucht ist. Daran sollte man sich halten, auch wenn einige Hersteller ihr Präparat als geeignet für Kinder und Jugendliche beschreiben. 

Lesen Sie auch:

Bei Unruhen und Schlafstörungen: Baldrian- und Hopfen-Präparate helfen

Ebenfalls hilfreich bei Verstimmungen sind laut dem Ärzte-Patienten-Portal jameda Präparate aus Baldrian und Hopfen. Auch Extrakte aus Lavendel, Melisse und Passionsblume können gegen Gefühle von innerlicher Unruhe helfen. Diese natürlichen Mittel sorgen in erster Linie für eine  erholsamen Schlaf, der das allgemeine Wohlbefinden fördert.

Aus der alternativen Medizin stammen außerdem antidepressive Heilmittel, wie homöopathische Präparate, Schüsslersalze oder Bachblüten. Während die Wirksamkeit mancher dieser alternativen Heilmittel umstritten ist, zeigt die Wissenschaft, dass Johanniskraut in der richtigen Dosierung nachweislich gegen leichte und mittelschwere depressive Phasen hilft.

Den kompletten Artikel finden Sie auf der offiziellen Website von Stiftung Warentest.

Fazit: Apothekenpflichtige Johanniskraut-Präparate helfen bei leichten bis mittelschweren Depression

Im Test der Stiftung Warentest zeigte sich, dass apotheken- und rezeptpflichtige Johanniskraut-Präparate durchaus gegen depressive Verstimmungen wirken. Frei verkäufliche Mittel enttäuschen hingegen - sie sind oft zu gering dosiert. Sollten Sie unter einer schwerwiegenden Depression leiden, sollten Sie nicht versuchen, diese mit Johanniskraut-Mitteln zu kurieren - wenden Sie sich an Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin, an Beratungsstellen oder an einen Psychiater oder Psychotherapeuten. Leichte depressive Verstimmungen können zwar mit diesen Mitteln geheilt werden, allerdings sollten Sie sich professionelle Hilfe suchen, wenn die depressiven Phasen nicht verschwinden.

 

Verpasse nichts auf der neuen Facebook-Seite „Schon gewusst?“

 

*Hinweis: In der Redaktion sind wir immer auf der Suche nach tollen Angeboten und nützlichen Produkten für unsere Leser - nach Dingen, die uns selbst begeistern und Schnäppchen, die zu gut sind, um sie links liegen zu lassen. Es handelt sich bei den in diesem Artikel bereitgestellten und mit einem Einkaufswagen-Symbol beziehungsweise einem Sternchen gekennzeichneten Links um sogenannte Affiliate-Links/Werbelinks. Wenn Sie auf einen dieser Links klicken und darüber einkaufen, bekommen wir eine Provision vom Händler. Für Sie ändert sich dadurch nichts am Preis. Unsere redaktionelle Berichterstattung ist grundsätzlich unabhängig vom Bestehen oder der Höhe einer Provision.